Borneos Orang-Utans: Die Not bleibt, die Hoffnung wächst

Weil immer mehr Wald gerodet wird, bleibt Orang-Utans oft nichts anderes übrig, als in Plantagen und Felder einzudringen, um nicht zu verhungern. Dort jedoch werden sie oft als „Schädlinge“ getötet. Zurück bleiben Orang-Utan-Waisenkinder, die zum Teil gezielt gejagt und verkauft werden. Diesen Domino-Effekt versucht der WWF zu durchbrechen – vor allem durch Aufklärung und Bewusstseinswandel. Am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag. An diesem Tag sollten wir die Menschenaffen besonders ehren und daran erinnern, dass sie bedroht sind.

Jedes Jahr werden allein im indonesischen Teil Borneos schätzungsweise mehr als 2.200 Orang-Utans getötet. Susanne Gotthardt, Expertin für Südostasien beim WWF Deutschland, kennt die maßgebliche Ursache. „Viele Menschen dort wissen noch immer nicht, dass Orang-Utans geschützt sind. Deshalb gehen wir vor allem zu den Kleinbauern, die aus Rache, Furcht oder zum Schutz ihrer Ernte Orang-Utans angreifen. Ihnen erklären wir, wie wichtig die Menschenaffen für die Natur sind – zum Beispiel als Samenverbreiter. Und wir zeigen ihnen, wie sie Konflikte mit den Tieren vermeiden können.“

Inzwischen arbeitet das WWF-Team in Indonesien mit mehreren Gemeinden zusammen, in deren Waldgebieten Orang-Utans leben. In manchen Dörfern helfen die Dorfbewohner bereits beim Zählen der Orang-Utan-Nester. Ein wichtiger Job, um herauszufinden, wie viele der Menschenaffen tatsächlich in der Region leben.

Wie Orang-Utans für sauberes Wasser sorgen

In einigen Gemeinden sorgen Orang-Utans sogar schon für mehr Lebensqualität. Denn sie locken zahlungskräftige Ökotouristen an. Vorreiter ist das Dorf Melemba am Rand des Danau-Sentarum-Nationalparks, wo bereits ein Viertel des Gemeindewaldes als schützenswerte Tourismuszone ausgewiesen ist.

Dort bringen die Orang-Utans den rund 60 Dorfbewohnern inzwischen ganz konkrete Vorteile, berichtet Biologin Dewi Puspita Sari vom WWF Indonesien: „Eine Frau, die in Melemba lebt, erzählte mir, dass ihr Leben heute besser geworden ist. Sie kann dank einer Wasserleitung aus dem Orang-Utan-Schutzgebiet sauberes Wasser genießen und hat jetzt Zugang zu Strom aus Sonnenkollektoren und zu sanitären Anlagen.“ All das wurde gleichermaßen für Dorfbewohner und Touristen gebaut, die Orang-Utans sehen wollen.

Um Bewusstsein für Orang-Utans zu wecken, setzt der WWF vor allem auf Jugendliche und junge Erwachsene, da sie gute Multiplikatoren in den Familien sind. In mehreren Kampagnen vor Ort klärten die Kollegen darüber auf, warum die Menschenaffen geschützt sind und wie jeder gegen Wilderei mithelfen kann. Eine anschließend durchgeführte Studie bestätigte die Methode: Die meisten Befragten gaben an, auf diesem Weg für die Belange der Orang-Utans sensibilisiert worden zu sein.

Unsere indonesischen Kollegen in Pontianak sagen Danke für eure Unterstützung

Orang-Utans auf Instagram

Leider sind soziale Medien auch eine wachsende Plattform für illegalen Artenhandel. Ein noch minderjähriger Händler bot über insgesamt 16 verschiedenen Online-Konten Wildtiere an. Darunter auch Orang-Utans auf Instagram: Ein zwölf Monate altes Männchen für umgerechnet 95 Euro und ein zehn Monate altes Weibchen für 160 Euro.

Im August 2017 wurde der minderjährige Händler zusammen mit seinem volljährigen Partner von der Polizei aufgegriffen. Beide wurden verurteilt, der Minderjährige zu fünf, der Volljährige zu acht Monaten Haft. Das ist ein Erfolg, doch es war seit 2015 erst die zweite Verurteilung. Deshalb schulen wir Strafvollzugsbeamte, damit sie illegalen Orang-Utan-Handel künftig stärker ahnden und mögliche neue Täter abschrecken. Zugleich weiten wir unsere Tätersuche verstärkt auf soziale Medien aus.

Parallel bleiben wir vor Ort aktiv und finanzieren weitere Ranger-Patrouillen in Orang-Utan-Lebensräumen, um Wilderei dauerhaft einzudämmen. Erst im Mai wurden zwei Kontrolltouren im Betung-Kerihun-Nationalpark durchgeführt. Glücklicherweise fanden die Patrouillen keinen Nachweis von Orang-Utan-Wilderei, dafür aber Fallen für Wildschweine und Vögel.

Moschee-Aktion für Menschenaffen

Bewusstseinswandel gelingt auch über Vorbilder – vor allem religiöse. Am internationalen Biodiversitätstag, dem 22. Mai, führte der WWF daher in der Munzalan-Moschee in Kubu Raya eine besondere Veranstaltung durch. Der Regierungsbezirk im Westen Borneos gilt als Brennpunkt der Konflikte zwischen Menschen und Orang-Utans.

In Zusammenarbeit mit den Religionsgelehrten wurde eine auf Initiative des WWF erlassene Fatwa (ein religiöses Rechtsgutachten) des indonesischen Rats der islamischen Rechtsgelehrten intensiv besprochen. Die Fatwa besagt, dass Tiere Geschöpfe Allahs sind und sich Muslime dafür einsetzen sollen, bedrohte Tierarten wie Tiger, Nashörner, Elefanten und Orang-Utans zu schützen. Die Bevölkerung Borneos ist mehrheitlich muslimisch.

Kein Einlenken der Forstunternehmen

Hingegen enttäuschend ist bislang die Blockade seitens der Forstunternehmen, die Konzessionen für Wälder auf Borneo besitzen. Sie schienen zunächst offen zu sein für ein neues, artenfreundliches Waldmanagement und waren anfänglich gewillt, uns die Orang-Utans auf ihren Waldflächen studieren zu lassen. Leider haben wir bis jetzt dazu noch keine Erlaubnis erhalten. Doch wir bleiben dran! Unsere Verhandlungen laufen weiter, um die internen Widerstände in den Unternehmen zu überwinden. Denn nur wenn die Konzessionswälder nachhaltig genutzt werden, haben die Orang-Utan-Populationen dort eine Überlebenschance.

Weiter positiv verläuft hingegen unsere Zusammenarbeit mit den Gemeinden. WWF-Expertin Susanne Gotthardt: „Immer mehr Bürgermeister unterstützen uns. Das Bewusstsein wächst, dass Orang-Utans aus gutem Grund unter Schutz stehen und wir achtsam mit ihnen umgehen müssen. Im Dorf Melemba überwacht die Bevölkerung inzwischen mit WWF-Unterstützung sogar die Orang-Utans, um etwaige Gefahren frühzeitig zu erkennen und den Behörden zu melden. Das stimmt mich sehr hoffnungsvoll.“

Wie schützt man Orang-Utans? Wir haben Dewi Puspita Sari vom WWF Indonesien bei ihrer Arbeit begleitet.

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