Die Jagd auf Waldelefanten bedroht Lebensräume

Wilderei, das bedeutet getötete Tiere, grausame Bilder, illegaler Handel und unsägliches Leid. Wilderei bedeutet aber auch die Veränderung eines Lebensraumes. Wenn Tiere von Menschenhand einem Lebensraum entrissen werden, trifft das nicht nur die Population der bejagten Tierart. Auch ihr Umfeld und ihr Verhalten verändern sich. Was passiert, wenn die Architekten des Waldes fehlen?

Am 12. August ist Welt-Elefanten-Tag. Der Tag soll die sanften Dickhäuter ehren und daran erinnern, dass sie bedroht sind. Die Afrikanischen Waldelefanten befinden sich am Rande der Ausrottung: In den vergangenen 15 Jahren sind ihre Bestände um 60 bis 70 Prozent zurück gegangen, vereinzelt sogar um 90 Prozent. Gründe für die prekäre Lage sind Wilderei und der Verlust des Lebensraums. Es ist Zeit zu Handeln – andernfalls könnten erste Waldelefanten-Populationen innerhalb der nächsten zehn Jahre ausgestorben sein.

Fehlen Afrikanische Waldelefanten oder verringert sich ihr Bestand auf wenige Populationen in geschützten Wäldern, könnten sich bis zu 90 Prozent der zentralafrikanischen Wälder drastisch verändern und eine andere Artenzusammensetzung und -struktur entwickeln.

Elefanten als Ökoingenieure

Wie sich Wilderei langfristig auf die Umwelt auswirkt, ist anhand der Savannen-Elefanten gut belegt. Diese Erkenntnisse lassen sich auch auf Afrikanische Waldelefanten anwenden. Die Untersuchungen zeigen: Elefanten sind Ökoingenieure, die Waldlebensräume schaffen und erhalten. Wenn sie fehlen, verändert sich die Zusammensetzung und Struktur der tropischen Wälder in Afrika. Und das wiederum hat Folgen für andere Arten – und für uns Menschen.

Wenn Elefanten durch Wälder streifen, erschaffen sie ein Netzwerk aus Elefantenpfaden. Zudem helfen sie dabei, Samen zu verbreiten und den Wald zu gestalten. Sie fressen Früchte und scheiden deren Samen an anderen Stellen aus, sie trampeln jüngere Pflanzen nieder und durchwühlen mit ihrem Rüssel und ihren Stoßzähnen Sämlinge und Setzlinge. So lichten Elefanten den Wald auf natürliche Weise. Und sie führen dem Wald durch ihre Ausscheidungen wichtige Nährstoffe zu – Nährstoff-Recycling nennt man das.

Fehlen die Elefanten, wird der Wald dichter, weil Samen direkt um die Mutterpflanze herum keimen und nicht zertrampelt oder herausgerissen werden. Das wiederum führt zu einer höheren Dichte kleiner Bäume, die sich den Platz teilen müssen. Die Entwicklung großer Bäume kann so beeinträchtigt werden, was wiederum eine homogenere, weniger abwechslungsreiche, Waldstruktur zur Folge hat.

Das Verhalten ändert sich

Nicht nur das Umfeld der Elefanten verändert sich durch Wilderei, auch die Entwicklung der Elefanten selbst. Bei den Savannen-Elefanten konnte das gut beobachtet werden.

Wo gewildert wird, hören Elefanten regelmäßig Schüsse, begegnen Wilderern und Elefanten-Kadavern und werden Zeuge des Todes von Artgenossen – auch dem enger Gefährten und Familienmitglieder. Die Folge: Die Tiere ändern ihr Verhalten, werden nachtaktiv und reagieren in vielen Situationen verstärkt mit Fluchtverhalten und Stress. Einige Beispiele:

Häufig sind es große Bullen und die älteren Elefantenkühe, die Wilderern zum Opfer fallen. Der Verlust der Mutter erhöht die Sterblichkeitsrate der jungen Elefanten drastisch. Doch die Kühe haben in einer Elefantengruppe noch andere wichtige Aufgaben: Sie treffen Entscheidungen und sie helfen dabei, wichtige Nahrungsressourcen und Wasserstellen zu finden.

Junge Bullen, die Zeuge des Todes von Familienangehörigen wurden, entwickelten während des Heranwachsens hyperaggressives Verhalten. Fehlen erwachsene, erfahrene Tiere in einer Population, wird dieses störende und anomale Verhalten eher beibehalten.

Elefanten, die in ihrem Lebensraum häufig Menschen begegnen, bewegen sich außerhalb geschützter Gebiete schneller. Sie neigen außerdem dazu, die Ernte der Menschen als Nahrungsquelle zu nutzen. Weil sie wissen, dass von den Menschen eine Gefahr ausgeht, tun sie das vorzugsweise nachts und meiden dabei mondhelle Nächte.

Konflikte nehmen zu

Durch Wilderei, Veränderungen des Lebensraums und die Zunahme der menschlichen Siedlungen werden immer mehr Waldelefanten in Schutzgebiete gedrängt. Der knappe geschützte Lebensraum führt dazu, dass sich Konflikte zwischen Menschen und Elefanten verstärken, besonders am Rande der Schutzgebiete. Tiere auf Nahrungssuche zerstören die Ernte der Menschen, auch direkte Begegnungen zwischen Menschen und Elefanten werden häufiger und so steigt auch die Zahl der Verletzungen durch Elefanten. All das führt dazu, dass die Stimmung gegenüber Elefanten und Naturschutzprogrammen kippt. Das Zusammenleben zwischen Mensch und Elefant ist komplex und erfordert ein kontinuierliches Management auf mehreren Ebenen.

Wichtigstes Anliegen des WWF ist deshalb, die Wilderei zu bekämpfen, die Fragmentierung von Lebensräumen zu stoppen und Strategien für die Landnutzungsplanung und die Interaktion zwischen Mensch und Elefanten zu entwickeln. Nur so können wir das Überleben der Afrikanischen Waldelefanten sicherstellen.

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