Elefantenwilderei: „Das Schlimme ist: Es wird mehr“

Elfenbein-Schnitzereien als Statussymbol, Tigerknochen oder Nashornpulver als Wundermittelchen, Schuppentiere als Delikatesse. Die Wilderei-Krise sorgt immer wieder für schreckliche Nachrichten. Ein neues Problem ist aktuell in Myanmar aufgetaucht: Dort werden jetzt Elefanten gewildert, um ihre Haut zu Creme oder Pülverchen zu verarbeiten. Die Nachfrage danach wächst.

Amirtharaj Christy Williams, Leiter des WWF Myanmar, weiß mehr.

Elefantenhaut als Creme? Ernsthaft?

Christy Williams: Ja, leider. Die getrocknete Haut wird mit anderen Zutaten gemischt. Wir wissen noch nicht genau, was da ansonsten drin ist. Die Creme soll jedenfalls gegen trockene Haut oder Ekzeme helfen. Es gibt auch hausgemachten Puder aus Elefantenhaut, der gegen Magenbeschwerden helfen soll. Manchmal wird die Elefantenhaut auch als poliertes Kügelchen zu Glücksbringern verarbeitet.

Wo wird sowas verkauft?

Gehandelt wird die getrocknete Haut auf Märkten entlang der Grenze zu Laos und China im sogenannten Goldenen Dreieck. Einige Märkte sind auch in Myanmar.

Und wie viel kostet das?

Auf dem Markt in Pangshan im Bundesstaat Wa kostet das Kilo 120 Dollar.

Und das Problem wird schlimmer?

Das Schlimme ist: In den letzten beiden Jahren ist der Handel massiv gewachsen. Wir wissen, dass 2014 und 2015 in Mong La an der chinesischen Grenze 700 Stücke Elefantenhaut verkauft wurden. Ein aktueller Bericht aus dem Januar 2017 zeigt, dass dort inzwischen an 35 von 42 Markständen eine Masse an Elefantenhaut angeboten wird. Unser Wilderei-Experte war dort. Er sagt, es seien schon zu viele zum Zählen. Klar ist: Die Nachfrage wächst. Wir wissen nicht warum. Die Käufer sind jedenfalls meist Chinesen.

Wird dort auch das Elfenbein der Stoßzähne verkauft?

99 Prozent der wilden Elefanten in Myanmar haben gar keine Stoßzähne. Weibliche Asiatische Elefanten haben eh keine und über 90 Prozent der Männlichen auch nicht – ironischerweise, weil in den letzten hundert Jahren die Tiere mit Stoßzähnen gewildert oder gefangen wurden. Aber ja, es gibt dort auch Stoßzähne zu kaufen.

Was tut die Regierung in Myanmar?

Die Regierungsstellen unterstützen unser Anliegen. Sie sind dankbar, dass der WWF aktiv wird, um den Schutz der Elefanten zu verbessern. Wir haben Zugang zu den höchsten Stellen und sprechen auch mit dem zuständigen Minister. Die Regierung ist entschlossen, Ranger und sogar Polizisten für unsere Anti-Wilderei-Teams abzustellen. Wir hoffen, zusammen mit der Regierung diese Märkte schließen zu können, auf denen Produkte von geschützten Arten wie Tiger und eben Elefant verkauft werden.

Erfahre mehr über die Elefanten-Wilderei in Myanmar und sieh dir das Video mit A. Christy Williams an.

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