Elfenbeinhandel in der EU: Was ist erlaubt und was soll geändert werden?

In den letzten Jahren gelangen europäischen Zollbeamten einige spektakuläre Elfenbeinaufgriffe innerhalb der EU. Gleichzeitig besteht die Befürchtung, der Handel mit Antiquitäten könnte zunehmend dazu genutzt werden, frisch Gewildertes über den Transitmarkt Europäische Union reinzuwaschen. Die EU-Kommission hat daraufhin nun ihren Mitgliedstaaten empfohlen, den Handel mit Elfenbein schärfer zu regulieren.

Zwischen 2014 und 2015 entdeckte der EU-Zoll insgesamt 1.258 Stoßzähne, die vornehmlich nach Asien illegal exportiert werden sollten. Aber auch die Anzahl verarbeiteter Elfenbeinstücke, wie zum Beispiel an Figuren, Verzierungen oder Schmuck, stieg in den letzten Jahren auf ein Rekordhoch. Eine aktuelle Studie kam zudem zu dem Schluss, dass verarbeitetes, vorgeblich antikes Elfenbein mit gefälschten Zertifikaten eingeschleust würde, nur um es anschließend wieder exportieren zu können. Die EU, so lautet ein Vorwurf, befeuere mit seiner zu laxen Handelspolitik die weltweite Wilderei.

Wie funktioniert der EU-Elfenbeinhandel?

Der internationale kommerzielle Handel mit Elfenbein ist mit Einschränkungen weltweit verboten. In der EU beziehen sich diese Einschränkungen auf das Alter, sowohl was den innereuropäischen Handel als auch den Wiederexport betrifft. Der Handel mit frischem Elfenbein aus der Zeit nach 1990 ist ausnahmslos verboten, ebenso dürfen unverarbeitete Stoßzähne – sogenanntes Rohelfenbein – nicht exportiert werden. Elfenbein, das aus einer Zeit zwischen 1976 und 1990 stammt, kann innereuropäisch mit einer Lizenz gehandelt, aber nicht wieder exportiert werden. Aus der Zeit zwischen 1947 und 1976 erfordert es ein Zertifikat über das Alter und eine Genehmigung, um es handeln oder wieder exportieren zu können. Stammt das Elfenbein aus der Zeit vor 1947, gilt es als Antiquität und benötigt für den Wiederexport einen Altersnachweis, für den innereuropäischen Handel müssen Händler auf Nachfrage die Legalität angebotener Stücke nachweisen können.

Aktuell laufen Diskussionen in der EU , diese Handelsbestimmungen zu verschärfen. Die verschiedenen Vorschläge beinhalten, dass je nach Alter auch älteres Elfenbein nicht mehr gehandelt werden könnte – oder bessere Zertifikate und Nachweise benötigen würde. Der WWF lehnt eine Verschärfung der Handelsbestimmungen nicht ab, denn sie setzt ein klares politisches Signal für den Elefanten-Schutz. Gleichzeitig erschwert sie vom illegalen Elfenbeinhandel betroffenen Staaten, mit dem Finger auf die EU zu zeigen und zu behaupten, wir sollten erst unsere eigenen Probleme in den Griff bekommen.

Fokus auf die beteiligten Elfenbeinmärkte

Allerdings darf diese striktere Regulierung keine falsche Sicherheit schaffen. Denn der WWF sieht die größte Bedrohung für die Afrikanischen Elefanten nach wie vor in den ost- und südostasiatischen Elfenbeinmärkten, die unmittelbar zu Wilderei und illegalem Handel beitragen.

Eine aktuelle Studie legt nahe, dass diese aktuelle EU-Gesetzgebung im großen Stil zur Elfenbeinwäsche ausgenutzt wird. Illegales Elfenbein werde demnach mit gefälschten Papieren eingeschleust und anschließend als legales Elfenbein nach Asien re-exportiert. Wir haben jedoch kaum Hinweise, dass frisch gewildertes Elfenbein in größerem Maßstab – wie in der Studie behauptet – unter dem Deckmantel des Antiquitäten-Handels gewaschen wird. Die kriminellen Syndikate haben es anscheinend gar nicht nötig, ihre Produkte mit Hilfe falscher Angaben zu legalisieren. Die Mengen an aufgegriffenen Elfenbein zeigen deutlich, dass es lukrativer zu sein scheint, große Mengen Roh-Elfenbein am Zoll vorbeischmuggeln, als mitunter recht kleinteilig verarbeitetes Elfenbein als “antik” in die EU einzuführen, um es anschließend wieder zu re-exportieren. Das frustriert und zeigt die Macht dieser Wilderei-Mafia, die weltweit jährlich Umsätze von geschätzt bis zu 20 Milliarden Euro macht.

Illegaler Elfenbeinhandel vs. legaler Elfenbeinhandel

Grundsätzlich überragt die Menge des über die EU geschmuggelten Elfenbeins das legal gehandelte um ein Vielfaches. Zwischen 2000 bis 2017 wurden in der EU etwa 12 Tonnen illegales Elfenbein aufgegriffen und im gleichen Zeitraum wurden legal vier Tonnen Elfenbein exportiert. Wenn wir davon ausgehen, dass nur 10 bis 25 Prozent des geschmuggelten Elfenbeins überhaupt aufgegriffen werden, ist der Schmuggel über die EU etwa 12 bis 30 Mal so groß wie der legale Export. Diese Skala macht noch einmal deutlich, dass der Haupthebel zum Stopp der Wilderei in der Bekämpfung des illegalen Elfenbeinhandels liegt.

Elefantenschutz: Artenschutzkonferenz CITES

Auf der kommenden Weltartenschutzkonferenz (CITES), die im Mai 2019 in Sri Lanka stattfindet, wird sich der WWF gemeinsam mit anderen NGOs und auch im Dialog mit der EU für den Kampf gegen illegalen Elfenbeinhandel einsetzen. Allerdings sind die Mittel begrenzt und aus diesem Grund sollten wir unsere Arbeit darauf fokussieren, die Nachfrage vor Ort zu reduzieren und die Absätzmärkte für Elfenbein trocken zu legen. So hoffen wir, die Zukunft der Elefanten sichern zu können.

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