Hilfe für den Geist der Berge

Auf einmal geht es ganz schnell: Der Tierarzt beugt sich über den betäubten Schneeleoparden und kontrolliert die Sauerstoffsättigung. Ein Ranger versorgt die kleine Wunde an der Tatze. Chimde nimmt schnell das Satellitenhalsband ab und legt das neue an. Alles wirkt routiniert. Ist es aber nicht, auch nicht für den Experten des WWF Mongolei.

Zwei Schneeleoparden innerhalb von vier Tagen besendern, das gab es noch nie. Chimeddorj Buyanaa kann unser Glück kaum fassen. Er leitet das WWF-Programm der Ökoregion Altai Sajan und war auf allen Schneeleopardenexpeditionen dabei. Und Chimde, wie ihn hier alle nennen, weiß es am besten: Einen Schneeleoparden in den Jargalant-Bergen zu besendern, ist harte Arbeit, Leidenschaft – und eben eine große Portion Glück. 34 der seltenen Großkatzen leben im Jargalant-Gebirge auf vergleichsweise kleinem Raum. Nirgendwo lässt sich der Schneeleopard besser studieren.

Knochenjob im Jargalant

Es ist die fünfte Expedition des WWF Mongolei zum Schneeleoparden. Drei Tiere konnten in den letzten Jahren dabei besendert werden, zwei Expeditionen kehrten erfolglos zurück. Sieben Männer teilen sich dafür eine Jurte hoch oben in den Bergen, zwei Wochen lang. Spurenleser, Veterinäre, Biologen. Etwa 500 Höhenmeter unterhalb liegt das Versorgungscamp, die nächste Ortschaft ist vier Stunden Buckelpiste entfernt. Die Bedingungen sind hart, die Landschaft an Kargheit nicht zu überbieten. Jeden Tag bei klirrender Kälte die Kamerafallen zu Fuß oder per Pferd kontrollieren, früh am Morgen und nach Sonnenuntergang – es ist ein Knochenjob, auch wenn das keiner hier sagen würde.

Die Rache der Hirten

Ein Fünftel aller Schneeleoparden der Welt kommt in der Mongolei vor, zwischen 800 und 1000. Der Geist der Berge ist vom Aussterben bedroht: Klimawandel, Lebensraum- und Beutekonflikte mit dem Menschen und Wilderei. Hier im Westen der Mongolei leben zum großen Teil Nomaden mit ihren Herden. Da die Weidegründe immer weniger hergeben, treiben sie ihre Ziegen, Schafe, Pferde und Kamele immer weiter in die Berge hinein – genau in den Lebensraum der Leoparden. Die Leoparden reißen die Ziegen. Die Hirten rächen sich an den Leoparden. Vor allem, indem sie Fallen aus der Murmeltierjagd in die Reviere der Leoparden legen. Chimde zeigt uns auf seinem Laptop grässliche Kamerafallenbilder von verstümmelten Schneeleoparden.

Chimde und sein Team stemmen sich seit Jahren gegen diesen Kreislauf. Mehr als 120 Gemeindeprojekte (CBOs) hat der WWF Mongolei schon angestoßen. Das Prinzip: Hilfe gegen Hilfe für den Naturschutz. Da ist zum Beispiel die CBO „Großer Jargalant“: Der WWF erarbeitet mit Frauen Produkte aus Kamelwolle und garantiert den Absatz über eine Stiftung in den USA. Das bringt dringend benötigtes Einkommen in die Nomadenfamilien. Dafür übernehmen Männer aus der CBO Antiwilderei-Arbeit und bringen in den brutal harten Wintern Futter und Salz für die Beutetiere der Leoparden in die Berge. Eine andere Initiative bemüht sich um finanziellen Ausgleich für geschädigte Hirten.

Chimde ist überzeugt: Der Schutz der Schneeleoparden geht nur zusammen mit den Nomaden. Und dafür muss man die Hirten überzeugen, dass der Schneeleopard nicht einfach nur ein Feind ist. Ganz bewusst bedient sich der WWF dabei des alten Volksglaubens „Wenn Du dem Schneeleoparden etwas tust, fällt ein schwarzer Schatten auf dich.“ Der WWF Mongolei hat einen beeindruckenden Spielfilm mit der entsprechenden Botschaft gedreht, mit einem der bekanntesten Schauspieler des Landes. Gezeigt wird er auf den traditionellen Hirtentreffen.

Vielleicht am leichtesten ist der Zugang in die Köpfe der Nomaden über Kinder: Wir fahren in die kleine Gemeinde Mankan Sum zu einem der Öko-Clubs, in der sich Schulkinder für die Umwelt engagieren. Die Kinder haben sich ein Schneeleoparden-Tanztheater ausgedacht, das sie uns vorführen. Auch sie fahren damit zu den Hirtentreffen.

Milchkanne für Schlagfalle

Vor allem haben die Kinder aber mit Hilfe des WWF ein Projekt gestartet, das den gefährlichsten Feind des Schneeleoparden bekämpft: die Schlagfalle. Es gibt sie fast noch in jeder Familie, früher wurde sie zur heute verbotenen Jagd auf Murmeltiere eingesetzt. Dem Schneeleoparden zerschlägt sie mit Leichtigkeit eine Pfote, einen Lauf. Die Kinder haben sich ein lukratives Tauschgeschäft ausgedacht: Für eine abgegebene Falle bekommt man einen begehrten Haushaltsgegenstand, z.B. einen Eimer für eine Falle, für sechs eine Milchkanne. Bezahlt hat dies der WWF. 240 Fallen wurden so schon gesammelt und unschädlich gemacht, eine stattliche Zahl.  In der Provinzhauptstadt Khovd hat sie der WWF in Beton zu einem Denkmal gegossen.

Die Fallen einzusammeln allein, das wird den Schneeleoparden nicht retten. Das weiß Chimde, das weiß auch jedes Kind in den Öko-Clubs. Es gibt noch viel größere Bedrohungen: Der Klimawandel, der die Mongolei bedroht wie kaum kein anderes Land der Welt, nimmt dem Schneeleoparden den Lebensraum. Die immer größer werdenden Herden der Hirten führen zu immer schärferen Konflikten zwischen Schneeleopard und Mensch.

Kinder-Öko-Clubs © Oliver Samson / WWF

Eingesammelte Schlagfallen können bei den Jugendlichen gegen Haushaltsgegenstände eingetauscht werden © Oliver Samson / WWF

Sender für den Lebensraum

Die Besenderung der Tiere legt allerdings die Grundlage für den Schutz des Lebensraums: Die Satellitenhalsbänder zeigen uns, wo, wie und wann sich die Tiere bewegen, wo sie fressen, schlafen, wo sie sich paaren. Aus diesen Daten können die Biologen des WWF Mongolei besonders schützenswerte Gebiete definieren, zu denen der Zugang durch Hirten und ihre Herden gesetzlich reglementiert werden muss.

Die Kollegen haben den beiden besenderten Schneeleoparden Namen gegeben. Nairadamal (Freundschaft)  und Tenger (Himmel). An den Abenden schaut Chimde sich auf dem Laptop die ersten Satellitendaten an. Er ist beseelt, Biologenglück. Ob es reicht? Ob der Schneeleopard eine Chance hat? Chimde und seine Kollegen fragen sich das auch. In einem ist sich Chimde ganz sicher: Die Überlebenschance des Schneeleoparden wird größer, je mehr wir über ihn wissen. Und wir wissen jetzt mehr. Wir haben zwei Schneeleoparden innerhalb einer Woche besendert.  Für uns war das eine riesige Leistung. Und die Chancen des Schneeleoparden sind dadurch eine kleines bisschen größer geworden.

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