Wilderei an der Ostsee?

Beim Thema Wilderei in Deutschland denkt man vor allem an Greifvögel oder Luchse, die mit Giftködern oder Schrot aus dem Weg geräumt werden. Jetzt hat es offenbar auch Kegelrobben an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns erwischt. Im Jahr 2017 waren deutlich mehr Kadaver angespült worden als in den Vorjahren. Zunächst glaubte man, die Todesfälle ließen sich mit dem generell wachsenden Robbenbestand erklären. Doch inzwischen verdichten sich die Indizien auf vorsätzliche Tötung: Allein zwischen September und Dezember 2017 fand man 23 tote Tiere in einem Umkreis von nur fünf Kilometern. In wenigen Monaten wurde etwa ein Viertel des Gesamtbestandes im Greifswalder Bodden ausgelöscht.

Die äußerlich unverletzten Kegelrobben-Kadaver wurden im Meeresmuseum Stralsund obduziert. Todesursache: Akutes Herz-Kreislauf-Versagen, sprich: Tod durch Ertrinken.

Gelegentlich verheddern sich Robben in Netzen oder Reusen, aber das ist eine eher seltene Todesart. Der Verdacht, dass die Tiere absichtlich in Fallen gelockt wurden, liegt nahe. Das Meeresmuseum erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt wegen der Tötung einer besonders geschützten Art. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Vorsätzliche Tötung?

Als erstes dürften verärgerte Fischer unter Verdacht geraten. Kegelrobben plündern gern die prall gefüllten Heringsnetze. Daher betrachten manche Fischer die bis zu 300 Kilo schweren Fischfresser als unwillkommene Konkurrenz um den Fisch. Der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer wies die Unterstellung der vorsätzlichen Tötung zurück, aber auch die Fischer räumen ein, dass die Häufung der Fälle ungewöhnlich sei.

Vor 100 Jahren war die Kegelrobbe in der Ostsee bis auf 2000 Tiere dezimiert. Inzwischen wird ihr Bestand ostseeweit auf rund 30.000 Exemplare geschätzt. In deutschem Hoheitsgebiet leben etwa 100 Tiere, aber bislang wurde hierzulande kein Nachwuchs beobachtet. Dem WWF geht es daher darum, einen gesunden Robbenbestand mit Nachwuchs in der Ostsee zu erreichen. Hierzu arbeitet er auf die Erstellung eines Managementplanes hin, der dieses Ziel anstrebt und gleichzeitig die Schäden der Fischer ausgleicht.

Ganz anders sieht die Entwicklung der Robben in der Nordsee aus. Auf Helgoland registrierte man einen regelrechten Babyboom: Hier wurden zuletzt 426 Jungtiere gezählt, soviel wie noch nie seit der Aufzeichnung der Bestände.

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