Lebensgefahr für Nashörner und Ranger

Interview mit Dr. Yussuf Adan Wato, unserem Kollegen vom WWF Kenia.
Yussuf ist Artenschutz-Spezialist und setzt sich täglich zusammen mit den Nationalpark-Rangern für das Überleben der Nashörner ein.

Wie ist die aktuelle Situation bei euch?

Der Nashorn-Bestand in Kenia ist in den Jahren 2015 bis 2016 leicht gestiegen. Es gibt 28 Tiere mehr. Die Wilderei ist zum Glück leicht zurückgegangen. Das klingt erstmal positiv, aber die Lage ist nach wie vor sehr brisant. 2016 wurden zehn Tiere gewildert, 2015 leider elf. Wilderei ist die häufigste Todesursache bei den Nashörnern Kenias.

Gab es in letzter Zeit Wilderei-Vorfälle?

Ja, leider haben wir in diesem Jahr schon zwei Nashörner durch Wilderei verloren. Ein Nashorn starb im L. Nakuru-Nationalpark und das andere im Solio Game Reserve. Es gab außerdem einen sehr traurigen Zwischenfall im Tsavo East-Nationalpark. Einer unserer Ranger wurde von schwer bewaffneten Wilderern getötet, als sie versuchten Elefanten für ihr Elfenbein und Nashörner für ihr Horn zu erlegen. Der Kampf gegen die Wilderei ist sehr gefährlich. Unsere Ranger waren auf ihrer täglichen Patrouille durchs Schutzgebiet unterwegs. Als sie auf die Wilderer trafen, starben bei einem Schusswechsel unser Kollege und zwei Wilderer.

Was ist die größte Herausforderung für die Ranger?

Nashörner stehen im Fadenkreuz der Wilderei. Ihre Hörner erzielen nach wie vor hohe Schwarzmarktpreise von bis zu 60.000 US-Dollar pro Kilogramm. Wilderer gehen skrupellos vor und riskieren ihr Leben, um ein Nashorn zu erlegen. Die größte Schwierigkeit im Alltag eines Rangers ist die tägliche Patrouille. Jeden Tag gehen unsere Wildhüter ins Feld, um das Überleben der Nashörner zu sichern. Sie setzen dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel, denn jede Begegnung mit den schwer bewaffneten Wilderern birgt ein großes Risiko.

Nashörner sind schwer aufzuspüren. Das gilt sogar für unsere Schutzgebiete. Der Lebensraum und der Radius, in dem sich die Nashörner bewegen, sind riesig. Unsere Ranger legen jeden Tag weite Strecken zu Fuß zurück. Das Gelände ist oftmals unwegsam und schwierig zu begehen. Die Ranger gehen täglich an ihre Grenzen, um die stark bedrohten Nashörner zu überwachen und dafür zu sorgen, dass sie am Leben bleiben.

Was motiviert die Ranger, sich für die Nashörner solchen Strapazen auszusetzen?

Ihr Job ist sicher kein einfacher, aber die Ranger sind sehr engagiert im Einsatz, da sie wissen, wie wichtig ihre Aufgabe ist. Sie beschützen Lebewesen, die hilflos der gnadenlosen Jagd nach ihrem Horn ausgeliefert sind. Die Ranger geben nicht auf, weil sie die Nashörner für unsere Kinder und zukünftige Generationen vor dem Aussterben retten wollen. Wir müssen jetzt handeln. In ein paar Jahren ist es vielleicht zu spät. Für unsere Wildhüter ist es nicht nur ein Job, sondern eine Berufung, die Nashörner zu schützen. Sie setzen all ihre Energie und Kraft dafür ein, den Nashörnern eine Überlebenschance zu geben.

Was wünschst du dir für die Nashörner?

Wir wünschen uns, dass sich die Nashörner eines Tages wieder frei und gefahrlos in ihrem natürlichen Lebensraum bewegen können. So wie früher, als sie noch nicht für ihr Horn gnadenlos gejagt wurden.

Was war deine emotionalste Begegnung mit Nashörnern?

2011 fand eine große Zählung der Nashorn-Bestände im Nationalpark Tsavo East statt. Insgesamt haben wir 11.000 Quadratkilometer durchkämmt, um Nashörner aufzuspüren. Das Ergebnis war niederschmetternd. Nur noch elf Nashörner waren im gesamten Nationalpark übrig. Vor wenigen Jahrzehnten lebten noch über 20.000 Nashörner! Ich war unglaublich traurig und schockiert, dass man eine ganze Art innerhalb so kurzer Zeit nahezu auslöschen kann.

Hast du eine Botschaft für die Menschen in Deutschland?

Wir müssen uns die Hände reichen und eine Verbindung zwischen Deutschland und Kenia schaffen. Nur gemeinsam sind wir stark genug, um bedrohte Arten wie die Nashörner vor dem Aussterben zu retten. Wir müssen habgierigen und selbstsüchtigen Kriminellen die Stirn bieten. Die ganze Welt muss sich dafür einsetzen, dass die Natur nicht durch die Menschheit zerstört wird. Ohne die Natur können auch wir nicht überleben.

Unterstütze die Ranger in Kenia! Stopp Wilderei weltweit.

Weiterlesen

Mit nur 5 € im Monat hilfst du uns als WWF-Fördermitglied, die Wilderei zu bekämpfen, den Handel zu stoppen und die Nachfrage einzudämmen.

Spende jetzt

Hilf dem Nashorn mit deiner Spende:

Setze dich dauerhaft für die Nashörner ein. Schon ab 5 € im Monat kannst du Nashorn-Retter werden und Lebensräume wie Tsavo East schützen.

Ich werde Mitglied

Für 80 € können wir Futter und Medikamente organisieren, damit die Nashörner nach der Umsiedlung schnell zu Kräften kommen.

Ich spende einmalig

Mit 150 € können wir die Ranger in Tsavo East mit Ausrüstung wie Funkgeräte unterstützen und die Patrouillenfahrzeuge unterhalten.

Ich spende einmalig

Mit einer großzügigen Spende von 500 € leistest du einen wichtigen Beitrag zur Umsiedlung der Nashörner in das Schutzgebiet Tsavo East.

Ich spende einmalig

Das sollen auch meine Freunde wissen: