Wie siedelt man Nashörner um? Eine tonnenschwere Aufgabe

Mehrere hundert Kilometer Transport, bei dem es keine Verzögerung geben darf. Auf dem LKW eine schwere, aber hochsensible Fracht: Wenn Nashörner umziehen, ist das eine logistische Meisterleistung. In Kenia sollen insgesamt 23 Spitzmaulnashörner aus verschiedenen Teilen des Landes in das streng gesicherte Gelände im Tsavo-East-Nationalpark umgesiedelt werden – immer drei bis vier Nashörner auf einmal, wobei eines schon um die 1000 Kilogramm wiegt.

Nur nicht stehen bleiben

Die Strecken werden vor der Umsiedelung abgefahren und genau geprüft. Sie führen quer durchs Land und teilweise sogar durch Großstädte. Kein Stau, keine Panne, keine kaputte Straße oder Baustelle darf die Fahrt behindern. Denn die Nashörner müssen innerhalb eines Tages wieder freigelassen werden, um die Belastung so gering wie möglich zu halten. Dabei muss auch das Wetter hundertprozentig mitspielen.

Wetterextreme erschweren den Artenschutz

Das von Elektrozaun und Wachtürmen umgebene Hochsicherheitsgelände im Nationalpark Tsavo East im Süden Kenias steht schon seit fast einem Jahr für die ersten Nashörner bereit. Doch in Folge langer, schwerer Dürre waren die Tiere zunächst zu schwach für eine Umsiedelung. Außerdem bestand die Gefahr, dass sie auf neuem, ihnen unbekanntem Terrain endgültig zu wenig zu fressen finden. Auch weil die Nashörner das ca. 100 Quadratkilometer große Gehege nicht verlassen können, um auf weitere Futterstellen auszuweichen.

Der Dürre folgte eine lang anhaltende Regenkatastrophe mit Überschwemmungen, Dammbrüchen und Straßensperrungen. „Mit den Auswirkungen des Klimawandels wird es zukünftig für den Naturschutz noch wesentlich mehr Probleme geben“, sorgt sich WWF-Afrikaexperte Johannes Kirchgatter. „Das Wetter ist völlig unvorhersehbar geworden, eine große Gefahr auch für die Wildtiere, die immer weniger Platz haben, um bei Überschwemmungen oder Dürren in nicht betroffene Gebiete auszuweichen.“

Wie findet man das richtige Nashorn?

Noch immer sind die Böden durchweicht und machen es unmöglich, mit schweren Trucks in der Savanne Nashörner zu transportieren. Doch alle stehen in den Startlöchern, um loszulegen, sobald es trocken genug ist. Ein Team aus verschiedenen Experten hat den Umzug der Dickhäuter monatelang akribisch vorbereitet und einzelne Tiere sorgfältig ausgewählt. Sie sollen in Tsavo East nicht nur sicher vor Wilderern sein, sondern auch eine neue, stabile Nashorn-Population bilden. Dafür braucht man ungefähr doppelt so viele Weibchen wie Männchen im besten Fortpflanzungsalter und mit möglichst geringer Verwandtschaft, um eine hohe genetische Variabilität sicherzustellen. Schon Tage vor dem eigentlichen Transport müssen die ausgesuchten Tiere von Rangern genau beobachtet werden, um sie am Morgen der Umsiedelung schnell zu finden.

23 Nashörner auf dem Weg in ein neues Zuhause

Für den Nashorn-Umzug werden mehrere Fahrzeuge und ein Lastwagen mit Auslegerkran benötigt. Die Tiere stehen die ganze Zeit unter gut verträglichen Beruhigungsmitteln, damit sie von der Fahrt kaum etwas mitbekommen, Tierärzte überwachen ständig ihren Gesundheitszustand. Im neuen Zuhause dürfen die Nashörner zunächst keinen Sichtkontakt haben und sich auch nicht an Menschen gewöhnen. Sie kommen einzeln in kleine, Zoo-artige Gehege – Boma genannt, das Suaheli-Wort für „Haus“. Hier erhalten sie das Futter der Umgebung und können sich langsam akklimatisieren, bevor sie sich nach und nach sehen, vorsichtig kennenlernen und bei gutem Gesundheitszustand schließlich freigelassen werden.

Die neuen Nachbarn

Lange vor einer Umsiedelung wie dieser werden am Zielort Ranger ausgebildet und ausgerüstet, um die Tiere dann wirklich schützen zu können. So geschehen auch in Tsavo East. Doch hier gibt es außerhalb des gesicherten Geländes eine weitere Nashorn-Teilpopulation. Diese kann inzwischen so gut geschützt werden – und vermehrt sich sogar – dass sie nicht wie ursprünglich geplant ins Hochsicherheitsgehege umziehen muss. Doch nun werden mehr Ranger gebraucht, damit beide Populationen überleben und sich irgendwann vereinen können. Dann – so wünschen es sich die Experten – wird es hier im Süden Kenias wieder genügend Spitzmaulnashörner geben, um das Aussterben der Art zu verhindern.

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