„Ich sehe es als meine Pflicht an, die Tierwelt in meinem Land zu schützen“

Zum Welt-Ranger-Tag am 31.7.2018 haben wir Pascal Dangbino interviewt. Er ist einer der erfahrensten Ranger im Schutzgebiet Dzanga-Sangha in der Zentralafrikanischen Republik. Zusammen mit seinen Kollegen setzt er sich für den Schutz von Waldelefanten, Flachlandgorillas und Schimpansen ein. Jetzt wurde der heute 46-jährige Pascal für seinen außergewöhnlichen Einsatz über fast 30 Jahre hinweg mit dem Paradise Ranger Award 2018 geehrt. Er ist der dienstälteste und letzte verbliebene Ranger aus der ersten Ranger-Generation von 1988.

Pascal, wie bist du Ranger geworden?

Ich komme aus Bossongoa, das liegt zirka 300 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bangui, und konnte leider nur bis zum Ende der Grundschule in die Schule gehen. Leider fehlte mir das Geld, die obligatorische Schuluniform anzuschaffen. Deshalb fing ich an, auf den Feldern zu arbeiten und hier und da kleine Jobs zu machen. Mit 18 sah ich mich dann gezwungen, meine Familie zu verlassen und in Bayanga nach einem Job zu suchen. Hier bewarb ich mich als Ranger im Schutzgebietsprojekt Dzanga-Sangha. Ich habe mein Bestes gegeben und es in das erste Ranger-Team geschafft.

Welche Herausforderungen hat der Job für dich?

Als ich anfing, war das Training natürlich sehr intensiv und schwierig. Vor allem die Patrouillen im Wald waren anstrengend. Ich habe mein Leben lang in der Savanne gelebt. Im Regenwald zu arbeiten war deshalb eine große Umstellung für mich. Ich musste mich erst an die hohe Luftfeuchtigkeit, die Hitze und das Dickicht gewöhnen. Das war nicht leicht. Ich fand es zunächst auch ziemlich einschüchternd, dass Tiere plötzlich und ohne Vorwarnung nur zwei oder drei Meter an mir vorbei liefen. Kaum zu glauben, aber ich hatte zum Beispiel noch nie zuvor einen Elefanten gesehen.

Was hat es mit dem Dzanga-Sangha-Naturschutzgebiet auf sich?

1988 initiierte der WWF in Zusammenarbeit mit dem zentralafrikanischen Ministerium für Wasser, Wälder, Jagd, Fischerei und Umwelt (MEFCPE) das Dzanga-Sangha-Projekt, um den zukünftigen Nationalpark und seine Pufferzone zu verwalten. Das war vor rund 30 Jahren. Seitdem bin ich mit dabei. Als einer der ersten zehn Ranger erkundete ich damals zusammen mit Forschern und Projektmanagern das Gebiet. Gleichzeitig waren wir die ersten Botschafter für die Vielfalt der Wälder und deren nachhaltige Nutzung für die Menschen vor Ort.

Was sind deine konkreten Aufgaben?

Ich war lange Zeit auf Patrouille mit dabei, um die Wildtiere zu schützen und illegale Aktivitäten im Wald zu verhindern. Nach 25 Jahren Dienst im Feld arbeite ich nun hauptsächlich im Hauptquartier von Dzanga-Sangha, nahe des Dorfes Bayanga, wo ich auch lebe. Ich trainiere jetzt die jungen Ranger, damit sie körperlich fit bleiben. Außerdem betreue ich die Waffenkammer, dort verwalte ich die Waffen der Wache sowie die Beschlagnahmungen, wie z.B. illegale Waffen oder Elfenbein.

Was fasziniert dich an deiner Arbeit und macht dir besondere Freude?

Wir arbeiten als Team zusammen und haben dasselbe Ziel: Die Bekämpfung der Wilderei und die Erhaltung der Tierwelt. Wir helfen und motivieren uns gegenseitig. Das finde ich unglaublich wichtig. Deshalb liebe ich meine Arbeit. Ich sehe es als meine Pflicht an, die Tierwelt in meinem Land zu schützen. Das ist meine Motivation, jeden Tag ins Feld zu gehen und auch mein Leben für den Naturschutz zu riskieren. Wenn wir im Feld sind und verhindern können, dass Tiere getötet werden, bedeutet dies jedes Mal ein richtiges Erfolgserlebnis für mich.

Du hattest also schon direkt mit Wilderern zu tun?

Eines Morgens, vor etwa sechs Jahren, patrouillierten wir nahe des Dorfes Lidjombo im südlichen Teil des Dzanga-Sangha-Schutzgebietes. Abseits vom Dorf stießen wir auf menschliche Spuren. Ich war damals der Einsatzleiter und in meinem Team befanden sich noch zwei weitere Ranger und ein Fährtenleser. Wir tarnten uns und wollten den Wilderern auflauern. Zu unserer Überraschung führte uns die Fährte schnell auf eine Gruppe von mehr als 30 Wilderern. Sie waren bewaffnet und eröffneten sofort das Feuer. Die Gruppe der Wilderer bestand aus Dorfbewohnern, darunter ein Polizist, der Bürgermeister des Ortes und ein Soldat. Unser Team hatte nur eine Waffe. Durch viel Geschick konnten wir alle 30 Wilderer verhaften. Ich war sehr stolz auf unsere Teamarbeit, zumal wir es geschafft hatten, die Wilderer abzufangen, bevor sie Tiere töten konnten. Zum Glück wurde auf beiden Seiten niemand verletzt. Dies war sicherlich eine der größten Erfolgsgeschichten meiner Laufbahn.

Was denkt deine Familie über deinen gefährlichen Job?

Meine vier Töchter sind sehr stolz auf mich. Ich bin in der Lage, für meine Kinder zu sorgen und ihnen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Zwei meiner Mädchen wohnen noch bei mir, sie sind sechs und sieben Jahre alt. Meine zwei Älteren habe ich auf Schulen in Berberati und Bangui geschickt.

Wenn du noch einmal die Wahl hättest, würdest du wieder Ranger werden?

Ja, das würde ich. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens hier gearbeitet und kann mir nichts besseres vorstellen. Meine Arbeit bedeutet mir nicht nur auf beruflicher, sondern auch auf persönlicher Ebene sehr viel. Als alleinerziehender Vater konnte ich meinen vier Kindern mit diesem Job das ermöglichen, was ich damals aufgeben musste, nämlich den Zugang zu Bildung und zu einem komfortableren Leben.

Was rätst du jungen Rangern?

Ich würde ihnen raten, diszipliniert zu sein, ihre Arbeit zu lieben und jeden Tag ihr Bestes im Feld zu geben. Ich würde ihnen auch sagen, dass sie ihre Familien nicht vernachlässigen und dafür sorgen sollten, dass ihre Kinder zum Beispiel zur Schule gehen können. So können sie ihnen eine bessere Zukunft sichern.

Was wünscht du dir für den Naturschutz in deiner Region?

Ich hoffe wirklich, dass wir es schaffen die Populationen von besonders gefährdeten Arten wie Waldelefanten, Flachlandgorillas und Schimpansen zu stabilisieren. Es dauert lange, bis sie sich von Wildereivorfällen erholen. Dazu müssen wir die Wilderei in der Region beenden und Hand in Hand mit der lokalen Bevölkerung arbeiten.

Was ist dein Fazit nach 30 Jahren als Ranger?

Die Wilderei ist allgegenwärtig. Ich mache meine Arbeit trotzdem leidenschaftlich gerne. Ich glaube, dass es seit der Gründung des Schutzgebietes einen wichtigen Wandel in den Überzeugungen und Einstellungen der lokalen Gemeinden gegeben hat. Anfangs standen die meisten Menschen der Idee der Zusammenarbeit mit der Schutzgebietsbehörde sehr skeptisch gegenüber. Unser Team hat sich jedoch sehr bemüht, die lokale Bevölkerung zu sensibilisieren und mit der Zeit haben die Dorfbewohner positive Ergebnisse gesehen. Viele in der Gemeinde setzten sich heute selbst aktiv für den Schutz von Dzanga-Sangha und die Bekämpfung der Wilderei ein. Das und der Tourismus sind wichtig für die lokale Gemeinschaft. Natürlich sind nicht alle zufrieden und es bleibt noch viel zu tun.

Die Auszeichnung mit dem Paradise Ranger Award 2018 ist für mich eine große Ehre und ein Symbol der Anerkennung für all die Arbeit, die ich geleistet habe. Ich sehe es als Leuchtfeuer der Hoffnung für zukünftige Generationen, damit auch diese sich für den Wald und deren Tierwelt von Dzanga-Sangha engagieren.

Der African Ranger Award geht jährlich an Ranger in Afrika, die für ihre besonderen Leistungen beim Bekämpfen von Wilderei und dem illegalen Handel mit Wildtieren und für ihren Einsatz gegen den Verlust von Lebensräumen ausgezeichnet werden. Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 3000 US-Dollar und eine Urkunde. Der Award wird von der Alibaba Foundation and The Paradise verliehen.

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