Wilderer geschnappt: Geweihe von über 1.000 Rentieren

In Sibirien ist einer vom WWF unterstützten Anti-Wilderei-Einheit ein entscheidender Schlag gegen den illegalen Wildtierhandel gelungen: In der Republik Sacha (Jakutien) im Nordosten Russlands stoppten die Ranger einen Lastwagenkonvoi, der Geweihe und Fleisch von mindestens 1.000, eventuell sogar 1.500 getöteten wilden Rentieren geladen hatte. „Dieser spektakuläre Aufgriff zeigt, dass wir es in Russland derzeit mit wahren Rentier-Massakern zu tun haben“, sagt Eva Klebelsberg, Referentin für die Russische Arktis beim WWF Deutschland. „Der Konvoi stellt wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs dar.“ Die Rentiere wurden vermutlich alle auf der Taimyr-Halbinsel der Nachbarregion Krasnojarsk im hohen Norden Russlands geschossen.

Alle Fäden liefen zusammen

Der Aufgriff der Wilderer ist der Vorarbeit des WWF in der Region zu verdanken: Mit Hilfe von Satellitenhalsbändern werden die Wanderwege der Rentiere und ihre Bestände seit 2017 überwacht. Der WWF unterstützte außerdem im letzten Jahr verschiedene Untersuchungen der lokalen Behörden, um die Hotspots der Wilderei und die Transportwege der Wilderer aufzudecken. Auch durch die Hilfe von Spendengeldern konnte einen neue Anti-Wilderer-Brigade ausgerüstet werden. Und als in diesem Winter das Benzin der Ranger knapp wurde, sprang der WWF wiederum mit Spendengeldern ein.

Der Tipp kam aus der Nachbarregion

Den entscheidenden Tipp zum Aufgriff erhielt die Anti-Wilderei-Einheit in Sacha von Kollegen aus der benachbarten Region Krasnojarsk: Es sei eine Kolonne von KAMAZ–Lastwagen mit gewilderter Schmuggelware in ihre Richtung unterwegs, auf einer der typischen zugefrorenen Winterstraßen Nordrusslands. Sofort brachen die Ranger in ihrer Zentrale in Jakutsk auf, konnten den Konvoi schließlich stoppen und stellten fast sechs Tonnen Geweihe und 27 Rentier-Kadaver sicher. Ein wichtiger Ansatz des WWF ist die Förderung der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Anti-Wilderei-Einheiten in den verschiedenen Provinzen.

Wilderei auf Rentiere grassiert

Die Jagd auf Rentiere ist Jahrtausende alte Tradition und Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung in der nordrussischen Tundra. Doch in den letzten Jahren nimmt die Wilderei auf Rentiere massiv zu – die illegale Jagd durch eine international agierende Wildereimafia mit dem Ziel, die Tiere auf lukrativen Schwarzmärkten zu verkaufen. „Die Tiere werden beim Durchschwimmen der Flüsse geschossen oder die Geweihe dabei einfach am lebenden Tier abgesägt“, erklärt WWF-Expertin Klebelsberg. „Die Geweihe werden zu Pulver verarbeitet und vor allem in China als Heilmittel verkauft. Zungen und Fleisch sind als Delikatesse gefragt.“

Für die Rentiere eine Qual

Die Geweihe der Rentiere wachsen jedes Jahr neu. Während der Wachstumsphase im Frühjahr und Frühsommer sind sie durchblutet. Das geschieht über den sogenannten Bast, eine kurzbehaarte Haut mit Blutgefäßen. Das Absägen oder Abschlagen dieser Geweihe bei lebendigem Leib ist eine Qual für die Wildtiere. Geschätzt sterben laut lokalen Experten etwa 70 Prozent der Tiere an den Folgen dieser Verletzung durch Verbluten oder eine Blutvergiftung. Auf Druck des WWF und der lokalen Behörden hat die Verwaltung der Region Krasnojarsk mittlerweile ein Dekret erlassen, das die Entnahme des Geweihes im Bast am lebenden Tier unter Strafe stellt. Die neue Verordnung schließt eine wichtige Gesetzeslücke und gilt für ein Gebiet, das etwa vier Mal so groß ist wie Deutschland.

Sicher durch den Fluss

Beim Durchschwimmen von Flüssen sind Rentiere ein leichtes Ziel für Wilderer. Mit Hilfe von Spendengeldern stattete der WWF im Sommer 2018 die Rentiere mit Halsbandsendern und die Ranger mit Kommunikationsmitteln aus. So konnten die Wildhüter nun gezielt die Flussabschnitte sichern, die auf den Routen der Rentiere liegen, um Massenwilderei hier zu verhindern: Ein entscheidender Durchbruch in der Wildereibekämpfung. Danke für die Unterstützung! In Kombination mit den Umweltveränderungen durch den Klimawandel bedroht die massive Wilderei die Population der wilden Rentiere in Nordrussland enorm.

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