Überlebenskünstler Rentier

Minus 40 Grad Celsius, monatelange Dunkelheit und eine dicke Schneedecke: Seit Urzeiten überwintern Rentiere im hohen Norden unter schwierigsten Bedingungen dank genialer Anpassungen. Gegen Klimawandel und Wilderei allerdings haben sie keine Chance — wenn wir ihnen nicht helfen.

Ohne sie kommt der Weihnachtsmann nicht aus: Die Rentiere mit ihren prächtigen Geweihen, die seinen Schlitten an Heiligabend vom Nordpol in die Welt ziehen.

Langstreckenläufer

Wer aber weiß schon, was für Überlebenskünstler Rentiere sind? Sie bewohnen die Tundra und Taiga der nördlichen Polargebiete. Auf der Suche nach Nahrung ziehen sie in großen Herden umher. Mitunter gehen mehr als 100.000 Tiere auf Wanderschaft, manchmal pro Jahr bis zu 3.000 Kilometer weit. Kein anderes Landsäugetier kann solche Langstrecken zurücklegen.

Der Hunger ist ihr Antrieb. Während sie im Sommer auf den saftigen Tundrawiesen einen reich gedeckten Tisch finden, müssen sie sich im Winter mit Moosen, Pilzen und Flechten begnügen. Wie aber kommen Rentiere durch meterhohen Schnee an ihre Pflanzenkost?

Multifunktionshufe

Sie scharren mit ihren scharfkantigen Hufen solange Schnee weg, bis sie auf den Boden mit den gefrorenen Pflanzen stoßen. Viel Auswahl haben Rentiere nicht: Sie fressen vor allem Rentierflechten. Bis zu zwei Kilogramm Futter benötigt ein erwachsenes Rentier am Tag. Ihre besonderen Hufe helfen den Rentieren auch über Schneeflächen und durch Frühjahrssümpfe, ohne einzusinken. Sie sind sehr breit und lassen sich durch eine elastische Haut dazwischen noch spreizen. Zusammen mit langen Hinterklauen finden die Huftiere auf gefrorenem und schlammigem Untergrund fast immer gut Halt.

Nase und Augen im Wintermodus

Dem eisigen nordischen Winter angepasst ist auch die Rentiernase. Sie kann dank stark vergrößerter Oberfläche die eingeatmete Luft vorwärmen, bevor sie in die Lungen kommt. Und selbst ihre Augen können Rentiere auf Wintermodus umstellen: Werden die Tage immer kürzer, verändern sie sich von goldgelb zu dunkelblau. Dadurch werden die Augen lichtempfindlicher und die Rentiere sehen sogar bei vollständiger Dunkelheit, allerdings zu Lasten der Sehschärfe. Doch sie genügt, sich zu orientieren und Feinde wie den Eisbären erkennen. Vor ihm können sie im Notfall wegrennen – bis zu 80 Stundenkilometer schnell!

Auftrieb durch Luftpolster

Tauen im Frühjahr die Flüsse im hohen Norden, können Rentiere sie durchschwimmen. Ihr dichtes Fell enthält Luftpolster, die ihren Körper gegen das Eiswasser isolieren und ihnen zugleich Auftrieb in den Fluten verschaffen.

So gut von Mutter Natur ausgestattet, sollte der Bestand an Rentieren in der Wildnis eigentlich gesichert sein. Doch leider ist dem nicht mehr so. Klimawandel und Wilderei haben die Situation der Rentiere verändert.

Drama in der Tundra

In der Arktis steigt die Temperatur schneller als irgendwo sonst auf der Welt. Im Februar 2018 erwärmte sich der Norden Grönlands mitten in der Polarnacht sogar auf plus sechs Grad Celsius.

Solche milden Temperaturen und Regen im Winter führen aber in der Arktis nicht zu mehr Pflanzenwachstum. Im Gegenteil: Weil der Boden nach wie vor gefroren ist, gefriert auch der Regen und lässt über den Futterpflanzen eine Eisschicht wachsen. Das erschwert den Zugang zu Moosen und Flechten. Rentiere finden deshalb durch den Klimawandel weniger zu fressen. Mit fatalen Folgen für den Nachwuchs: Immer mehr Jungtiere kommen zu früh und zu leicht auf die Welt.

Weil außerdem die arktischen Flüsse im Frühjahr immer früher auftauen, müssen wandernde Rentiere auf ihrem Weg zu den Sommerweiden öfter notgedrungen Eiswasser durchqueren — für ihre frisch geborenen Kälber eine lebensgefährliche Tortur.

Ganze Herden in Not

Als wäre das nicht schlimm genug, nutzen Wilderer die Situation aus. Sie warten an den Flüssen und töten Rentiere in einem nie gekannten Ausmaß. „Den Rentieren wird häufig bei lebendigem Leibe das Geweih abgeschnitten. Danach verenden sie dann meist an ihren großen Verletzungen“, sagt Eva Klebelsberg, Referentin für arktische Regionen in Russland beim WWF Deutschland.

Bereits 2017 machte der WWF öffentlich, was sich seit einiger Zeit auf der Taimyr-Halbinsel in Sibirien abspielt. Dort lebt die weltgrößte Population an wilden Rentieren. In weniger als 20 Jahren hat sich der geschätzte Bestand von 800.000 auf 400.000 Tiere halbiert. Gewildert werden Rentiere vor allem, weil ihre Zungen als Delikatessen gelten und Pulver aus ihrem Geweih in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung findet.

Inzwischen, so schätzt der WWF, werden jedes Jahr bereits bis zu 100.000 Rentiere illegal getötet. „Wenn wir die illegale Jagd nicht bald bremsen, könnte die Zeit der riesigen Rentierherden in Nord-Sibirien bald vorbei sein“, warnt Eva Klebelsberg.

Rentiere brauchen Unterstützung

Deshalb müssen wir unsere Hilfe in der Region deutlich erhöhen. „Wir wollen noch mehr Tiere mit Sendern ausstatten. So erfahren wir ihre genaue Wanderrouten und können die Tiere an kritischen Passagen vor Wilderern schützen“, sagt Klebelsberg. „Damit die Ranger dann auch rechtzeitig vor Ort sein können, wollen wir sie mit Schneemobilen und Motorbooten ausrüsten.“ Fazit der WWF-Expertin: Gelingt es, die Wilderei jetzt zu stoppen, haben die Rentiere eine Chance, sich auf den Klimawandel einzustellen.

Auch wenn wir nicht an den Weihnachtsmann und Rudolph glauben, liegen uns die Rentiere in der Weihnachtszeit ganz besonders am Herzen. Wenn es dir genau so geht, hilf uns dabei, die Überlebenskünstler zu schützen.

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