Ein Tag in der Wildhüter-Schule

Interview mit der Direktorin Jane John Nyau des Likuyu-Sekamaganga-College

Warum ist die Wildhüter-Schule so wichtig?

Jane: Unsere Schule in Likuyu Sekamaganga ist für die Vertreter der Dorfgemeinschaften die einzige Möglichkeit im ganzen Land, um aktiv etwas über Naturschutz und Tourismus zu lernen. Die von den Gemeinden entsandten Wildhüter erfahren bei uns, wie man die Ressourcen der Natur nutzen und gleichzeitig schützen kann. Wichtig ist außerdem, dass Regeln und Gesetze vermittelt werden. Nur so kann eine enge Zusammenarbeit von Regierung, Bevölkerung, Unternehmen und Naturschutzorganisationen gelingen.

Was ist das größte Problem in der Region?

Wir befinden uns in einem der wichtigsten Schutzgebiete Afrikas und unser größtes Problem ist die Wilderei. Vor allem die Elefanten sind stark bedroht. Darüber hinaus kämpfen wir damit, dass viele Menschen, die hier leben, noch kein Bewusstsein für den Naturschutz haben. Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass große Teile der lokalen Bevölkerung sehr arm sind. Die Natur ist ihre wichtigste Einkommensquelle, um zu überleben.


Wie sieht ein typischer Tag in der Wildhüter-Schule aus?

Wir stehen um 5:30 Uhr auf und machen eine halbe Stunde Frühsport. Vor dem Frühstück um 7:00 Uhr haben die angehenden Wildhüter Zeit, sich für den Tag vorzubereiten. Der theoretische Unterricht startet um 8:00 Uhr und geht bis 12:30 Uhr. Nach dem Mittagessen geht der Unterricht weiter bis 16:00 Uhr. Im Anschluss machen die Gemeinde-Wildhüter nochmal eine halbe Stunde Sport, um körperlich fit zu sein. Vor dem Abendessen um 18:00 Uhr haben die Schüler Zeit, für sich zu lernen. Abends schauen wir oft noch Nachrichten im Fernsehen oder Videos von Anti-Wilderei-Einsätzen und Tierdokumentationen. Gegen 22:00 Uhr ist Schlafenszeit.

An Unterrichtstagen, die draußen im Schutzgebiet stattfinden, sieht der Ablauf etwas anders aus. Die Wildhüter lernen, wie man ein Camp aufbaut, wie man Arten und ihre Spuren bestimmt und was man auf Patrouillen beachten muss. Das ist sehr wichtig für die Bekämpfung der Wilderei. Die Schüler lernen den Umgang mit GPS-Geräten und Gewehren, für den Fall, dass sie sich selbst verteidigen müssen. Auf jeder Patrouille machen wir Monitoring und sammeln Daten über die Tierwelt vor Ort.

Gibt es eine Geschichte aus der Schule, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Im August 2010 hat sich ein Schüler im Dschungel verirrt und war drei Tage lang verschwunden. Alle College-Mitarbeiter, die Schüler und 50 Menschen aus den umliegenden Dörfern suchten nach ihm. Am dritten Tag traf er glücklicherweise auf eine Touristen-Gruppe und wir konnten ihn in die Wildhüter-Schule zurückbringen. Der Schüler war etwas entkräftet, konnte sich aber gut in der Wildnis durchschlagen. Er ernährte sich von wilden Früchten, Termiten und trank Flusswasser. Bei Begegnungen mit wilden Tieren wie Elefanten, Löwen und Büffeln versteckte er sich im Dickicht oder kletterte auf Bäume. Von diesen Erlebnissen musste er sich eine Zeit lang erholen und kehrte dann in die Schule zurück, um seine Wildhüter-Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass unsere Schule weiter ausgebaut wird und wir mehr Unterrichtsräume und Schlafsäle bekommen. Wir möchten mehr Wildhüter und die lokale Bevölkerung schulen. Außerdem wollen wir Stipendien anbieten. Es liegt uns viel daran, noch mehr Menschen hier in der Region zu erreichen. Die Gemeinden in Selous sollen darin bestärkt werden, dass sich Naturschutz für alle lohnt. Alternative Einkommensquellen wie der Anbau von Honig oder Fisch- und Geflügelzucht sind Wege, mehr Einkommen nachhaltig und im Einklang mit der Natur zu erwirtschaften. Mehr Tourismus würde der Region helfen. Von Foto-Safaris könnten zukünftig die Menschen in Selous profitieren und vielen bedrohten Arten das Überleben sichern. Denn die Natur ist unser größter Schatz.

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Selous – Im Fadenkreuz der Wilderei

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40 € finanzieren eine WWF-Bienenkiste für die nachhaltige Gewinnung von Honig. Alternative Einkommensquellen sind ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Wilderei.

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Mit 80 € können wir einen Gemeinde-Wildhüter in Selous komplett für den Einsatz gegen Wilderer ausrüsten und die nötige Schutzkleidung bereitstellen.

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300 € finanzieren die zehntägige Schulung eines Wildhüters in der Likuyo-Sekamaganga Schule. Diese beinhaltet u.a. Einsatz-Training, Artenschutz und Straftatenerkennung.

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