Schuppentier: Schmuggel floriert trotz weltweitem Handelsverbot

Schuppentiere sind die meistgeschmuggelten Säugetiere der Welt. Allein zwischen 2010 und 2015 beschlagnahmten Strafverfolger weltweit 120 Tonnen ganzer Pangoline, deren Körperteile und Schuppen. Zuletzt konfiszierten Fahnder in Taiwan 4.000 gehäutete und ausgenommene Tiere. Darauf macht der WWF zum Weltschuppentiertag aufmerksam. „Wir gehen davon aus, dass maximal ein Viertel des Schmuggels überhaupt aufgedeckt wird. Es braucht in vielen Ländern Asiens und Afrikas strengere Gesetze, schärfere Kontrollen und härtere Strafen. Die Schmugglersyndikate haben es zu leicht“, sagt WWF-Artenschutzexperte Arnulf Köhncke.

Geringe Strafen

Zwar ist der kommerzielle Handel mit allen acht Schuppentierarten seit Anfang 2017 weltweit verboten. Zahlreiche südostasiatische Staaten haben ihre Gesetze jedoch noch nicht entsprechend angepasst. So ist in Indonesien, Vietnam oder Laos nur der Handel mit asiatischen Schuppentieren unter Strafe gestellt, nicht aber den vier afrikanischen Arten. Wo das Gesetz Strafen vorsieht, fallen sie häufig zu niedrig aus: „Wer in Indonesien beim Schmuggeln heimischer Pangoline erwischt wird, den erwartet allenfalls eine geringe Geldbuße. Manchmal kommt es aber noch nicht einmal zu Strafverfahren. Das ist auch in vielen anderen Ländern so. Angesichts der möglichen Gewinnspannen schreckt das kaum ab“, kritisiert Köhncke vom WWF.

Vermeintliche Delikatesse und medizinischer Irrglaube

Zudem ist die Nachfrage in Vietnam, China oder Taiwan ungebrochen hoch. Dort sind Schuppentiere eine Delikatesse. Die Tiere werden zum Teil lebend geschmuggelt und angeboten, damit sie möglichst frisch auf dem Teller landen. Ein Kilogramm Fleisch kostet auf dem Schwarzmarkt bis zu 300 US-Dollar. Die Schuppen des Pangolins sind wiederum in der Traditionellen Chinesischen Medizin beliebt und erzielen sogar Kilopreise von bis zu 3000 US-Dollar. Die meisten asiatischen Schuppentierarten sind bereits derart stark dezimiert, dass zunehmend Tiere aus Afrika nach Asien geschmuggelt werden.

Die Spur führt auch nach Europa und die USA

Neuere Analysen von Traffic und IUCN zeigen, dass neben Asien auch die USA häufiges Ziel der gut organisierten Schmugglernetzwerke sind. Dort finden vor allem Körperteile, aber auch Lederprodukte Abnehmer. Europa wiederum ist ein wichtiger Umschlagplatz für die gewilderten Tiere. „Das weltweite Pangolin-Problem bekommen wir nur in den Griff, wenn wir den Druck auf Wilderer und Schmuggler erhöhen und gleichzeitig die Absatzmärkte austrocknen. Sinkt die Nachfrage nach Schuppentieren, lässt sich mit ihnen nicht mehr so viel Gewinn machen“, unterstreicht Arnulf Köhncke.

Insgesamt gibt es acht verschiedene Pangolin-Arten, je vier in Asien und Afrika. Alle acht sind bedroht. Seit Anfang 2017 sind sie auf Anhang I des Washingtoner Artenschutz-Abkommens (CITES) geführt und erhalten damit den höchsten Schutzstatus – ein komplettes Verbot des kommerziellen internationalen Handels. Die scheuen und nachtaktiven Insektenfresser leben in Asien und Afrika in Wäldern, Buschland und Savannen. Sie ernähren sich von Ameisen und Termiten. Die meisten Arten sind etwa so groß wie Hauskatzen, einige afrikanische Arten können aber ein Gewicht von 20 bis 30 Kilogramm erreichen.

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