Tiger auf Sumatra: Garantiert kein Photoshop

„Wunderschön!“ ist das erste, was einem einfällt, wenn man das Bild des Sumatra-Tigers sieht. Majestätisch blickt er über die grünen Hügel. Als wäre er selbst ganz angetan von der Schönheit seines Lebensraumes.

Doch das Allerschönste an diesem Bild ist: Es ist echt! Kein Fake, kein Photoshop, sondern der Schnappschuss einer der Kamerafallen, die als Teil des groß angelegten Tiger-Monitorings in Zentralsumatra aufgehängt wurden. Ranger und Wissenschaftler kämpfen sich oft tagelang durch dichten Dschungel, um an den entlegensten Orten Kamerafallen zu installieren oder die Speicherkarten der Kameras auszulesen. Bergauf, bergab. Nicht selten sind sie wochenlang unterwegs.

Familienleben vor der Kamera

Manchmal dokumentieren die Kamerafallen ganze Familienchroniken: die Tigermutter Rima mit drei gesunden Tigerjungen. Drei! Das ist eher selten. Und zwei Jahre später: die Kinder sind aus dem Haus, da paart sich Rima wieder. Und erneut präsentiert sie einige Monate später ihre Jungen. Und diesmal sind es sogar vier!

Wie Kamerafallen Tigerschützern helfen

Der Einsatz der Kamerafallen ist mindestens so unentbehrlich wie die Daten, die gewonnen werden. Es sind kostbare Informationen über die Verbreitung der Tiger, aber auch über die Verfügbarkeit und die Art von Beutetieren sowie anderen Wildtieren, die hier noch vorkommen.

Seit 2015 nutzt das Tiger-Team des WWF Indonesien diese Methode, um mehr über die Tiger und ihre Wanderungen zu erfahren. Vor allem, weil gerade dieses Gebiet ein wichtiger Korridor für die wandernden Großkatzen und andere Arten ist. Wanderkorridore zwischen Tigergebieten sind entscheidend für den Tigerschutz. Nur so können Tiger neue Territorien erschließen, ausreichend Beutetiere finden und sich erfolgreich vermehren. 18 Kamerafallen wurden strategisch sinnvoll installiert, sechs Tiger bislang abgelichtet. Insgesamt wurden in der Region von 350 Kamerafallen 18 Tiger dokumentiert.

Die unzähligen Bilder auf den Speicherkarten der Kameras sind eine wichtige Datengrundlage zur Kontrolle. Sind dieselben Tiger bei der nächsten Auswertung immer noch da? Sind sie gewandert und werden in einem anderen Gebiet von Kamerafallen erfasst? Oder wurden sie Opfer von Wilderei und fehlen bei der nächsten Zählung? Erfolg oder Misserfolg des Tigerschutzes kann so gemessen werden.

Was getan werden muss

Die Bilder aus den Kamerafallen zeigen: Tigerschutz lohnt sich, die Tigerbestände erholen sich. Sie zeigen aber auch, dass alles getan werden muss, um dieses Gebiet zu schützen. Vor allem die indonesische Regierung muss mehr Verantwortung im Tigerschutz übernehmen, wenn sie die Verdopplung der Tiger bis 2022 erreichen möchte. Denn genau das hat sie beim Tx2-Tigergipfel in St. Petersburg 2010, gemeinsam mit den anderen zwölf Tigerländern, verbindlich zugesagt.

Dazu gehört Lebensraumschutz: Noch vor 20 Jahren war Sumatra fast vollständig bedeckt von Regenwald. Heute sind zwei Drittel abgeholzt für die Papierproduktion, für Palmöl- oder Kautschuk-Plantagen. Damit verloren auch die Tiger ihren Lebensraum. Und es entstanden Eintrittspforten für Wilderei und den illegalen Wildtierhandel.

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