TRAFFIC-Studie zeigt: Tigerfarmen bedrohen auch wildlebende Tiger

Der illegale Tigerhandel floriert. Mehr als zwei Tiere pro Woche wurden in den vergangenen 19 Jahren durchschnittlich beschlagnahmt. Das zeigt eine aktuelle Studie der internationalen Artenschutzorganisation TRAFFIC, in der der illegale, weltweite Handel mit den bedrohten Tieren in 32 Ländern zwischen 2000 und 2018 untersucht wurde. Bei nur noch knapp 4.000 Tigern in freier Wildbahn zählt jedes Tier. Die ungebrochene Nachfrage heizt Wilderei und Schmuggel weiter an und bedroht die Großkatzen massiv.

Haut und Knochen

Die Studie mit dem Titel „Skin and Bones Unresolved“ ist der vierte Bericht, den TRAFFIC zum Tigerhandel vorgelegt hat. Im Untersuchungszeitraum wurden weltweit 2.359 Tiger beschlagnahmt – in Ländern, in denen Tiger leben, aber auch außerhalb. Erneut zeigte sich, dass Tigerfelle zu den am häufigsten gehandelten Tigerprodukten zählen: Jedes Jahr werden durchschnittlich etwa 58 Tiger wegen ihres Fells getötet und illegal gehandelt.

„Wir haben die Untersuchung jetzt zum vierten Mal durchgeführt“, berichtet Kanitha Krishnasamy, Direktorin für Südostasien bei TRAFFIC und Autorin des Berichts. „Jahr für Jahr sehen wir, wie der Druck auf wildlebende Tiger ungebremst weiter besteht. Dabei sind Wilderei und illegaler Handel mit Tigern seit Jahrzehnten ein ungelöstes Problem, das die Großkatzen an den Rand des Aussterbens treibt.“

Worten müssen Taten folgen

„Der wuchernde Handel, der belegt wird durch die anhaltend hohe Zahl von Knochen und Fellen, die sichergestellt werden, aber auch von ganzen Tieren – sowohl toten als auch lebendigen–, ist ein Beweis für die anhaltende Nachfrage nach Tigerteilen. Die Zeit des Redens ist vorbei: Worten müssen endlich Taten folgen, um die Tiger in freier Wildbahn nachhaltig zu schützen“, fordert Kanitha Kirshasamy.

Die Analyse der Daten der vergangenen Jahre ergab einige überraschende Ergebnisse: Unter anderem hat sich die Zahl der durchschnittlichen jährlichen Beschlagnahmungen in Indonesien vervierfacht, die Zahl der sichergestellten Tiger hat sich TRAFFIC zufolge verdoppelt.

Tigerfarmen ein großes Problem

Außerdem stammt eine beträchtliche Anzahl der beschlagnahmten Tiger inzwischen aus Tigerzuchten. In legalen Tigerfarmen in China, aber auch in einschlägig bekannten Tigerzoos in Laos, Thailand oder auch Vietnam werden die Großkatzen im großen Stil gezüchtet, um ihre Körperteile zu verkaufen oder Pseudo-Arzneien herzustellen.

So konnten 90 Prozent der 231 Aufgriffe in Vietnam in das Nachbarland Laos zurückverfolgt werden. Dort gibt es allerdings nur noch zwei wildlebende Tiger – der Tiger gilt dort damit im Grunde als ausgestorben. Die Tiere müssen also aus den dort einschlägig bekannten, ominösen Tigerzoos stammen.
„Tigerfarmen sind der Nagel am Sarg der Tiger“, so Kathrin Samson, Tiger-Expertin beim WWF Deutschland. „Es ist nicht nur ein brutales Geschäft, das häufig mit unfassbaren Qualen für die Tiere verbunden ist, es erhöht auch den Druck auf die wildlebenden Artgenossen. Das zusätzliche Angebot facht die Nachfrage an und suggeriert, es gäbe einen nachhaltigen Konsum von Tigerprodukten. Solche Zuchtfabriken müssen unbedingt geschlossen werden.“

Der WWF fordert die Teilnehmer der Artenschutzkonferenz CITES, die derzeit in Genf stattfindet, auf, sich für die stufenweise Schließung der Tigerfarmen einzusetzen. Der Handel mit Tigerteilen und -produkten muss endgültig verboten werden – unabhängig davon, aus welcher Quelle sie stammen.

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