Laos: Dreiste Lüge um Tigerfarmen

Dicht an dicht reihen sich viel zu kleine, karge Käfige aneinander. Darin vegetieren bis zu 200 Tiger vor sich hin, nur um zum Schluss geschlachtet, zu Tigerwein verarbeitet oder in Einzelteile zerlegt zu werden, die einen illegalen, perversen Markt bedienen. Das sind Tigerfarmen, wie es sie in Laos eigentlich gar nicht mehr geben sollte. Denn schon Ende 2016 hatte das südostasiatische Land auf internationalen Druck hin angekündigt, seine grausamen Tigerzuchten zu schließen. In Wirklichkeit ist nichts passiert: Der Handel mit den Großkatzen boomt, die Tigerfarmen florieren.

Gefährdung einer ganzen Art

Tigerfarmen bedeuten nicht nur eine Qual für die Tiere, die hier zum Schlachten gezüchtet werden. Die Farmen befeuern auch Schmuggel und Wilderei. Denn ob Fell, Knochen oder Fleisch – hinter den Kulissen ist es sehr leicht, an diese Tigerteile zu gelangen und damit einen grausamen Markt zu bedienen und sich zu bereichern. Solange diese Nachfrage nach Tigerteilen in dem Maße bedient wird, ist auch der Wilderei in freier Wildbahn kaum ein Ende zu setzen. Der Druck auf die höchstens noch etwa 3900 frei lebenden Tiger bleibt damit dramatisch hoch.

Tigerwein gegen Arthritis

Vor allem Touristen aus dem angrenzenden China kommen nach Laos, um hier Tigerfleisch zu essen, Tigerwein aus gemahlenen Knochen zu trinken oder um sich – mit dem nötigen Kleingeld – gar einen lebendigen Tiger auszusuchen und ihn später schlachten zu lassen. Denn auch wenn die Traditionelle Chinesische Medizin seit 1993 keine Tigerknochen mehr verwendet: In China gelten Tigerprodukte immer noch viel zu oft als Heil- und Potenzmittel, als Delikatesse und Statussymbol.

Wenn sich selbst Ranger bestechen lassen

Die Tigerfarmen von Laos haben lediglich ihre Geschäftsschilder verhängt, doch hinter der Kulissen geht die Zucht uneingeschränkt weiter, teilweise sogar in größerem Umfang als vorher. Die Tigerprodukte werden offen gehandelt. Unter den Augen von Regierungsbeamten und obwohl Laos internationale Gelder erhalten hat, um den Wildtierhandel einzudämmen. Doch zu viel lässt sich verdienen an dem mörderischen Geschäft. Korruption und Bestechlichkeit sind hoch im Kurs, sogar bei den Rangern, die im Freiland arbeiten und die Tiere eigentlich schützen sollten.

Laos: Im Mittelpunkt des Wildtierhandels

Die Grenze von Laos nach China ist durchlässig und in China befindet sich die größte Nachfrage, ebenso wie einer der größten illegalen Absatzmärkte für illegale Wildtierprodukte der Welt. So hat sich Laos inzwischen zu einem wichtigen Drehkreuz des illegalen Wildtierhandels entwickelt. Weltweit galt Laos’ Ankündigung, seine Tigerfarmen zu schließen, deshalb bei Naturschützern als wichtiger Wendepunkt zur Rettung der Tiger. Um so wichtiger ist es nun – bei allem Anschein von Hoffnungslosigkeit – den Kampf um die Rettung der Tiger in Laos nicht aufzugeben, weiterhin Druck auszuüben, potenzielle Käufer aufzuklären und immer wieder ganz genau hinzusehen.

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