Trauriger Rekord: Pangoline weiterhin die am meisten geschmuggelten Säugetiere der Welt

Am 16. Februar ist Welt-Schuppentier-Tag – ein Tag, der weltweit auf die starke Gefährdung der Tiere aufmerksam machen soll. Zwischen 2008 und 2016 wurden durchschnittlich jedes Jahr Teile von rund 20.000 Schuppentieren vom Zoll beschlagnahmt. „Eine unvorstellbare Menge und umso dramatischer, wenn man davon ausgehen muss, dass lediglich ein Viertel bis ein Zehntel der tatsächlich illegal gehandelten Mengen aufgedeckt wird“, sagt WWF-Artenschützerin Anne Hanschke. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl gewilderter Pangoline, die auf den lokalen Märkten verbleiben.

Massensterben für Häppchen und Heilmittel

Hauptgrund für den Schuppentier-Hype ist eine starke Nachfrage: Das Fleisch der Tiere gilt als Delikatesse, ihren Schuppen werden Heilkräfte nachgesagt – vor allem in Asien, aber auch in Afrika. Obgleich es keinen Wirkungsnachweis gibt: Die Schuppen bestehen aus nichts anderem als Keratin – dem Stoff, aus dem auch unsere Haare und Nägel sind.

Das Zusammenrollen, das die Pangoline so wunderbar vor Raubtieren schützt, ist leider ein denkbar schlechtes Verteidigungsmittel gegen Wilderer. Die asiatischen Schuppentiere – dort leben vier Arten – sind bereits entsprechend dezimiert, zwei davon gelten laut Internationaler Roter Liste als vom Aussterben bedroht. Allein die Bestände des Chinesischen Schuppentiers sind seit den 1960er Jahren in China um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Deshalb besorgen sich kriminelle Händler die heiße Ware inzwischen vermehrt auch aus Afrika. Dort gibt es ebenfalls vier Arten, die bislang zwar bereits als gefährdet gelten, aber noch nicht als vom Aussterben bedroht.

Schuppenschmuggel im großen Stil

Das droht sich rasch zu ändern, denn dem Zoll in China, Hongkong und Malaysia gehen immer größere Ladungen mit Schuppentier-Schmuggelware aus Afrika ins Netz: in den letzten Jahren zum Beispiel mehr als drei Tonnen aus Uganda, vier Tonnen aus Kamerun und mindestens 12,3 Tonnen Schuppen aus Nigeria. Für diese Mengen mussten Zehntausende Pangoline ihr Leben lassen.

Besonders viel Schmuggelware wird in Hongkong aufgegriffen. 2018 beschlagnahmte der dortige Zoll mehr als 17 Tonnen Pangolinschuppen, doppelt so viel wie 2017. Doch laut einem aktuellen Bericht werden weniger als 20 Prozent der Schuppentieraufgriffe in Hongkong überhaupt strafrechtlich verfolgt. Dieses Jahr setzt sich die Kette der Aufgriffe fort: Im Januar 2019 wurden in Hongkong neben Elfenbein 8,2 Tonnen Pangolinschuppen aus Nigeria im Schwarzmarktwert von umgerechnet 4,6 Millionen Euro (42 Millionen HK-Dollar) konfisziert. Diesen Monat deckten Behörden in Malaysia durch Razzien in zwei großen Einrichtungen, in denen Schuppentiere verarbeitet und verpackt wurden, ein Syndikat auf. Allein dort wurden 30 Tonnen überwiegend gefrorene Schuppentiere gefunden.

Warum ist die Wilderei so schwer zu stoppen?

„Auch wenn der internationale Handel mit Schuppentieren seit 2017 komplett verboten ist und viele Länder die Tiere auch national mit teils hohen Strafen schützen, bleibt das Geschäft mit den wehrlosen Pangolinen lukrativ“, sagt Anne Hanschke. Denn es locken hohe Gewinne.

Bereits mit einem einzigen Schuppentier verdient ein Wilderer am Anfang der kriminellen Lieferkette nach einer neuen Studie aus Indien so viel wie in mehreren Monaten als Tagelöhner. Im weiteren Verlauf der Handelskette steigen die Preise massiv. Immer mehr vermögende Kunden in Asien sind bereit, horrende Summen für Schuppen und Fleisch der Pangoline zu bezahlen. Diese immense Gewinnspanne, die bis zum Endkonsumenten erzielt wird, ist der Treiber des organisierten Verbrechens.

Auch die schwierige Strafverfolgung in abgelegenen Regionen und lange internationale Grenzen, die kaum zu kontrollieren sind, erleichtern der internationalen Schmuggelmafia ihr kriminelles Geschäft.

Das tun wir für Pangoline

Um den Wildereidruck auf die Schuppentiere zu vermindern, müssen wir an vielen Fronten zugleich aktiv sein. In Afrika und Asien klären wir beispielsweise Gemeinden über die Folgen von Wilderei auf und entwickeln gemeinsam mit ihnen alternative Einkommensquellen.

Wir setzen uns für die Einrichtung und Erhaltung von Schutzgebieten und die Bewahrung der natürlichen Pangolin-Lebensräume in Asien und Afrika ein. Zudem unterstützen wir Wildhüter in ihrem Kampf gegen Wilderei.

Damit wir den Tieren das Überleben sichern, ist es außerdem wichtig zu erfahren, auf welchen Wegen der Schmuggel von Schuppentieren von Afrika nach Asien erfolgt. „Schuppentiere werden auch durch die EU geschleust. Hierzu hat der WWF Deutschland eine Studie in Auftrag gegeben. Mit ersten Ergebnissen rechnen wir im Lauf des Jahres 2019“, erklärt Anne Hanschke.

Um langfristig Erfolg im Kampf gegen Wilderei zu haben, muss jedoch auch die Nachfrage gebremst werden. So wurden in Vietnam Studenten und Lehrkräfte im Bereich der Traditionellen Medizin über die Verwendung von Wildtieren und deren Bedrohung sensibilisiert. In einigen vietnamesischen Städten unterstützen wir die Behörden dabei, illegale Buschfleischmärkte zu schließen und Restaurants zu überwachen, damit dort kein Fleisch von bedrohten Tieren auf dem Teller landet.

Darüber hinaus machen wir auf politischer Ebene weiter Druck, damit die betroffenen Staaten die geltenden Gesetze durch strengere Kontrollen und Strafen besser umsetzen, um die kriminellen Handelswege von Afrika bis Asien dauerhaft zu unterbrechen.

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