„Wenn wir jetzt nicht handeln, werden nur wenige Orang-Utans überleben.“

Interview mit Albertus Tjiu, dem WWF-Programmleiter West-Kalimantan

Albertus Tjiu hat keinen einfachen Job. Als Programmleiter des WWF-Büros in West-Kalimantan muss er vor allem die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Interessengruppen koordinieren. Wenn Wissenschaftler mit Politikern, Umweltschützer mit Polizisten und Unternehmer mit indigenen Bauern an einem Tisch sitzen, ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Hier schildert Albertus, warum Orang-Utans als Haustiere so beliebt sind und welche Begegnung mit Orang-Utans ihn besonders bewegt hat. Außerdem hat er eine Botschaft an uns.

Welches Erlebnis hat dich in deiner Arbeit für den Schutz der Orang-Utans besonders beeindruckt?

Ich erinnere mich gut an eine Situation, als ich noch als Umweltbiologischer Koordinator in Kapuas Hulu gearbeitet habe. Dort wurde ein Orang-Utan-Baby in einer Dorfgemeinschaft gefunden, das offensichtlich von seiner Mutter getrennt worden war. Nachdem Einheimische den WWF kontaktiert hatten, habe ich das Orang-Utan-Baby dann beobachtet und festgestellt, dass es nach wie vor wild genug für eine Auswilderung war.

Wir entschieden, den kleinen Orang-Utan wieder dorthin zurückzubringen, wo er gefunden worden war. Das Monitoring-Team im Dorf beobachtete ihn dann weiter intensiv im Wald. Überaschenderweise tauchte schon nach drei Tagen die Mutter des Babys auf. Als die Orang-Utan-Mutter ihren kleinen Sohn wiederentdeckte und aufnahm, war das ein sehr bewegender Moment. Diese Geschichte ist für mich unvergesslich.

Wie ist die aktuelle Situation der Orang-Utans?

In den letzten fünf Jahren gab es in und um Pontianak mehrere problematische Begegnungen zwischen Menschen und Orang-Utans. Der Hauptgrund ist, dass der Wald für Ölpalmen, Holzplantagen und andere Landnutzung abgeholzt wird. Orang-Utans, die durch die Abholzung ihren Lebensraum und ihre Nahrungsquelle verlieren, weichen in Gärten, Felder und Siedlungen aus, um neuen Lebensraum und Nahrungsquellen zu finden. Dort werden sie als „Schadtiere“ getötet. Ein weiteres Problem ist die Jagd auf Orang-Utan-Mütter, die getötet werden, um das Orang-Utan-Baby als Haustier halten zu können. Buschfleischjagd kommt leider immer noch vor. Ist aber kein so großes Problem mehr wie noch vor ein paar Jahren. Glücklicherweise gibt es einige indigene Gruppen im ländlichen Raum, die keine Orang-Utans töten, weil sie sie als ihre Vorfahren betrachten.

Warum halten Menschen Orang-Utans als Haustiere?

Orang-Utans gelten als lustige Haustiere und werden von ihren Haltern gern wie Kinder behandelt. Da sie sehr intelligent sind und ihre DNA zu 97 Prozent mit der von uns Menschen übereinstimmt, sind Orang-Utan-Babys sehr spannend und niedlich. Wenn sie größer werden, sind sie aber nicht mehr so niedlich und ihre Halter wollen sie meist wieder loswerden. Oder sie werden unter schrecklichen Umständen in Käfigen oder an Ketten gehalten.

Was tut der WWF Indonesien, um die Orang-Utans zu retten?

In Kubu Raya konzentriert sich der WWF vor allem auf den Schutz der Orang-Utans außerhalb von Schutzgebieten und arbeitet dabei eng mit den Unternehmen zusammen, die Konzessionen besitzen. Dort wollen wir sicherstellen, dass der Schutz der verbliebenen Orang-Utans besondere Aufmerksamkeit bekommt. Denn 80 Prozent aller Orang-Utans leben außerhalb von Schutzgebieten.

Was benötigt ihr für eure Arbeit?

Aktuell benötigen wir mehr Ressourcen, um Wilderei und illegalen Handel aufzuklären. Es ist wichtig, unsere Aufklärungs- und Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung auszubauen. Und unsere Ranger brauchen Unterstützung. Wir müssen außerdem unsere Feldarbeit dem technologischen Fortschritt anpassen. Auch in Indonesien wird derzeit der Einsatz von Drohnen für Bestandszählungen getestet. Wir brauchen auch noch mehr GPS-Einheiten, mit denen wir Standorte bestimmen, Orang-Utan Nester lokalisieren und so den Orang-Utan-Lebensraum und die Populationen abbilden können.

Was möchtest du den Menschen in Deutschland sagen?

Wenn wir von der Rettung der Orang-Utans reden, sprechen wir nicht nur über die Erhaltung einer Art. Das möchte ich gerne vermitteln. Orang-Utans sind im ökologischen Kreislauf für die Verbreitung von Pflanzensamen zuständig. Sie bewegen sich drei bis vier Kilometer pro Tag in ihrem Revier und verbreiten dabei über den Kot die Samen aus den Früchten, die sie essen. Deshalb werden Orang-Utans auch als „Waldbauern“ bezeichnet.

Es geht also nicht nur um die einzelne Art, sondern um die Beziehung der Orang-Utans zu ihren Lebensräumen, den tropischen Regenwäldern, den Torfwäldern und Tieflandwäldern. Diese Wälder stehen vor der größten Gefahr, vor allem für Ölpalmen und Holzplantagen gerodet zu werden.

Warum müssen wir jetzt schnell handeln?

Laut dem letzten Bericht zum Orang-Utan-Bestand, der am 22. August 2017 veröffentlicht wurde, leben derzeit nur noch 71.820 Orang-Utans auf Sumatra und Borneo. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden nur schätzungsweise 38 Prozent der jetzigen Population die nächsten 100 bis 500 Jahre überleben!

Das bedeutet, dass wir sofort eine sehr enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten aufbauen müssen: Mit politischen Entscheidungsträgern, Strafverfolgungsbehörden, Forschern, privaten Unternehmen und Umweltschützern.

Unterstütze Albertus und die Kollegen vom WWF Indonesien beim Schutz der Orang-Utans!

Weiterlesen

„Ich habe einen Käfig bekommen.
Meine Mutter eine Kugel in den Kopf.“

Hilf den Orang-Utans!

Hilf den Orang-Utans mit deiner Spende

80 € Spende helfen dabei, Investigationen zu Wilderei und Handel durchzuführen, damit wir Wilderern das Handwerk legen können.

Ich spende einmalig

Mit 130 € unterstützt du unsere Aufklärungs-Workshops. Schüler, Kleinbauern und Plantagen-Mitarbeiter lernen, wie wichtig Orang-Utans sind.

Ich spende einmalig

Für 290 € kann ein Ranger zehn Tage auf Patrouille gehen, um die Orang-Utans zu schützen. Deine Spende deckt Transport und Versicherung mit ab.

Ich spende einmalig

Schließe eine feste Freundschaft mit den Orang-Utans. Schon ab 15 € im Monat bist du eine große Hilfe und trägst zur Rettung bedrohter Lebensräume bei.

Ich werde Pate

Das sollen auch meine Freunde wissen: