Wir müssen das Abschlachten der Rentiere stoppen!

In Russland ist die Wilderei von wilden Rentieren explodiert. Es geht oft um die Geweihe. Wir müssen das Blutbad stoppen.

Den letzten wilden Rentieren auf der Taimyr-Halbinsel Russlands droht ein grausames Ende. Die Wilderer gehen mit großer Brutalität vor: Die Rentiere werden entweder von Schneemobilen aus erschossen. Oft in Massen. Dann werden Zungen oder Beine abgeschnitten. Oder sie werden bei Durchqueren der Flüsse auf ihren Wanderrouten getötet. Beim Schwimmen kommen die Tiere nur langsam voran und können nicht fliehen, wenn die Wilderer sich mit ihren Booten nähern. In vielen Fällen werden ihnen lebendig die Geweihe abgeschnitten, was extreme Qualen für die Tiere bedeutet. Die Tiere verenden meist an den Folgen. „Wir finden immer wieder wahre Schlachtfelder an getöteten Rentieren“, berichtet Eva Klebelsberg, Referentin für arktische Regionen in Russland beim WWF Deutschland.

Von Sibirien nach China

Vor allem in China werden die jungen Geweihe als Pulver zermahlen verkauft und in der traditionellen Medizin verwendet. Auch in westlichen Ländern, wird es zur Verbesserung der physischen Kondition eingenommen. Eine hormonelle Wirkung ist nicht nachgewiesen. Die Zungen gelten als Delikatessen. Das übrige Fleisch wird von den Wilderern oft einfach liegengelassen.

Das Rentierabschlachten blieb bislang weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt. Die Rentier-Gebiete in Nord-Sibirien sind extrem dünn besiedelt. Bis vor wenigen Jahren machte sich niemand „Sorgen“ um die Rentiere auf der Taimyr-Halbinsel. Denn zu Sowjetzeiten bis etwa zur Jahrtausendwende gab es viele Rentiere. Und legale und illegale Jagd gab es schon immer. Aber eben nicht in diesem Ausmaß.

Erst in den letzten vier Jahren zeichnete sich das Problem ab. Die Kollegen vom WWF Russland vermuten, dass die Wilderei sich langsam nach der Perestroika, aufgrund von steigender Armut in der Region Chukotka begann und sich im letzten Jahrzehnt nach Taimyr ausweitete. Dort gibt es die größte Population wilder Rentiere: Etwa 70 Prozent der wilden Rentiere leben hier. Sie sammeln sich auf ihren Wanderungen zwischen Sommer- und Winterweiden in Herden von bis zu 100.000 Tieren – selbst in diesen abgelegenen Gebieten leicht zu finden für die Wilderer.


Mikhail Stishov vom WWF Russland schildert die Situation der Rentiere im Video.

Bestände halbiert!

Die Bestände sind jetzt im freien Fall. Die Population in Taimyr hat sich in den letzten zwanzig Jahren halbiert. Von geschätzt mindestens 800.000 Tieren im Jahr 2000 auf höchstens 400.000 heute. Die Tiere werden zu Zehntausenden abgeschlachtet und die Reproduktionsrate leidet zusätzlich: Weibliche Tiere haben aufgrund des durch die Wilderer verursachten Stress häufig Fehlgeburten. Die Wildhüter vor Ort beobachten einen starken Rückgang der Anzahl von Jungtieren.

Um die Herden zu schützen, braucht es operative Ranger-Einheiten mit Schneemobilen, Geländefahrzeugen, Satellitentelefonen und Funkgeräten. Regelmäßige Patrouillen müssen durchgeführt werden. „Wir müssen mehr über ihre Wanderrouten wissen, wo die Flüsse überquert werden, wo die Rentiere ihre Kälber bekommen“, sagt WWF-Expertin Eva Klebelsberg. Dafür müssen Rentiere müssen mit Halsbandsendern versehen werden.

Es gibt viel zu tun. Sonst sieht es schlecht aus für die letzten wilden Rentiere Russlands. „Wenn wir die illegale Jagd nicht bald bremsen, könnte die Zeit der riesigen Rentierherden in Nord-Sibirien bald vorbei sein“, sagt Klebelsberg.

Noch können wir handeln. Mach mit!

Unterstütze die Arbeit der Ranger in Russland und rette mit uns zusammen die Rentiere vor den Wilderern.

Ausrüstung

Die Ranger-Teams benötigen dringend Kommunikations- und Transportmittel.

Monitoring

Nur wenn wir wissen, wo die Herden sind, können wir sie schützen.

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