Corona-Virus: China verbietet zeitweilig Wildtierhandel

Februar 2020

Mehr als 1.000 Menschen sind inzwischen in China am neuartigen Corona-Virus (2019-nCoV) gestorben, mindestens 43.000 sind infiziert. Die chinesische Regierung reagiert auf die massive Ausbreitung der Erkrankung, bringt ganze Städte in Quarantäne, baut Krankenhäuser – und bekämpft den Ursprung des Erregers: Die Wildtiermärkte. China hat den Handel mit Wildtieren zeitweilig verboten, auch Vietnam will nachziehen. Inzwischen gibt es Anhaltspunkte, dass das Virus ursprünglich aus einem Schuppentier stammen könnte, gesichert sind diese aber nicht.

Einem Bericht im renommierten Nature Journal zufolge könnte das Corona-Virus 2019-nCoV seinen Ursprung im Malaiischen Schuppentier haben. Die Tiere scheinen der wahrscheinlichste Zwischenwirt zu sein, so die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Experten der Schuppentier-Spezialistengruppe der Weltnaturschutzunion (IUCN) und der Universität von Hong Kong sind sich aber nicht so sicher. Bis nachgewiesen werden könne, dass das Schuppentier tatsächlich der Ursprung ist, sei es noch ein langer Weg. Man ist sich aber sicher, dass „das Ende des illegalen Handels mit Schuppentieren dazu beitragen könnte, potenzielle Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Verzehr von Wildtieren zu reduzieren“, so Dr. Dan Challender, Vorsitzender der IUCN Pangolin Specialist Group.

Wildtiermärkte

Was ziemlich wahrscheinlich ist: Das Corona-Virus 2019-nCoV hat seinen Ursprung auf einem Wildtiermarkt in China. Dort werden unter hygienisch bedenklichen Umständen tote und lebendige – oft illegal gejagte – Wildtiere wie Fledermäuse, Schlangen, Krokodile, Schuppentiere, Enten, Eichhörnchen, Füchse und Wolfswelpen gehandelt. Die Tiere werden auf engstem Raum in Käfigen gehalten. Das ist nicht nur aus Tierschutzgründen problematisch, sondern bietet den idealen Nährboden für Krankheitserreger, die sich etwa über Körperflüssigkeiten verbreiten.

Die chinesische Regierung hat reagiert und den Handel mit Wildtieren zwischenzeitlich verboten – auf Märkten, in Restaurants und im Internet – und angekündigt, massiv gegen Zuwiderhandlungen vorzugehen. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, gegen die Verbreitung gefährlicher Krankheiten, aber auch gegen den illegalen Wildtierhandel, vorzugehen.

Denn die meist illegale Jagd nach Wildtieren stellt in vielen tropischen Wäldern die weitgreifendste Gefahr für die biologische Vielfalt dar. Ob das Verbot auch nach Abebben der Epidemie Bestand hat, wird sich zeigen. Erfreulich ist, dass inzwischen auch andere asiatische Länder die latente Gefahr sehen, darunter Vietnam, einer der Hotspots des illegalen Handels mit Wildtieren.

Situation in Vietnam

In Vietnam gibt es inzwischen mehr als ein Dutzend gesicherte Corona-Fälle. Die Regierung hat Schulen geschlossen, Rückkehrer aus China vom Vietnamesischen Neujahrsfest müssen nach ihrer Ankunft zwei Wochen in Quarantäne, die Bevölkerung soll öffentliche Versammlungen meiden.

Buschfleisch ist in Vietnam hoch im Kurs, es gilt als Delikatesse, vor allem in den Städten. Deshalb wird es überwiegend in gebildeten und gut situierten Bevölkerungsschichten konsumiert – zu besonderen Anlässen und bei Geschäftsessen zum Beispiel. Drei Viertel des Buschfleisches wird in Restaurants konsumiert, so das Ergebnis einer Studie, die der WWF 2015 gemeinsam mit der Universität Hohenheim veröffentlicht hat.

„Auch in Vietnam will man nun energisch gegen den illegalen Wildtierhandel vorgehen und die Einfuhr von Buschfleisch aus China stoppen. Doch es ist nicht auszuschließen, dass für den Menschen gefährliche Zoonosen auch in vietnamesischen Wildtieren vorkommen“, so Dr. Stefan Ziegler, Naturschutzreferent Asien beim WWF Deutschland. „Die Überlegungen in Vietnam gehen nicht weit genug, auch hier muss der legale Handel mit Wildtieren und deren Produkten besser kontrolliert werden und Wilderei strikt verfolgt und geahndet werden. Nicht nur zum Schutz der Menschen vor gefährlichen Infektionskrankheiten, sondern auch zum Schutz der Artenvielfalt.“

WWF Vietnam fordert Ende des Wildtierhandels

“Durch den ausgeprägten Handel mit Wildtieren ist Vietnam seit vielen Jahren prädestiniert für vom Wildtier auf den Menschen übertragene Infektionskrankheiten wie SARS und das neuartige Coronavirus 2019-nCoV. Die dauerhafte Schließung der illegalen Wildtiermärkte und eine verstärkte Überwachung des Handelsverbots würde Vietnam helfen, das Risiko von lebensmittelbedingten Zoonosen zu minimieren“, so Dr. Stefan Ziegler.

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Hintergrundwissen:

Schuppentiere sind die meistgeschmuggelten Säugetiere der Welt. Der internationale Handel mit ihnen ist seit Januar 2017 komplett verboten. Dennoch beschlagnahmen die Behörden in Afrika und Asien weiterhin tonnenweise Schuppen und hunderte ganzer Pangoline. Allein zwischen 2000 und 2016 wurden weltweit mehr als 1,1 Millionen Tiere illegal gehandelt. Ungezählt bleiben die Pangoline, die auf den lokalen Märkten Asiens und Afrikas landen. Zwischen 2016 und 2019 wurden 200 Tonnen Schuppentierschuppen konfisziert. Bei nur wenigen Kilogramm Schuppen pro Tier entspricht das zehntausenden Schuppentieren.

Zoonosen sind Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Laut Welt-Tiergesundheitsorganisation OIE sind 60 Prozent der Infektionskrankheiten zoonotisch (Tuberkulose, Tollwut, HIV) und mindestens 75 Prozent der neuauftretenden Infektionskrankheiten (Ebola, Influenza, Nipah-Virus) haben einen tierischen Ursprung. Insbesondere durch den Wildtierhandel wird ein Überschwappen von Viren von Wildtieren auf Menschen ermöglicht. Laut Gesundheitsexpert:innen würden sich durch die Schließung der Wildtiermärkte viele solcher Ausbrüche verhindern lassen.

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Ranger: Es fehlt am Nötigsten

Bereits 2016 veröffentlichte der WWF erstmals eine Studie, für die Ranger in Afrika und Asien zu ihren Arbeitsbedingungen befragt wurden. Mit erschreckendem Ergebnis: Ranger leben gefährlich. Für ihre so wichtige Arbeit verdienen sie zu wenig Geld, sind schlecht versorgt und stehen unzähligen Gefahren gegenüber. Die 2019 veröffentlichte aktualisierte Fassung zeigt: Nach wie vor haben Wildhüter in ihrem Job mit schweren Gesundheits- und Sicherheitsrisiken zu kämpfen.

Ranger sind unverzichtbar für den Artenschutz, sie helfen, die biologische Vielfalt auf der ganzen Welt zu erhalten – zum Wohle aller Menschen. Umso mehr verwundert es, dass nach wie vor nur wenig über die Arbeitsbedingungen der Wildhüter bekannt ist. 2016 brachte die erste vom WWF beauftragte Studie Licht ins Dunkel. Für die aktualisierte Fassung der Studie wurden zwischen 2018 und 2019 7.110 Wildhüter in 28 Ländern befragt.

Ausbildung und medizinische Versorgung

Die Fragen, die den Wildhütern gestellt wurden, deckten eine Vielzahl an Themen ab. Doch es gibt Probleme, die besonders hervorstechen und dringendes Handeln von den Regierungen der Länder, in denen die Ranger eingesetzt sind, fordern. Für viele Ranger beginnen die Probleme bereits mit ihrer Ausbildung. Etwa ein Drittel gab an, dass sie ihre Ausbildung nicht ausreichend auf ihre Arbeit vorbereitet.

Die knappe Mehrheit der Ranger gab an, dass die medizinische Versorgung, die sie erhalten, nicht ausreichend sei. Hier zeigt sich, dass nach wie vor Handlungsbedarf besteht, um den Wildhütern im Notfall schnellstmöglich medizinische Hilfe zukommen lassen zu können. Größtes Problem sind Infektionskrankheiten. Etwa 31 Prozent der Wildhüter gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten an Malaria erkrankt zu sein, etwa 22 Prozent litten unter einer anderen Infektionskrankheit.

Mit verantwortlich für die hohen Krankheitsfälle ist die unzureichende Ausstattung der Ranger. Der Studie zufolge hat nur etwa ein Drittel der Wildhüter an den Außenposten Zugriff auf Moskitonetze. Ein Problem, das mit relativ geringem Kosteneinsatz leicht zu beheben wäre und die Krankheitsfälle erheblich reduzieren könnte.

Auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist an den Außenposten schlecht: nur 51 Prozent haben Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Zahl sinkt während aktiver Patrouillen-Arbeit auf drastische 43 Prozent.

Schlechte Ausrüstung, inadäquate Bezahlung

Selbst an der grundlegenden Ausrüstung mangelt es: Etwa die Hälfte der Befragten gab an, dass Uniform und Stiefel für ihre Arbeit nicht geeignet seien. Mängel, die noch größer werden, angesichts der immensen Entfernungen, die die Ranger in der Regel bei ihrer Arbeit zurücklegen.

Die Tatsache, dass 32 Prozent der befragten Wildhüter angaben, während der Patrouille keinen Zugang zu Kommunikationsgeräten zu haben, schockiert und überrascht zugleich. Dass die Ranger nicht in der Lage sind, im Falle einer Begegnung mit Wilderern in Echtzeit Hilfe holen zu können, macht einen bereits gefährlichen Job noch viel riskanter.

Gerade angesichts der vielen beschriebenen Mängel ist es alarmierend, dass eine beträchtliche Mehrheit der Ranger keinen Versicherungsschutz hat, der schwere Verletzungen oder gar den Tod abdecken würde. Dramatisch nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für dessen Familie.

Insbesondere die staatlichen Arbeitgeber der Ranger sind nun in der Verantwortung, diese Mängel schnellstmöglich zu beseitigen. Der WWF sieht es als große Dringlichkeit an, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Ranger zu verbessern, ihnen bessere Ausrüstung, Ausbildung, medizinische Versorgung und Bezahlung zukommen zu lassen. Nur so können die Wildhüter als Teil der Arbeit für den Artenschutz helfen, die Biodiversität zu bewahren und Wilderei zu stoppen.

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Streetart: Ein Tiger für Berlin

Tiger sind weit weg von der deutschen Hauptstadt. Wir machen sie zusammen mit dem international bekannten Streetart-Duo Herakut und der Seniorenpflege Birkholz sichtbar, denn sie brauchen dringend unsere Hilfe.

Tiger sind scheu und es ist fast unmöglich, sie im dichten Regenwald Sumatras zu sehen. Im Berliner Großstadtdschungel ist das jetzt anders: Vom 29. Oktober bis 1. November 2019 entstand direkt am S-Bahnhof Charlottenburg ein Mural, ein riesengroßes Wandbild:

Wir setzen ein Zeichen für den Tiger und alle durch Wilderei bedrohten Arten:
„Let’s image a world in which every being is protected!“

Für alle Berliner Tiger-Fans, die ebenfalls ein Zeichen setzen wollen: Macht Fotos von unserem Streetart-Tiger und teilt sie mit dem Hashtag #stoppwilderei auf Instagram, Twitter,…

Warum braucht der Tiger unsere Hilfe?

Weltweit gibt es nur noch 3.890 freilebende Tiger. Sumatra-Tiger sind besonders gefährdet. Nur noch etwa 370 von ihnen leben auf der indonesischen Insel, nach der sie benannt sind. Eine hochprofessionalisierte Wildereimafia macht Jagd auf sie – mit grausamen Schlingfallen. Die Körperteile der majestätischen Großkatzen bringen als angebliches Potenzmittel und Wundermedizin auf dem Schwarzmarkt viel Geld. Erfahre hier, wie wir Tiger schützen.

So ist das Wandbild entstanden:

„Die Geschichte dieses Wandbilds beginnt mit einer traurigen Wahrheit: dem drohenden Aussterben des Sumatra-Tigers. Wir wollen ihm mitten in Berlin zu einer Sichtbarkeit verhelfen, die dringend nötig ist. Wir können dafür sorgen, dass er nicht aus der Welt verschwindet. Früher waren Portraits, die sich über viele Stockwerke eines Gebäudes erstreckten, für Staatsoberhäupter reserviert. Streetartists wie wir nutzen Pinsel und Sprühdose, um denen Raum im Stadtbild zu verschaffen, die sich nicht selbst in den Vordergrund drängen. Daher ist unser Tiger in Begleitung einer Seniorin und neben ihr der Gedanke: „Stell dir vor, wir alle könnten in Würde leben und altern.“ Für unsere Gesellschaft sollte es doch möglich sein, sowohl Menschenleben als auch das Leben von Tieren, bis ins hohe Alter wert zuschätzen und zu schützen.“ Jasmin Siddiqui für HERAKUT
 
„Wir von der Seniorenpflege Birkholz sehen uns in der Verantwortung, gesellschaftlichen Fragen einen Rahmen zu geben. Wir treten nicht nur für ältere Menschen ein, sondern für jedes Lebewesen, alt oder jung. Wir stehen dafür, dass jedes Lebewesen in Würde leben darf. Das Streetart-Bild ist die perfekte Visualisierung unserer Haltung als Teil unserer Gesellschaft.“ Anika Borngräber, Geschäftsführerin Seniorenpflege Birkholz

Sumatra-Tiger gehören zu den besonders gefährdeten Arten. Wir müssen die einzigartigen Raubkatzen vor der grausamen Schlingfallen-Wilderei retten.

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Was kannst du tun, um den Tiger und viele andere Arten zu schützen?

Oktober 2019

Tiger sind die größten Katzen unserer Erde und strahlen genauso viel Kraft wie auch Anmut und Eleganz aus. Tiger machen Eindruck. Leider auch auf Touristen und das ist für die majestätischen Raubkatzen nicht immer gesund. Ähnlich ergeht es vielen weiteren Wildtieren.

Im Urlaub und zu Hause: Worauf kannst du achten?

1. Wildtiere als Attraktion besuchen?

Besuche keine Tigertempel oder “Vergnügungsparks” und Attraktionen, in denen man direkten Kontakt zu Wildtieren hat und beispielsweise Selfies mit ihnen machen kann. Die Tiere werden oft grausam behandelt, mit Narkose-Mitteln ruhig gestellt und Zusammenhänge mit Wilderei und Wildtierschmuggel sind nicht auszuschließen.

2. Streicheln und Selfies machen?

Streichle keine Wildtiere in freier Wildbahn. Nimm auch kein Angebot an, dich auf der Straße mit gefangenen Wildtieren, wie Loris, Tanzbären, Papageien, Affen oder Faultieren, fotografieren zu lassen. Mache und teile keine Selfies mit Wildtieren in deinen Social-Media-Kanälen. Was Freunde und Follower süß finden mögen, bedeutet für die Tiere im Ernstfall großen Stress. Dieser kann Nahrungsaufnahme, Jungenaufzucht oder Brut beeinflussen und tödliche Folgen haben. Das Teilen der Selfies birgt außerdem immer die Gefahr, Nachahmer zu finden. Sei Botschafter der Wildtiere und verzichte darauf.

3. Wilde Souvenirs mitbringen?

Vorsicht bei der Wahl deiner Souvenirs: Werde nicht unbeabsichtigt zum Schmuggler! Immer noch werden in vielen Ländern Andenken verkauft, die Wildtiere und bedrohte Arten gefährden, womöglich gar aus Wilderei stammen. Beispiele sind Elfenbeinschnitzereien, Kettenanhänger aus Tiger- oder Jaguarzähnen – aber auch unauffälligere Produkte wie Wollschals von seltenen Antilopen. Und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Eine gute Übersicht gibt der WWF-Souvenirratgeber, den es auch als App gibt.

4. Mach dich schlau!

Lerne zusammen mit Kindern in deinem Umfeld mehr über Artenschutz und Wilderei. Beim WWF gibt es dafür tolle Bildungsmaterialien zum illegalen Handel mit wilden Arten und zum Beispiel auch eine Tiger-Hörgeschichte.

5. Bewusst konsumieren für den Regenwald

Auch zu Hause und durch bewussten Konsum kannst du viel tun: Reduziere Palmöl, um wertvolle Regenwald-Lebensräume zu bewahren. Genieße viele frische Lebensmittel und verzichte auf zu viel Süßes, Fettiges und Fertiggerichte. Wähle ansonsten biologisch angebaute Öle und nachhaltige Produkte – am besten bio oder regional .

6. Wildtiere in der Manege anschauen?

Besuche keinen Zirkus, in welchem Tiger, Elefanten und andere Wildtiere Kunststücke vorführen. Kein Tiger, kein Elefant, kein Nilpferd macht diese Tricks freiwillig und die Tiere können im Zirkus und bei der fahrenden Lebensweise nicht artgerecht gehalten werden.

7. Gutes tun aber richtig

Vorsicht „Voluntourismus“: Engagiere dich in der Freiwilligenarbeit, aber informiere dich vorher genau! Ehrenamtlich süße Löwenbabys aufpäppeln, die später ausgewildert werden? Das ist meistens Betrug. Selten sind die Tiere wirklich Waisen, werden gewaltsam von ihren Müttern getrennt, gequält, nicht artgerecht gehalten – und niemals ausgewildert. Mit Volunteers, also freiwilligen Helfern, und Touristen soll hier viel Geld verdient werden. Das ist aber nicht das einzige Problem am Voluntourismus, der Verbindung aus Urlaub und Hilfsprojekten. Kurze Zeiträume werden den anspruchsvollen Aufgaben in den jeweiligen Ländern nicht gerecht und sind auch nicht im Sinne des Klimaschutzes.

Viele von uns denken, dass der Tiger weit weg ist und wir persönlich wenig tun können, um ihm und anderen Arten zu helfen. Doch mit diesen sieben Punkten kannst du viel dazu beitragen, dass Wildtiere besser geschützt werden.

Falls du noch mehr tun möchtest, unterstütze gerne unser Tigerprojekt in Sumatra.

03.02.2020 – Aus aktuellem Anlass: Statement des WWF Deutschland zur Situation des WWF Indonesien und unserer Naturschutzarbeit

Sumatra-Tiger gehören zu den besonders gefährdeten Arten. Wir müssen die einzigartigen Raubkatzen vor der grausamen Schlingfallen-Wilderei retten.

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Artensterben: Wer Tiger schützt, schützt so viel mehr

September 2019

Rund eine Million Arten könnten in den nächsten Jahrzehnten von unserem Planeten verschwinden. Wir verlieren unsere Vielfalt an Tieren und Pflanzen umfangreicher und schneller als bisher bekannt. Durch Wilderei, intensive Landwirtschaft, Abholzung der Wälder und ungebremsten Ressourcenhunger zerstören wir Lebensräume.

Wilderei, organisiert in weltweiten kriminellen Netzwerken, betrifft weltweit rund 7.000 Arten. Wo die Wilderei auf Tiger verhindert wird, kann auch die Wilderei auf andere Arten verhindert werden, die sich ihren Lebensraum mit den gestreiften Großkatzen teilen. Und wo Schutzgebiete und grüne Korridore für die viel Raum brauchenden Raubkatzen geschaffen werden, dienen diese unzähligen weiteren Wildtieren der Region.

Ein Erfolg für den Tiger ist immer zugleich ein Erfolg für tausende weitere Tier- und Pflanzenarten in seinem Lebensraum und nicht zuletzt für den Menschen. Denn im Rahmen des Tigerschutzes werden äußerst wertvolle Ökosysteme bewahrt, die zum Beispiel die Wasserversorgung ganzer Regionen sicherstellen und einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Tigerschutz hilft auch uns Menschen

Bis zu 830 Millionen Menschen sind von Wasser aus Tigerlebensräumen abhängig. Ob als Trinkwasser oder zur Bewässerung von Landwirtschaft – viele wichtige Wassereinzugsgebiete liegen in den Wäldern der Tiger. Für Tiger geschützte Ökosysteme erhöhen die Wassersicherheit und verbessern die Wasserqualität. Auch andere wertvolle Ressourcen halten die Verbreitungsgebiete der gefährdeten Großkatzen bereit. Seien es Nahrungsmittel, Medikamente, Rohstoffe oder saubere Luft. So ist jeder Hektar Tigerlebensraum für den Menschen von unschätzbarem Wert. Allein im Periyar-Nationalpark beispielsweise, einem Schutzgebiet im äußersten Süden Indiens, liegt der jährliche Wert der Ökosystem-Dienstleistungen bei umgerechnet rund 70 Millionen Euro.

Vorteile für die indigene Bevölkerung

Tigerschutz bedeutet auch Hilfe und Schutz für Millionen von Menschen, die unmittelbar im Verbreitungsgebiet leben. Der Erhalt der Natur geht einher mit dem Erhalt der Gebiete traditioneller und indigener Kulturen. Diese Kulturen hängen stark ab von einer intakten Natur und ihren Produkten. Ihre Rechte müssen gewahrt, ihre Lebensgrundlagen gesichert und ihre Lebensbedingungen verbessert werden. Auch dabei kann der Tiger helfen: Als wichtiger Magnet für einen nachhaltigen Tourismus, der Einkommen schafft.

Klimaschutz und Schutz vor Naturkatastrophen

Tropenwälder sind die größten CO2-Speicher der Erde, doch sie schwinden immer mehr. Leben Tiger in den Wäldern, steigt der Druck auf die Regierungen, diese zu schützen. Tigerlebensräume spielen deshalb eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels. Waldlandschaften, die für Tiger streng unter Schutz stehen, speichern nachweislich mehr CO2 als andere Wälder der Region. Die Gesunderhaltung der Ökosysteme mindert außerdem die Gefahr von Überschwemmungen, Erdrutschen und anderen Naturkatastrophen.

Die Wirkung des Tigers

Die majestätischen Katzen wirken. Sie wirken auf Zivilgesellschaft, Unternehmen und Politik und das sogar noch an Orten, an denen sie bereits ausgestorben sind: Selbst in ehemaligen Tigerländern wie Kasachstan oder China werden Anstrengungen unternommen, um ganze Landschaften zu rehabilitieren und neu eingeführten Tigerpopulationen ein Zuhause zu bieten.

Tiger gehören zu den mächtigsten Ikonen des Naturschutzes und wer in sie investiert, erhält wesentlich mehr zurück. Dabei sind Tiger empfindlich: Wenn die Landschaft nicht ausreichend groß, vielfältig und geschützt genug ist, werden sie nicht überleben.

Das gilt auch für die dichten, teilweise noch unberührten Regenwälder im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra. Von allen Seiten wächst der Druck. Doch das wertvolle Ökosystem muss unbedingt erhalten werden – für die hier lebenden letzten 370 Sumatra-Tiger und uns Menschen.

Hilf uns, den Tiger und so viel mehr zu schützen!

3.2.2020 – Aus aktuellem Anlass: Statement des WWF Deutschland zur Situation des WWF Indonesien und unserer Naturschutzarbeit

Mit diesen sieben Punkten kannst du viel dazu beitragen, dass Tiger und weitere Wildtiere besser geschützt werden – zuhause und im Urlaub.

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Leben im Land der Sumatra-Tiger

Oktober 2019

Fatma Sari fegt die Veranda des kleinen, farbig angestrichenen Hauses, in dem sie zwei Zimmer vermietet. Ihr Dorf liegt mitten in den dichten Regenwäldern Sumatras. Trotzdem führt eine schmale, von Strommasten gesäumte Straße hierher. Das ist in dieser Region nicht selbstverständlich, ermöglicht Fatma Sari aber das kleine bisschen Ökotourismus, das für sie und ihre Familie seit neuestem ein wichtiges, alternatives Einkommen bedeutet. Früher haben sie vom Kautschukzapfen gelebt – und von dem, was der Wald hergab. Doch dieser Wald vor Fatma Saris Haustüre ist einer von Indonesiens letzten intakten Regenwäldern und Heimat der vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tiger.

Nahezu unberührter Regenwald

Dichter Nebel hängt über dem Dschungel im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra. Rimbang Baling heißt die wertvolle Region, die gleich mehrere Schutzgebiete in sich vereint. Hier streifen neben dem Sumatra-Tiger selten gewordene Wildtiere wie Tapire, Malaienbären, Lemuren und Nebelparder durch den Regenwald. Doch ihr Leben und Lebensraum wird von allen Seiten stark bedroht. Palmöl- und Kautschukplantagen rücken immer näher und im Wald reagieren Einheimische auf scheinbar lukrative Angebote für Wilderei und illegale Abholzung.

In und von den Wäldern leben

In den Kern- und Pufferzonen der Schutzgebiete Rimbang Balings liegen verstreut und teilweise sehr abgeschieden kleine Gemeinden wie der Heimatort Fatma Saris, Tanjung Belit. 90 Prozent der Menschen hier leben vom Kautschukzapfen. Doch die Marktpreise für Kautschuk sind in den letzten Jahren extrem gesunken und der Existenzkampf vieler Familien geht häufig auf Kosten der Wälder und Wildtiere. Dabei nimmt niemand stärker wahr als die lokale Bevölkerung, wie sehr die Natur sich verändert, dass Vögel und weitere Arten verschwinden. Doch die Menschen müssen von irgendetwas leben.

Ökotourismus als Chance

„Die meisten meiner Gäste kommen am Wochenende – vor allem aus verschiedenen Städten auf der Hauptinsel Java“, erzählt Fatma Sari. „Ich hatte aber auch schon Gäste aus Deutschland und Schweden!“ Immer mehr Besucher der Region übernachten in so genannten Homestays – einfachen, aber liebevoll ausgestatteten Gastzimmern bei örtlichen Familien. Der Aufbau von Ökotourismus schafft Einkommen, das den Druck auf die Wälder nimmt und ihre Bewohner resistenter macht gegen die Angebote der Wildtiermafia. Eine weitere, wichtige alternative Einkommensquelle ist der nachhaltige Anbau von Kartoffeln, Bohnen, Spinat und anderen Feldfrüchten.

Nachhaltige und effektive Landwirtschaft

Je effektiver dieser Anbau, desto besser die eigene Versorgung und desto mehr Erträge können darüber hinaus verkauft werden. Außerdem wird der illegalen Rodung von Urwald für neue Felder vorgebeugt. In sehr persönlichen, genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Schulungen erlernen die Gemeindemitglieder optimale Anbaumethoden möglichst widerstandsfähiger Arten und zum Beispiel die Herstellung von Dünger aus Kompost. „Die Arbeit in und mit den Gemeinden ist hochsensibel, aber auch sehr fruchtbar und ungeheuer wichtig“, erzählt Kathrin Samson, Tiger-Referentin beim WWF Deutschland. „Wir arbeiten dafür ganz eng mit den zwei lokalen Organisationen Yapeka und Indecon zusammen, deren Mitarbeiter sogar für Monate in den Dörfern wohnen und die Bewohner eng auf ihrem langjährigen Weg zu verbesserten Lebensbedingungen begleiten.

Biogas und Kunsthandwerk

Einen großen Vorteil für die Region bringen Biogasanlagen. Immer mehr Familien sollen damit ausgestattet werden. Durch Vergärung von Kuhdung wird in den Anlagen Energie erzeugt. Die Familien müssen so kein Feuerholz im Wald mehr sammeln. Gleichzeitig entsteht aus den Gärresten wertvoller Dünger. Schon jetzt verbessern die vorhandenen Biogasanlagen die Ernteerträge enorm. Bessere Erträge sind aber nicht alles. Es muss auch für den Absatz gesorgt und der Zugang zu Märkten ermöglicht und organisiert werden. Das gilt nicht nur für Kartoffeln und Gemüse, sondern auch für geflochtene Körbe, Schnitzereien aus Kokosnussschalen oder Taschen aus recyceltem Plastik. Die kunsthandwerklichen Erzeugnisse, die oft aus Abfall- und Restprodukten entstehen, sind eine weitere alternative Einkommensquelle in Rimbang Baling.

Wissen ist Macht

Zur Naturschutzarbeit in der Region gehören auch die Bewusstseinsbildung und die Stärkung des Selbstbewusstseins der Dörfer gegenüber großen Palmöl- und Kautschukunternehmen, die sich oft einfach über die Rechte der Bevölkerung hinwegsetzen. Aufklärungskampagnen, verschiedene Veranstaltungen, der Aufbau von Bibliotheken in den Gemeinden und umfassende Schulprogramme vermitteln die Wichtigkeit der biologischen Vielfalt und die Gefahren der Wilderei. Sie zeigen außerdem Perspektiven auf für ein nachhaltiges Leben im Einklang mit der Natur.

Es muss weiter gehen

Der Schutz des äußerst wertvollen Ökosytems im Herzen Sumatras und der letzten etwa 370 Sumatra-Tiger kann nur im Einklang mit der Bevölkerung und durch ihre Unterstützung geschehen. Auch neue Ranger, die für die Region geschult und mit geeigneter Ausrüstung für die strapaziösen Tätigkeiten im Feld ausgestattet werden, kommen aus den lokalen Gemeinden. Nicht nur, weil sie es sind, die den Wald am besten kennen und die engste Bindung zu ihm haben, sondern auch um ihre Akzeptanz weiter zu fördern und wiederum Einkommen zu schaffen.

Doch Rimbang Baling ist groß. Wir brauchen mehr Ranger, mehr Ausrüstung, mehr Biogasanlagen, Fortbildungen, Schulprogramme und Einkommensquellen.

Hilf uns, die Bevölkerung Rimbang Balings zu stärken und den Sumatra-Tiger vor dem Aussterben zu bewahren.

3.2.2020 – Aus aktuellem Anlass: Statement des WWF Deutschland zur Situation des WWF Indonesien und unserer Naturschutzarbeit

Schlingfallen sind die Waffe der Wahl für die Wilderer in den dichten Regenwäldern Sumatras. Sie bedeuten einen grausamen Tod für die Tiger.

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Sumatra: Ein Radio für den Tiger

Oktober 2019

„Selamat Pagi Rimbang Baling!“ – Guten Morgen Rimbang Baling! Moderator Zekrianto sitzt hinter einem großen Mischpult, das auf einem einfachen Holztisch steht. Er sendet aus einer kleinen Radiostation mitten im Dschungel der indonesischen Insel Sumatra. „Mein Publikum kennt mich als Oom Zeck”, erzählt Zekrianto stolz. Dieses Publikum lebt zumeist einige Kurven flussaufwärts: In extrem abgelegenen Dörfern, in denen Stromversorgung und Radioempfang keine Selbstverständlichkeit sind. Zekrianto sendet im Tigerwald.

Abgelegenes Paradies

Die Region Rimbang Baling im Herzen Sumatras ist nur etwa 150 Kilometer Luftlinie von der asiatischen Megametropole Singapur entfernt. Und doch liegen die Wälder hier so abgeschieden, wie man es heute nur noch selten findet. Das macht Rimbang Baling zum wichtigen Lebensraum für hunderte Tier- und Pflanzenarten und zu einem der letzten Rückzugsgebiete für den Sumatra-Tiger – die am stärksten bedrohte Tiger-Unterart der Welt.

Ein Bürgerradio zur Rettung der letzten Sumatra-Tiger

„Als Moderatoren beschwören wir unsere Hörer, Tiere und Umwelt zu schützen. Und wir informieren sie, dass eines dieser Tiere in Rimbang Baling der Sumatra-Tiger ist.“ Zekrianto ist eigentlich Grundschullehrer. Nach dem Unterricht sitzt er regelmäßig am Mikrofon des Bürgerradios Lintas Subayang 107,7. Sein Dorf, die kleine Ortschaft Subayang, ist über eine asphaltierte Straße zu erreichen, die sich in tausend Kurven durch eintönige Palmölplantagen schlängelt. Bis die Gegend immer einsamer wird und das Grün tropischer Wälder immer dichter. Hier hat der WWF 2015 gemeinsam mit den beiden lokalen Organisationen Yapeka und Indecon die kleine Radiostation gegründet – als Sprachrohr für die Bürger und den Sumatra-Tiger.

Recht auf Information

Das einfache Sendestudio ist in einem hübschen, bunten Holzhaus untergebracht, von dessen Dach eine riesige Antenne in den Himmel ragt. Etwa 15 Dörfer können das Radio empfangen. Manche von ihnen sind nur per Boot zu erreichen und früher war die Kommunikation zwischen den Gemeinden schwierig.

Die Menschen lebten hier schon, bevor Teile Rimbang Balings zum Schutzgebiet erklärt wurden. Nun sprechen sie vom „verbotenen Wald“. Doch ein nachhaltiger Umgang mit dem wertvollen Ökosystem vor ihrer Tür scheitert oft an tief gehendem Wissen, genau wie an der eigenen Not. Lintas Subayang 107,7 informiert. Über bedrohte Arten, aber zum Beispiel auch über Mitfahrgelegenheiten für Verkäufer und Waren zum nächsten Markt. Oft kommen Bewohner der umliegenden Dörfer persönlich in die Radiostation neben dem Gemeindezentrum in Subayang, um ihre Informationen zu teilen.

Immun gegen die Wildtiermafia

Die Menschen, die Zekrianto und seinen Kolleginnen und Kollegen zuhören, sind arm. Das macht sie anfällig für die lukrativen Angebote einer Wildtiermafia, die nach Tigerteilen und anderen Arten giert und für die Wilderei auf Menschen aus den lokalen Gemeinden setzt. Das Bürgerradio Lintas Subayang leistet einen wichtigen Beitrag, um den Lebensstandard in der Region zu verbessern: Es vernetzt abgelegene Orte mit weiter entwickelten Gemeinden, schafft Zugang zu Absatzmärkten für geflochtene Körbe, Kartoffeln und andere Güter – und informiert beispielsweise über bessere Anbaumethoden. „Bei uns wechseln sich Bildung, landwirtschaftliche Themen und Musik und Unterhaltung ab“, erklärt Moderator Zekrianto.

Aufklärung im eigenen Interesse

Was bedeutet es für den Wald, wenn der Tiger verschwindet? Welche Folgen hat die Wilderei? Und warum sollte man die Wälder schützen? Natürlich ist ökologische Bildung wichtiger Sendeauftrag in Rimbang Baling. Auch im Sinne der Menschen, die hier leben. „Je mehr Bäume wir fällen, desto größer ist die Gefahr von Überschwemmungen und Erdrutschen in der Regenzeit. Auch das sind Informationen, die wir teilen – die Folgen illegaler Abholzung,“ sagt Zekrianto. Für seine Hörerinnen und Hörer ist das Bürgerradio längst zum wichtigen Medium geworden. Es hilft ihnen genau wie der Natur – und schafft nicht zuletzt wichtige Akzeptanz für den Naturschutz und Umweltorganisationen wie den WWF.

Der Sendebetrieb von Radio Komunitas Lintas Subayang 107,7 muss unbedingt aufrechterhalten, weitergeführt und ausgebaut werden. In Zukunft sollen mehr Menschen den Bürgerfunk empfangen können. Auch unabhängig davon müssen alternative Einkommen geschaffen, das Umweltbewusstsein gefördert und Wälder und Arten durch gut ausgebildete und ausgerüstete Ranger geschützt werden.

Unterstütze die Menschen in Rimbang Baling dabei, den Sumatra-Tiger zu schützen!

3.2.2020 – Aus aktuellem Anlass: Statement des WWF Deutschland zur Situation des WWF Indonesien und unserer Naturschutzarbeit

Rund eine Million Arten könnten in den nächsten Jahrzehnten verschwinden. Wir verlieren unsere Vielfalt an Tieren und Pflanzen schneller als bisher bekannt. Wer Tiger schützt, schützt so viel mehr.

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Sumatra-Tiger: Der Wilderei-Mafia auf der Spur

September 2019

Jeder Wilderer knotet sie anders – die Drahtschlingen, die für die Tiere einen grausamen Tod bedeuten: Schlingfallen sind die Waffe der Wahl für die Wilderei in den dichten Regenwäldern der indonesischen Insel Sumatra, aber auch in anderen Gebieten Südostasiens. Durch ihre unterschiedlich gebauten Schlingen markieren die Wilderer ihre Beute. Eine Art Ehrenkodex sichert, dass diese nicht von anderen Wilderern gestohlen wird. Mit dem Sumatra-Tiger treffen die Schlingfallen dabei schonungslos eine besonders gefährdete Art. Es gibt sie nur auf der indonesischen Insel Sumatra und nur noch etwa 370 von ihnen.

Die Spur der Schlingfallen

In den bergigen, schwer zugänglichen Wäldern des Schutzgebietes Rimbang Baling im Zentrum Sumatras finden Ranger häufig Schlingfallen. Die Wilderer stammen aus umliegenden Dörfern und geübte Ranger erkennen oft schon an der Bauweise der Fallen, wer sie ausgelegt hat. „Derjenige wird dann von Mitarbeitern der Provinzregierung engmaschig überwacht“, erklärt WWF-Tigerschutz-Expertin Kathrin Samson. „Doch ohne ihn auf frischer Tat zu ertappen, kann die Polizei nicht einschreiten – und die Wilderer handeln auf unterster Ebene einer komplex organisierten Wilderei-Mafia.“ Manche Dörfer hier sind nur per Boot zu erreichen und ihre Bewohner leben meist sprichwörtlich von der Hand in den Mund. Die Wilderer sind Verbrecher aus Armut und werden selbst dabei noch ausgebeutet. Das eigentliche Geschäft machen ihre Hintermänner.

Komplex organisiertes Verbrechen

Will man die letzten Sumatra-Tiger schützen, muss man den Menschen vor Ort aus der Not helfen und den Wilderern Alternativen bieten. In Rimbang Baling konnte der WWF bereits Wilderer erfolgreich rehabilitieren und mit ihrer Hilfe Einblick in ein gut organisiertes Handelsnetz auf Sumatra gewinnen: Über verschiedene Hintermänner gelangen die gewilderten Tiere zu Händlern, die oftmals offizielle Genehmigungen für den legalen Export bestimmter Amphibien besitzen. Sie übernehmen die illegale Ausfuhr der gewilderten Arten. Kontrollen werden dabei häufig durch Bestechung umgangen. Die verschiedenen Hintermänner und Auftraggeber der Wilderei sind schwer zu fassen. Denn das kriminelle Netzwerk ist perfekt organisiert.

Wenn Grenzpolizisten die Schulbank drücken

Ein wichtiger Teil der Wilderei-Bekämpfung liegt deshalb in der Fortbildung von Polizei und Justiz und in der entsprechend guten Zusammenarbeit mit den jeweiligen Regierungen und zuständigen Behörden. Über welche Routen werden gewilderte Tiger und andere Arten aus Sumatra ausgeführt? In welchen Verstecken werden sie geschmuggelt? Welche Arten stehen überhaupt unter Schutz? Solche Fragen beantwortet der WWF gemeinsam mit verschiedenen Fachleuten in viertägigen Schulungen für Polizei, Staatsanwälte, Zollbeamte und Justiz. Kollegen aus anderen Ländern werden eingeladen, um von ihren wertvollen Erfahrungen zu berichten.

Mit Erfolg: In Ländern, in denen diese Schulungen bereits fester Bestandteil der Anti-Wilderei Arbeit sind, wird die Wilderei als organisiertes Verbrechen zunehmend ernst genommen. Der illegale Wildtierschmuggel wird deutlich häufiger aufgedeckt und es kommt zu mehr Beschlagnahmungen und Verurteilungen.

Wenn Sumatra-Tiger verschwinden

350 Kamerafallen sind im WWF-Projektgebiet Rimbang Baling installiert. Sie helfen, die Tiger- und ihre Beutetierpopulation flächendeckend zu überwachen und die Wilderei von Sumatra-Tigern nachzuweisen. Denn wird ein Tiger gewildert, bleibt kein Teil zurück. Alles an einem Tiger ist begehrt und wird verwertet. Doch ein flächendeckendes Monitoring mit Kamerafallen enthüllt, wenn Tiger fehlen. „Und wenn jedes Jahr etwa 40 Kamerafallen aus Rimbang Baling verschwinden, dann liefert auch das wichtige Informationen in unserem Einsatz gegen die Wilderei“, sagt Kathrin Samson. Wo Kamerafallen fehlen, möchte wahrscheinlich ein Wilderer nicht beobachtet werden. Der WWF überwacht eine solche Region verstärkt und arbeitet noch intensiver mit der Bevölkerung der nahegelegen Dörfer zusammen.

Wir brauchen dringend mehr Ranger, um die gefährdete Art zu schützen. Wir brauchen mehr Metalldetektoren zum Aufspüren der Schlingfallen, mehr Kamerafallen, mehr Kurse für Polizei und Justiz – und wir müssen die örtliche Bevölkerung aufklären und ihnen aus der Armut helfen, damit sie nicht zu Wilderern werden.

Hilf uns bei der Rettung der letzten Sumatra-Tiger!

3.2.2020 – Aus aktuellem Anlass: Statement des WWF Deutschland zur Situation des WWF Indonesien und unserer Naturschutzarbeit

In Rimbang Baling gibt es eine Radiostation für die lokale Bevölkerung und den Tiger.

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Elfenbein trotz Handelsverbot in China noch immer gefragt

Nachdem China ein Verbot über den Handel von Elefantenelfenbein verhängt hat, hat sich der Konsum von Elfenbein im Land reduziert. Jedoch gibt es einen harten Kern innerhalb der Bevölkerung, der sich auch von gesetzlichen Regelungen nicht abschrecken lässt – diese Gruppe verschiebt den Handel mit Elfenbein verstärkt in Regionen außerhalb Chinas. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom WWF groß angelegte Studie zur Nutzung von Elfenbein in China.

2.000 Menschen in 15 Städten wurden dazu befragt – die bisher größte Studie zum Elfenbeinkonsum in China. Sie ist Teil eines systematischen, jährlichen Markt-Monitorings seit dem Erlass des Handelsverbots und die dritte Studie in Folge, nach einer Untersuchung 2018 und einer Ende 2017 kurz vor Inkrafttreten des Handelsverbots.

Die überwältigende Mehrheit der chinesischen Bevölkerung begrüßt das Handelsverbot. „Die chinesischen Verbraucher waren eine treibende Kraft hinter dem globalen Elfenbeinhandel, die ab 2010 zu einer Krise der Elefantenwilderei auf dem afrikanischen Kontinent führte“, so Karen Xue, Leiterin der globalen Elfenbeininitiative des WWF. „Ihre Hilfe ist entscheidend, um die Flut gegen die Welle der Wildtierkriminalität zu wenden, die jedes Jahr Zehntausende von Elefanten das Leben kostet.“

„Harter Kern“ besteht weiter auf Elfenbein

Wie bereits im Vorjahr ergab auch die diesjährige Umfrage, dass die Verbraucher ihren Elfenbeinkauf eingeschränkt haben. Der Konsum sei durch das Handelsverbot etwa um die Hälfte zurückgegangen, so die Ergebnisse der Studie. Besorgniserregend bleibt allerdings, dass noch immer jeder Siebte angab, trotz Kenntnis des Verbots Interesse an einem Elfenbeinkauf zu haben. Insbesondere regelmäßig ins Ausland Reisende gehören laut Umfrage zu diesem harten Kern. Entsprechend gingen zwar die angegebenen Käufe von Elfenbein im Inland zurück, nahmen jedoch bei Reisen ins Ausland zu.

Schwarzmärkte dürfen nicht weiter wachsen

„Die Schließung der nationalen Elfenbeinmärkte war ein wichtiger Schritt der chinesischen Regierung, den Kauf von Elfenbein zu reduzieren“, sagt Katharina Trump vom WWF Deutschland. „Allerdings bleibt ein harter Kern in China bestehen, der trotz des bestehenden Verbots Elfenbein kauft oder Interesse daran hat, dies zukünftig zu tun. Diese Menschen lassen sich offensichtlich nicht durch die gesetzliche Regelung beeinflussen. Hier muss verhindert werden, dass Schwarzmärkte wachsen oder sich ins Ausland verschieben, was die Wilderei in Afrika weiter hoch halten würde,“ so Trump weiter.

Eine Verschiebung der Märkte kann zum Teil schon beobachtet werden: Gemessen an der beschlagnahmten Menge illegalen Elfenbeins, das mit einem bestimmten Land in Verbindung gebracht werden kann, stand Vietnam für den Zeitraum 2015 bis 2017 erstmals auf Platz eins und damit noch vor China. „Die Eindämmung der Nachfrage, d.h. eine Verhaltensänderung bei den noch bestehenden Elfenbein-Interessenten, herbeizuführen, ist daher neben dem Handelsverbot ein wichtiges Puzzleteil, um den Handel mit illegalem Elfenbein und damit die Wilderei auf afrikanische Elefanten einzudämmen.“ Um diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen, arbeitet der WWF gemeinsam mit TRAFFIC an einer großangelegten Kampagne in China, die von der Deutschen Bundesregierung unterstützt wird.

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Erfolg gegen die Wilderei in Deutschland

Das Amtsgericht Cham hat einen Landwirt, Waldbauern und Jäger der Wilderei auf Luchse für schuldig befunden. Der Angeklagte wurde wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz und wegen des illegalen Waffenbesitzes zu einer Geldstrafe verurteilt.

Spätestens seit der Rückkehr der Wölfe und Luchse nach Deutschland ist auch die Wildtierkriminalität zurück. Wilderei gehört zu den häufigsten nicht natürlichen Todesursachen von bedrohten Tierarten wie Wolf, Luchs oder Fischotter. Auch Greifvögel sind in großem Umfang betroffen. Von den seit 2000 in Deutschland 369 tot aufgefunden Wölfen wurden mindestens 41 illegal getötet. Weitere Wölfe wurden zudem während ihrer Lebzeit nachweislich beschossen. Auch Luchse fallen Kriminellen zum Opfer. 2016 wurde im Harz ein trächtiges Luchsweibchen erschossen. Im Bayerischen Wald verschwanden jahrelang regelmäßig Luchse in einem „Bermudadreieck“ jenseits der Nationalparkgrenzen. Im Jahr 2015 wurden hier drei absichtlich getötete Luchse gefunden. Zwischen 2010 und 2019 wurden mindestens fünf Tiere getötet.

Urteil in Cham grundsätzlich begrüßenswert

Der WWF geht bei der Wilderei in Deutschland von einer hohen Dunkelziffer aus. Bei der Verfolgung von Wilderei gibt es großen Nachholbedarf, da die Täter in den meisten Fällen nicht gefasst werden. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass das Gericht in Cham im Fall der Luchswilderei deutlich gemacht hat, dass Wilderei kein Kavaliersdelikt ist – auch wenn man beim Strafmaß im unteren Bereich des Möglichen geblieben ist – eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro wären möglich gewesen. „Von dem Schuldspruch des Amtsgerichts Cham geht hoffentlich trotzdem eine Signalwirkung aus“, erklärt Dr. Diana Pretzell, Leiterin Biodiversität in Deutschland und Europa beim WWF Deutschland. „Es darf nicht sein, dass diese Tiere in Deutschland vergiftet, erschossen oder erschlagen werden und die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Wilderer müssen spüren, dass ihre Taten weder von der Justiz noch von der Gesellschaft und ihrem sozialen Umfeld akzeptiert werden.

„Regensburger Erklärung“ gegen die Wilderei

Wilderei in Deutschland muss als ernstzunehmendes, kriminelles Problem erkannt und angegangen werden. Hier kommt auch der Justiz eine Schlüsselrolle zu. Der Straftatbestand der Wilderei muss konsequent verfolgt und Täter müssen verurteilt werden. Der Bayerische Jagdverband (BJV) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) veröffentlichten daher einen Tag vor Prozessauftakt gegen den Luchswilderer zusammen mit dem WWF Deutschland eine „Regensburger Erklärung gegen Wilderei und Artenschutzkriminalität“. Sie fordern darin eine Anti-Wilderei-Offensive der bayerischen Behörden. Dazu gehören die zentrale Dokumentation und Veröffentlichung aller Artenschutzdelikte sowie ihrer Hintergründe und deren Strafverfolgung. „Die illegale Tötung streng geschützter Wildtiere ist kein Kavaliersdelikt. Diese Straftaten müssen konsequent verfolgt werden“, heißt es in dem Papier. „Ein eindeutiges Signal durch das Innen- und Justizministerium ist dringend erforderlich, damit Wilderei immer als gravierendes Problem mit entsprechendem Handlungsdruck wahrgenommen wird.“

Für eine konsequente Strafverfolgung müssten die bayerischen Behörden Geld, Mitarbeiter und klare Strukturen bereitstellen. Dazu gehört auch, eine Datei zu Jagdwilderei beim Landeskriminalamt anzulegen. Kriminologen und Forensiker müssen ein Standardverfahren zur Datenaufnahme vor Ort entwickeln und konsequent anwenden. Außerdem solle Artenschutzkriminalität einen größeren Anteil bei Aus- und Weiterbildung von Polizei- und Justizbeamten einnehmen. Auch die Bevölkerung muss in den Kampf gegen die Wilderei eingebunden werden. Ein gesellschaftliches Klima des Schweigens gegenüber Wilderei und Artenschutzkriminalität darf es nicht geben.

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