Hättest du das über Orang-Utans gewusst?

Mehr spannende Fakten über Orang-Utans:

Sie sind die einzigen Menschenaffen in Asien. Vor 20.000 Jahren bewohnten sie noch weite Teile Südostasiens und waren vom Himalaja und Südchina im Norden bis nach Java im Süden verbreitet. Heute sind sie nur noch auf Borneo und Sumatra zu finden.

Keiner ist größer

Orang-Utans sind die größten Baumbewohner im ganzen Tierreich. Die zur Seite ausgestreckten Arme haben eine Spannweite von bis zu 2,2 Metern. Männchen legen lebenslang an Gewicht zu und können im höheren Alter bis zu 100 Kilogramm wiegen. Weibchen bringen hingegen nur 30 bis 45 Kilogramm auf die Waage.

Orang-Utans sind wahre Kletterkünstler. Sie hangeln durchs Geäst und benutzen unter anderem Lianen als Schwingseile zur Fortbewegung. Allerdings müssen sie aufgrund ihrer großen Körpermasse vorsichtig sein. Wenn sie sich nicht bedroht fühlen, bewegen sie sich im Vergleich zu kleineren Affen langsam im Kronendach fort und testen immer wieder, ob ein Ast stabil genug ist.

Orang-Utans leben im Unterschied zu den afrikanischen Menschenaffen nicht in Gruppen, sondern mehr oder weniger als Einzelgänger. Bei den Männchen werden dominante und nachrangige Männchen unterschieden. Dominant sind diejenigen Männchen mit Wangenwülsten. Sie besetzen typischerweise ein
Revier, das sich mit den Streifgebieten von ca. drei bis vier Weibchen überlappt.

Lange Rufe

Die Reviermarkierung erfolgt durch regelmäßiges lautes Rufen, die sogenannten „long calls“, mit denen dominante Männchen Geschlechtsgenossen abschrecken und Weibchen auf sich aufmerksam machen. Die Rufe dauern etwa ein bis zwei Minuten an, wobei die Geschwindigkeit und die Dauer des Rufs Informationen über die Vitalität des Absenders enthalten. Dominante Männchen rufen ca. zwei bis vier Mal täglich. Die Reviere der dominanten Männchen besitzen eine Größe von einigen Hundert Hektar.

Männchen und Weibchen kommen nur zur Paarung zusammen und verbringen dann wenige Tage miteinander. Die Weibchen sind typischerweise in Begleitung von bis zu zwei Jungtieren verschiedenen Alters. Wenn die jungen Orang-Utans ihre Mütter in der Adoleszenz verlassen, bilden sie manchmal vorübergehend kleine Gruppen mit anderen „Jugendlichen“. Außerdem verbringen zumeist miteinander verwandte Weibchen gelegentlich einige Tage gemeinsam und gehen dann wieder jede ihre eigenen Wege.

Oft entscheidet die Frau

Borneo-Orang-Utan-Männchen werden etwa mit 14 Jahren geschlechtsreif. Weibchen bekommen ihren ersten Nachwuchs im Alter von rund 15 Jahren. Bei der Partnerwahl entscheiden vor allem die Weibchen. Männchen mit Wangenwülsten werben mit lauten Rufen und warten dann mehr oder weniger, dass ein interessiertes Weibchen zu ihnen kommt. Da die Weibchen allerdings durch ihre geringere Körpermasse wesentlich agiler sind, können sie Begegnungen mit dem dominanten Männchen auch vermeiden.

Orang-Utans sind tagaktiv. Sie verbringen ihre meiste Zeit in den Bäumen und halten sich nur selten am Boden auf. Jeden Abend bauen sie sich ein neues Schlafnest in den Ästen. Dafür benötigen sie in der Regel weniger als zehn Minuten. Borneo-Orang-Utans errichten auch manchmal ein Nest für den Mittagschlaf.

Flexitarier

Die Ernährung der Orang-Utans ist fast ausschließlich pflanzlich. Am liebsten fressen sie Früchte. Hinzu kommen Samen, Kräuter, Wurzeln, Blätter, Blüten, Innenrinde, Pflanzenmark und Erde. Ihr Nahrungsspektrum umfasst insgesamt mehr als 200 Pflanzenarten. Während sie außerdem regelmäßig Wirbellose wie Ameisen, Termiten und Raupen zu sich nehmen, stehen kleine Wirbeltiere nur sehr selten auf ihrem Speiseplan.

Orang-Utans zu zählen, ist aufgrund der Beschaffenheit ihres Lebensraumes und ihrer Art der Lebensweise ein schwieriges Unterfangen. Deshalb beruhen die Bestandszahlen auf Hochrechnungen und Schätzungen. Auf jeden Fall ist der Bestand der Orang-Utans in den letzten Jahrzehnten dramatisch eingebrochen.

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Verdrängt, verfolgt, verkauft –
die Orang-Utans von Borneo

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Das Elfenbein der Flusspferde

Flusspferde geraten immer stärker ins Visier von Wilderern. Wurden die Tiere früher vor allem wegen ihres Fleisches gejagt, haben es die Hippo-Killer nun verstärkt auf ihre Zähne abgesehen. Die sind nämlich wie die Stoßzähne von Elefanten aus Elfenbein.


Weil Elefanten streng geschützt sind und zudem häufig unter Beobachtung von Wildhütern, Forschern oder Touristen stehen, ist der Abschuss für die Wilderer riskant. Sie weichen auf andere Arten aus. Flusspferde stehen weit weniger unter Beobachtung. Zudem sind die Tiere lediglich unter Anhang 2 des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet, wodurch ein begrenzter Handel mit Flusspferdprodukten legal ist. Genau dieses Schlupfloch nutzen die Elfenbeinschmuggler.

Ein Großteil des Handels mit den Zähnen wird über Hongkong abgewickelt. Hier landet eine weit größere Menge Hippo-Elfenbein, als in den afrikanischen Herkunftsländern deklariert wurde. Ein aktuelle Studie zeigt, dass es allein in den Daten des Handels zwischen Uganda und Hong Kong Differenzen von über 14.000 Kilogramm gibt. Das entspricht etwa dem Gebiss von rund 2700 Flusspferden – rund zwei Prozent des weltweiten Bestandes.

Flusspferde stehen seit langem auf der Roten Liste der bedrohten Arten und wurden von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „gefährdet“ eingestuft. Es muss verhindert werden, dass sich das Flusspferd als weiterer Verlierer des weltweiten Durst nach Wildtierprodukten in die traurige Riege der Elefanten und Nashörner einreiht. Ein weiterer Grund dafür, die Wilderei weltweit zu bekämpfen und die Nachfrage nach Elfenbein zu drosseln.

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„Wenn wir jetzt nicht handeln, werden nur wenige Orang-Utans überleben.“

Interview mit Albertus Tjiu, dem WWF-Programmleiter West-Kalimantan

Albertus Tjiu hat keinen einfachen Job. Als Programmleiter des WWF-Büros in West-Kalimantan muss er vor allem die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Interessengruppen koordinieren. Wenn Wissenschaftler mit Politikern, Umweltschützer mit Polizisten und Unternehmer mit indigenen Bauern an einem Tisch sitzen, ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Hier schildert Albertus, warum Orang-Utans als Haustiere so beliebt sind und welche Begegnung mit Orang-Utans ihn besonders bewegt hat. Außerdem hat er eine Botschaft an uns.

Welches Erlebnis hat dich in deiner Arbeit für den Schutz der Orang-Utans besonders beeindruckt?

Ich erinnere mich gut an eine Situation, als ich noch als Umweltbiologischer Koordinator in Kapuas Hulu gearbeitet habe. Dort wurde ein Orang-Utan-Baby in einer Dorfgemeinschaft gefunden, das offensichtlich von seiner Mutter getrennt worden war. Nachdem Einheimische den WWF kontaktiert hatten, habe ich das Orang-Utan-Baby dann beobachtet und festgestellt, dass es nach wie vor wild genug für eine Auswilderung war.

Wir entschieden, den kleinen Orang-Utan wieder dorthin zurückzubringen, wo er gefunden worden war. Das Monitoring-Team im Dorf beobachtete ihn dann weiter intensiv im Wald. Überaschenderweise tauchte schon nach drei Tagen die Mutter des Babys auf. Als die Orang-Utan-Mutter ihren kleinen Sohn wiederentdeckte und aufnahm, war das ein sehr bewegender Moment. Diese Geschichte ist für mich unvergesslich.

Wie ist die aktuelle Situation der Orang-Utans?

In den letzten fünf Jahren gab es in und um Pontianak mehrere problematische Begegnungen zwischen Menschen und Orang-Utans. Der Hauptgrund ist, dass der Wald für Ölpalmen, Holzplantagen und andere Landnutzung abgeholzt wird. Orang-Utans, die durch die Abholzung ihren Lebensraum und ihre Nahrungsquelle verlieren, weichen in Gärten, Felder und Siedlungen aus, um neuen Lebensraum und Nahrungsquellen zu finden. Dort werden sie als „Schadtiere“ getötet. Ein weiteres Problem ist die Jagd auf Orang-Utan-Mütter, die getötet werden, um das Orang-Utan-Baby als Haustier halten zu können. Buschfleischjagd kommt leider immer noch vor. Ist aber kein so großes Problem mehr wie noch vor ein paar Jahren. Glücklicherweise gibt es einige indigene Gruppen im ländlichen Raum, die keine Orang-Utans töten, weil sie sie als ihre Vorfahren betrachten.

Warum halten Menschen Orang-Utans als Haustiere?

Orang-Utans gelten als lustige Haustiere und werden von ihren Haltern gern wie Kinder behandelt. Da sie sehr intelligent sind und ihre DNA zu 97 Prozent mit der von uns Menschen übereinstimmt, sind Orang-Utan-Babys sehr spannend und niedlich. Wenn sie größer werden, sind sie aber nicht mehr so niedlich und ihre Halter wollen sie meist wieder loswerden. Oder sie werden unter schrecklichen Umständen in Käfigen oder an Ketten gehalten.

Was tut der WWF Indonesien, um die Orang-Utans zu retten?

In Kubu Raya konzentriert sich der WWF vor allem auf den Schutz der Orang-Utans außerhalb von Schutzgebieten und arbeitet dabei eng mit den Unternehmen zusammen, die Konzessionen besitzen. Dort wollen wir sicherstellen, dass der Schutz der verbliebenen Orang-Utans besondere Aufmerksamkeit bekommt. Denn 80 Prozent aller Orang-Utans leben außerhalb von Schutzgebieten.

Was benötigt ihr für eure Arbeit?

Aktuell benötigen wir mehr Ressourcen, um Wilderei und illegalen Handel aufzuklären. Es ist wichtig, unsere Aufklärungs- und Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung auszubauen. Und unsere Ranger brauchen Unterstützung. Wir müssen außerdem unsere Feldarbeit dem technologischen Fortschritt anpassen. Auch in Indonesien wird derzeit der Einsatz von Drohnen für Bestandszählungen getestet. Wir brauchen auch noch mehr GPS-Einheiten, mit denen wir Standorte bestimmen, Orang-Utan Nester lokalisieren und so den Orang-Utan-Lebensraum und die Populationen abbilden können.

Was möchtest du den Menschen in Deutschland sagen?

Wenn wir von der Rettung der Orang-Utans reden, sprechen wir nicht nur über die Erhaltung einer Art. Das möchte ich gerne vermitteln. Orang-Utans sind im ökologischen Kreislauf für die Verbreitung von Pflanzensamen zuständig. Sie bewegen sich drei bis vier Kilometer pro Tag in ihrem Revier und verbreiten dabei über den Kot die Samen aus den Früchten, die sie essen. Deshalb werden Orang-Utans auch als „Waldbauern“ bezeichnet.

Es geht also nicht nur um die einzelne Art, sondern um die Beziehung der Orang-Utans zu ihren Lebensräumen, den tropischen Regenwäldern, den Torfwäldern und Tieflandwäldern. Diese Wälder stehen vor der größten Gefahr, vor allem für Ölpalmen und Holzplantagen gerodet zu werden.

Warum müssen wir jetzt schnell handeln?

Laut dem letzten Bericht zum Orang-Utan-Bestand, der am 22. August 2017 veröffentlicht wurde, leben derzeit nur noch 71.820 Orang-Utans auf Sumatra und Borneo. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden nur schätzungsweise 38 Prozent der jetzigen Population die nächsten 100 bis 500 Jahre überleben!

Das bedeutet, dass wir sofort eine sehr enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten aufbauen müssen: Mit politischen Entscheidungsträgern, Strafverfolgungsbehörden, Forschern, privaten Unternehmen und Umweltschützern.

Unterstütze Albertus und die Kollegen vom WWF Indonesien beim Schutz der Orang-Utans!

„Ich habe einen Käfig bekommen.
Meine Mutter eine Kugel in den Kopf.“

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Dem Orang-Utan auf der Spur

Dewi Puspita Sari packt ihren Rucksack: Ein Fernglas, ein GPS-Gerät, eine Kamera, außerdem Stift, Notizbuch und neuerdings auch ein Smartphone – das alles braucht die Biologin vom WWF Indonesien, wenn sie in der Provinz West-Kalimantan auf der Insel Borneo Orang-Utans zählen geht. Die systematische Erfassung der Bestandszahlen, das sogenannte Monitoring, ist zeitintensiv und teuer. Um verlässliche Daten auch über einen längeren Zeitraum zu bekommen, müssen solche Zählungen jedoch regelmäßig durchgeführt werden. Die Zahlen sind wichtig, um die Bedrohung der Tiere, aber auch den Erfolg von Schutzmaßnahmen messbar und damit auch für Politik und Öffentlichkeit sichtbar zu machen.


Deshalb holt Dewi sich Hilfe aus den Dörfern. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern läuft die 33-jährige nach einem ganz bestimmten System anhand virtuell festgelegter Linien durch den Wald und sucht nach Nestern, die die Orang-Utans sich abends zum Schlafen bauen. Dabei kann man schon mal einen steifen Nacken bekommen, denn Orang-Utans verbringen die meiste Zeit ihres Lebens hoch oben in den Baumkronen der Regenwälder Borneos und Sumatras. Dort oben schlafen und fressen sie, dort ziehen sie auch ihre Jungen auf. Meist bauen sie sich jeden Abend ein neues Schlafnest.

Orang-Utans als Plage

Bevor Dewi jedoch solche Zählungen mit Hilfe der Bevölkerung durchführen kann, ist wichtige Aufklärungs- und Schulungsarbeit nötig. Deshalb hat sie meist einen ganzen Stapel an Materialien dabei, wenn sie zum ersten Mal in ein Dorf kommt. Mit den Kindern malt sie Bilder und spielt Rollenspiele, den Erwachsenen zeigt sie Videos, erklärt ihnen, wie wichtig der Schutz der Orang-Utans ist. Das ist nicht selbstverständlich, denn bei der Landbevölkerung gelten die klugen Menschenaffen häufig als Plage. Nur 20 Prozent aller Orang-Utans auf Borneo leben in Schutzgebieten, die Mehrheit teilt sich ihren Lebensraum mit dem Menschen, ist mit industrieller Landwirtschaft, Straßen, Siedlungen und Jägern konfrontiert. Doch je enger ihr eigener Lebensraum unter anderem durch den Bau von Palmöl- und Akazienplantagen wird, umso öfter kommen sie auf Felder oder dringen in Gärten ein, wo sie die Früchte oder den Honig der Dorfbewohner fressen. Immer wieder kommt es vor, dass die Eigentümer dann aus Wut oder Rache auf die Orang-Utans schießen. Auch bei der traditionellen Jagd werden immer wieder Orang-Utans getötet, obwohl das streng verboten ist. „Unsere Gesellschaft hat eine Jagdtradition und diese Jagd findet im Lebensraum der Orang-Utans statt. Das Ziel der Jäger sind zwar eigentlich Wildschweine, aber wenn den Jägern ein Orang-Utan begegnet, werden sie auch auf ihn schießen,“ erläutert Dewi. Die Jäger machen sich damit zwar strafbar, solche Delikte werden jedoch nur selten oder mit viel zu geringen Strafen geahndet.

Dewis wichtigstes Werkzeug: Gute Argumente!

Überzeugungsarbeit gehört daher zu den wichtigsten Werkzeugen beim Orang-Utan Schutz. Kann Dewi die Menschen in einem Dorf überzeugen, hat sie viel Unterstützung gewonnen: Bei den Zählungen im Regenwald, beim Kampf gegen Wilderer und bei der Suche nach Orang-Utans, die als Haustiere gehalten werden. Dewis Ziel ist, Kindern und Erwachsenen die Bedeutung zu vermitteln, die ein intakter Regenwald auch für die Bevölkerung hat. Und dass der Schutz der Orang-Utans auch alternative Einkommensquellen schaffen kann, zum Beispiel durch Ökotourismus, bei der Arbeit als Wildhüter oder auch durch die Teilnahme an Zählungen. Wie erfolgreich Aufklärungsarbeit sein kann, zeigt das Beispiel im Labian-Leboyan-Schutzkorridor im Herzen Borneos. Dort wurde nach einer Aufklärungskampagne festgestellt, dass die Dorfbewohner begannen, verletzte Jungtiere zu retten oder Menschen anzuzeigen, die sich Orang-Utans als Haustiere hielten. Solche Erfolge sind für Dewi und ihre Kollegen eine ungeheure Motivation: „Wir dokumentieren auch, wie Menschen, die Orang-Utans früher als Plage ansahen, ihre Haltung ändern, und sie nun als Touristenattraktion wahrnehmen, die es zu schützen gilt.“ Durch die Dokumentation werden diese Erfolge messbar und zu einem wichtigen politischen Instrument bei Verhandlungen über Schutzmaßnahmen mit Unternehmern, Politikern, Gemeinden und anderen Interessengruppen.

Einsatz für die Orang-Utans

Dewi selbst entdeckte 2008 ihre Liebe zu den orange-farbenen Waldmenschen. Als Studentin nahm sie an einem Training verschiedener NGOs teil, darunter auch der WWF Indonesien. Hier lernte sie, wie man Daten für Studien sammelt und aufbereitet, und sie entwickelte ihre Leidenschaft für die Orang-Utans. Seit 2010 ist sie festes Mitglied im Team des WWF Indonesien. Auch wenn es mühsam sein kann, Menschen zu überzeugen oder mit vollbeladenem Rucksack und steifem Hals durch den Regenwald zu stapfen, zieht Dewi viel Motivation aus ihrer Arbeit. „Ich bin überwältigt, wenn ich wilde Orang-Utans in der Natur erlebe. Und ich bin glücklich, wenn ich die Menschen aus den umliegenden Gemeinden für den Schutz der Tiere und ihres Lebensraums gewinnen kann.

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„Wenn wir jetzt nicht handeln, werden nur wenige Orang-Utans überleben.“
Interview mit Albertus Tjiu, dem WWF-Programmleiter West-Kalimantan

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Illegaler Handel mit Orang-Utans

Abgemagert, mit einer Kette um den Hals und umgeben von Exkrementen und Müll – so fand man das Orang-Utan-Weibchen Kepo in einem Haus im Kubu-Raya-Distrikt südlich der Stadt Pontianak auf Borneo. Ein Schulleiter hatte sie einem Händler in Ketapang als Baby abgekauft und dann jahrelang als Haustier gehalten. 1,5 Millionen Rupien, umgerechnet ca. 94 Euro, war ihm der kleine Menschenaffe damals wert. Zum Glück meldete ein aufmerksamer Bürger den Fall dem WWF Indonesien, der gemeinsam mit der Naturschutzbehörde der Provinz Westkalimantan die Evakuierung von Kepo einleitete.

Nur ein Kavaliersdelikt?

Immer wieder muss die Naturschutzbehörde in Westkalimantan zu solchen Einsätzen ausrücken, allein im Februar und März 2017 wurden sechs Fälle bekannt. Doch wie viele Orang-Utans, die als Haustiere leben müssen, bleiben von den Behörden unentdeckt? Und wie viele werden ins Ausland verkauft, bevor die Einsatzkräfte sie entdecken? Obwohl Orang-Utans auch auf Borneo streng geschützt sind, gelten Wilderei und illegaler Tierhandel hier häufig immer noch als Bagatelldelikte. Theoretisch kann man für das Töten eines Orang-Utans oder für illegalen Handel zwar bis zu fünf Jahre ins Gefängnis kommen, doch viel zu selten wird das hohe Strafmaß auch in die Tat umgesetzt. Eine abschreckende Wirkung bleibt somit aus.

Orang-Utans als Buschfleisch oder Attraktion

Immer wieder enden Orang-Utans auch als sogenanntes Buschfleisch. Zuletzt wurde im Februar 2017 ein grausamer Fall bekannt, bei dem Plantagenarbeiter einen Orang-Utan erschossen. Sie köpften ihn, schlitzten ihn auf und kochten ihn, um ihn anschließend aufzuessen. Der Orang-Utan hatte auf der Palmölplantage offenbar nach Nahrung gesucht, als er selbst den Arbeitern zum Opfer fiel.

Doch die Jagd für Buschfleisch ist nicht das größte Problem. Oft wird gezielt Jagd auf weibliche Orang-Utans gemacht, um an deren Junges zu kommen. Kann die sterbende Mutter ihr Junges nicht mehr festhalten, fällt es vom Baum und wird von den Jägern eingefangen, um es später zu verkaufen. Der illegale Handel mit den niedlichen Orang-Utan-Jungen ist ein lukratives Geschäft. Unter erbärmlichen Umständen werden sie dann als Haustiere gehalten, als Attraktion missbraucht oder an Zirkusse und Eventparks in China, Thailand, Malaysia oder auch Länder der arabischen Halbinsel verkauft. Und das sind keine Einzelfälle.

Menschenaffen als Schmuggelware

Fachleute schätzen, dass jedes Jahr 1000 bis 2000 meist junge Orang-Utans nach Java und Übersee geschmuggelt werden. Die ohnehin vom Aussterben bedrohten Orang-Utans können sich davon nicht schnell genug erholen. Erst mit acht Jahren sind die Weibchen geschlechtsreif, bekommen dann nur alle sechs bis acht Jahre ein Junges, ganz selten auch Zwillinge. Weil die Strafen für Wilderei oft noch viel zu gering sind, sind dringend Schulungen der Richter und Staatsanwälte nötig, denn illegaler Handel mit Wildtieren ist ein Verbrechen. Auch verdeckte Ermittlungen sind ein effektives Mittel, die kriminellen Machenschaften der Wilderer aufzudecken.

Aufklärung und Schutz

Neben der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung bildet der WWF Wildhüter aus und baut Anti-Wilderer-Patrouillen auf. Diese sind unverzichtbar, um gegen Wilderei vorzugehen. Das Aussterben der Orang-Utans in den Wäldern Borneos wäre ein unersetzlicher Verlust. Nur gemeinsam können wir verhindern, dass andere Orang-Utans das gleiche Schicksal wie Kepo ereilt!

Wie schützt man Orang-Utans? Wir haben Dewi Puspita Sari vom WWF Indonesien bei ihrer Arbeit begleitet.

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Verdrängt, verfolgt, verkauft – die Orang-Utans von Borneo

Es muss ein trauriger Anblick gewesen sein, der sich den Wildhütern und Polizisten auf der Insel Borneo im August 2017 bot: Zwei kleine Orang-Utans, das Weibchen erst zehn, das Männchen zwölf Monate alt, hocken eingesperrt und verängstigt in engen Käfigen in einer Wohnung in Pontianak, der Hauptstadt der Provinz Westkalimantan. Ein 19-Jähriger wollte sie für umgerechnet je knapp 220 Euro zum Kauf anbieten. Zum Glück kamen ihm Wildhüter und Polizei nach einem Hinweis aus der Bevölkerung gerade noch rechtzeitig auf die Schliche. Denn schon früher hatte der Mann über Instagram und WhatsApp Orang-Utans verkauft. Jetzt wurde er endlich festgenommen und die kleinen Orang-Utans gerettet.

Kein Haustier, sondern „Waldmensch“

„Waldmensch“, das bedeutet Orang-Utan auf malaiisch. Und diese Bezeichnung ist ziemlich treffend. Denn kaum ein Tier ist uns so ähnlich wie die klugen Menschenaffen mit dem orange-farbenen Zottelfell. Zu 97 Prozent stimmt ihre DNA mit unserer überein! In einigen Dingen sind sie uns sogar weit überlegen: Sie haben ein sehr gutes Gedächtnis und können sich bis zu 5000 Bäume als Nahrungsquelle merken. Orang-Utans unternehmen gern lange Streifzüge in den Baumkronen der Wälder und ernähren sich vor allem von Früchten und Pflanzen. So leisten sie gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zum Erhalt des Regenwaldes, indem sie durch ihren Kot Samen verbreiten. Die Orang-Utans brauchen den Wald und der Wald braucht die Orang-Utans.

Kaum Lebensraum für den Orang-Utan

Doch die Orang-Utans sind bedroht. Der Lebensraum der Menschenaffen, die ausschließlich auf den Inseln Sumatra und Borneo vorkommen, wird immer enger. In den letzten 30 Jahren fielen mehr als die Hälfte des Orang-Utan-Waldes auf Borneo der Säge oder dem Feuer zum Opfer. Regenwald wird beispielsweise durch Palmöl- und Akazienplantagen ersetzt, so dass sie nicht mehr genug Nahrung und keine geeigneten Bäume für ihre Nester finden. Vor 100 Jahren gab es auf beiden Inseln vermutlich noch 230.000 Orang-Utans. Inzwischen soll es laut Schätzungen der Internationalen Naturschutzbehörde IUCN auf Borneo nur noch 104.700 Individuen geben. Wahrscheinlich sind es aber noch weniger. Schätzungen des WWF Indonesien von 2016 gehen von nur noch 54.000 Orang-Utans auf Borneo aus. Eine dramatische Entwicklung, die zum Aussterben der Orang-Utans führen wird, wenn wir nichts dagegen unternehmen.

Orang-Utans nähern sich immer wieder Dörfern und fressen dort Früchte von den Feldern, weil sie in den verbliebenen zerstückelten und isolierten Regenwäldern nicht mehr genug Nahrung finden. Dies führt einerseits zu Konflikten mit den Dorfbewohnern, andererseits haben Wilderer so leichtes Spiel. Erwachsene Orang-Utans werden getötet, ihr Fleisch gegessen oder weiterverkauft. Junge Orang-Utans hingegen sind eine begehrte Ware auf dem illegalen Weltmarkt für Wildtiere.

Es ist noch nicht zu spät

In den meisten Nationalparks und Schutzgebieten auf Borneo sind die Orang-Utans relativ sicher. Doch 80 Prozent der Orang-Utans leben außerhalb der Schutzgebiete. Auch im südlich von Pontianak gelegenen Distrikt Kubu Raya im Westen Borneos wird es für die Orang-Utans immer enger. Monokulturen und Nutzwälder drohen den Regenwald zu ersetzen, denn die Anzahl der Palmöl- und Forstkonzessionen steigt auch hier. Das bedeutet, dass mehr und mehr Regenwald zur intensiven Bewirtschaftung für Palmöl, Papier und Holz gerodet oder genutzt werden darf. Erste Fälle von Wilderei und illegalem Wildtierhandel wurden bereits gemeldet. Doch es ist noch nicht zu spät! Mit gezielten Maßnahmen können die Orang-Utans von Kubu Raya geschützt werden. Bereits in anderen Gebieten auf Borneo hat der WWF erfolgreich getestet, dass Nutzwald so bewirtschaftet werden kann, dass Orang-Utans dort überleben können.

Der Schutz der Orang-Utans geht alle an

So schnell wie möglich müssen nun Gespräche mit den Inhabern der Forstkonzessionen in Kubu Raya geführt werden, um sie von einer schonenden Bewirtschaftung des Waldes zu überzeugen. Der Schutz der Orang-Utans kann nur gelingen, wenn alle beteiligten Interessengruppen mit einbezogen werden und miteinander sprechen. Dazu gehören Konzessionsbesitzer, Waldarbeiter, Gemeinden, Polizisten, Staatsanwälte und Richter.

Außerdem müssen Wildhüter ausgebildet werden, die regelmäßig auf Patrouille gehen und dafür angemessen bezahlt werden. Dorfbewohner können helfen, Orang-Utan-Nester zu zählen, um den Bestand der Tiere besser einschätzen zu können. Und nicht zuletzt müssen Wilderei und Wildtierhandel konsequent verfolgt und bestraft werden, damit sie nicht länger als Bagatelldelikt gelten. Aber auch Aufklärungsmaßnahmen an Schulen und Kindergärten, die der WWF durchführt, können zum Umdenken anstoßen. Wer ein Tier als Kind lieben lernt, der wird es später auch schützen wollen.

Wenn wir das Überleben der Orang-Utans sichern wollen, müssen wir jetzt handeln!
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Obwohl Orang-Utans auf Borneo streng geschützt sind, werden sie als Haustiere oder Buschfleisch gewildert.

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Nashorn-Drama in Südafrika

Auch am 22. September, dem Welt-Nashorn-Tag, sterben wieder zu viele Nashörner einen sinnlosen Tod durch Wilderei. Jeden Tag werden allein in Südafrika drei Nashörner getötet – mehr als tausend im Jahr. Die seltenen Dickhäuter sind massiv von der Wildereikrise betroffen, die Afrika vor rund zehn Jahren erfasst hat. Über 7100 der Tiere fielen der illegalen Jagd kontinentweit seitdem zum Opfer. „Die Wildtiermafia fällt in die ländlichen Gebieten ein, wo der Staat an vielen Fronten überfordert ist. Trotz erheblicher Bemühungen fehlen oftmals die Ressourcen, um es mit den hochgerüsteten Banden aufzunehmen“, sagt Katharina Trump, Referentin für Wildartenkriminalität beim WWF Deutschland.

Hauptschauplatz des Nashorn-Dramas ist Südafrika. In dem Land leben fast 80 Prozent aller afrikanischen Rhinos, gleichzeitig finden mehr als 90 Prozent aller Wildereifälle hier statt. Ziel der Wilderer ist der Export des Horns nach Asien, wo es hohe Preise auf dem Schwarzmarkt erzielt. Wie eine neue Studie von TRAFFIC zeigt, setzt die Mafia mittlerweile auf neue Strategien, um ihre Ware ungehindert durch den Zoll zu bekommen. Anstatt das gesamte Horn auszuführen, werde es zunehmend noch in Südafrika verarbeitet und dann in Form von Armreifen, Scheiben, Kugeln oder als Pulver auf dem Luftweg verschickt – ummantelt mit Wachs oder Aluminium und eingerieben mit Zahnpasta, um den Geruch zu überdecken.


Dem Thema Nashorn-Wilderei wird mittlerweile auch in der internationalen Politik vermehrt Beachtung geschenkt. Vergangene Woche, am 11. September erneuerte die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution, in der sie die organisierte Wilderei auf Nashorn, Elefant und weitere Arten als schweres Verbrechen einstuft. Neben der akuten Bedrohung der Artenvielfalt geht es bei der Entscheidung auch um die Stabilität ganzer Gesellschaften. „Die Wilderei untergräbt die Rechtsstaatlichkeit, fördert Korruption und andere illegale Geschäfte und ist Hemmschuh für Entwicklung“, so Katharina Trump. „Ziel muss sein, dass Afrika von seiner Artenvielfalt und intakten Natur profitiert, ohne sie dabei zu zerstören.“

Kritisch ist die Entwicklung in Südafrika selber. Im August 2017 fand dort zum ersten Mal eine legale Nashorn-Horn-Auktion statt. Der Nashorn-Züchter John Hume hatte die Versteigerung mit einer Klage vor dem Verfassungsgericht durchgesetzt. Doch anstatt die juristische Lücke zu schließen, arbeitet die südafrikanische Regierung nun an einer rechtlichen Grundlage für den nationalen Handel und denkt darüber nach, auch internationale Exporte für den persönlichen Gebrauch zu ermöglichen. Neben einer erheblichen Erschwernis für die Strafverfolgung rechnet der WWF damit, dass dies die Nachfrage und damit auch die Wilderei anfeuern wird, da die legalen Bestände niemals ausreichten, um den Bedarf zu decken.

Das Horn der Nashörner gilt vor allem in China und Vietnam als Statussymbol und wird in Pulverform gegen diverse Krankheiten und Gebrechen konsumiert, obwohl wissenschaftliche Hinweise auf Wirksamkeit fehlen. Die Wilderei und der Konsum von Nashornprodukten müssen dringend gestoppt werden.

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Der harte Job eines Rangers in den Eastern Plains

Es ist schon über eine Woche her, seit Han Sakhan zuletzt zuhause war. Und trotzdem will er nur ungern den Wald verlassen. Der Grund ist einfach: Jeder Einzelne wird benötigt, um das Schutzgebiet zu bewachen. Denn „Wildlife Crime“ – also Wilderei, Schmuggel und illegaler Handel mit wilden Tieren und Pflanzen – ist außer Kontrolle geraten. Spezialisierte Banden hinterlassen derzeit eine regelrechte Spur der Zerstörung in der sogenannten „Eastern Plains“-Landschaft, dem besterhaltenen Trockenwald-Gebiet der Mekong-Region – also der Länder Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam.

In den 1950er Jahren erlangten die Eastern Plains Berühmtheit als „Serengeti Asiens“. Tiger, Leoparden, Elefanten, sogar der legendäre Waldochse, das Kouprey, waren hier beheimatet. Doch seitdem ist in Kambodscha viel passiert – wilde Tiger wurden hier zuletzt im Jahr 2007 gesichtet, das Kouprey ist schon viel länger ausgestorben. Die Regierung Kambodschas hat nun einen ehrgeizigen Plan entwickelt: das Land der Khmer soll bis zum Jahr 2022 wieder Tigerland werden.

Kambodscha soll Tigerland werden

So sehr Han den Plan der Regierung unterstützt, so sehr erschwert er seine Arbeit. Schon jetzt versuchen beinahe täglich Wilderer Jagd auf die selten gewordenen Tiere zu machen. Es wird viel Arbeit auf die Ranger zukommen. Dabei ist schon jetzt normal, dass sie für höchstens fünf Tage im Monat bei ihrer Familie sein können.


Han Sakhan ist der stellvertretende Direktor des Phnom-Prich-Wildtier-Schutzgebiets, einem von zwei Reservaten in Kambodschas Mondulkiri-Provinz, an deren Schutz der WWF beteiligt ist. Hier, im Herzen der Eastern Plains, geraten er und seine Kollegen immer häufiger in die Schusslinie der Wilderer. Der Arbeitsplatz der Ranger erstreckt sich alleine in diesem Schutzgebiet auf eine Fläche von 225.000 Hektar – etwas weniger als das Dreifache der Fläche Berlins. Die Zahl der bewaffneten Eindringlinge steigt beinahe täglich, sodass die Wildhüter einen Kampf in hoher Unterzahl führen. Sie sind dennoch bereit, diese Wälder mit aller Kraft zu verteidigen.

Ranger halten zusammen

Wenn sie draußen im Wald sind, erzählen sich die Ranger gegenseitig von ihren Frauen und Kindern, die daheim auf sie warten. Jede Geschichte ähnelt sich, so sind die Wildhüter zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen. Für Han sind sie Teil seiner Familie geworden, den anderen Teil, seine drei Söhne und seine Frau, sieht er nur, wenn er heimkehrt.

„Mein größter Wunsch ist einfach: Ich will meine beiden Jobs bestmöglich erfüllen, den als Vater und den als Ranger. Meine Frau unterstützt mich, soweit sie kann. Ich habe schon als Ranger gearbeitet, bevor wir uns kennengelernt hatten. So wusste sie, worauf sie sich eingelassen hat. Und doch wird es von Mal zu Mal härter, Frau und Kind zurück zu lassen.“, sagt Han.

Ein gefährlicher Beruf

Absurderweise muss Han viel länger auf seine Familie verzichten, wenn er Erfolg hat. Gelingt es ihm, einen Wilderer zu fassen, folgen verschiedene Prozeduren auf der Ranger-Station, die seine Anwesenheit erfordern. Wie soll Han da seinem Sohn erklären, dass er erfolgreich war, wenn der Erfolg gleichzeitig bedeutet, dass der Vater noch länger fehlt?

Erst recht kann er seinem Sohn nicht von den Gefahren erzählen, die im Wald warten. Die Malaria beispielsweise oder tödliche Giftschlangen. Er kann nur hoffen, dass ihm nichts passiert. Wie die meisten seiner Kollegen hat er keine Krankenversicherung, die alle potenziellen Gefahren abdeckt. Sollte er krank werden, müsste seine Familie dafür aufkommen. Sollte er sterben, stünden sie ganz allein da. So sind es die Familien, die am verwundbarsten sind.

Bewaffnete Wilderer sind am gefährlichsten

„Die größte Gefahr geht nicht von der Natur aus, sondern es sind die Wilderer und Holzfäller, die in uns zahlenmäßig überlegen sind“, sagt Han. Gerade entlang der Grenze zu Vietnam lauern viele bewaffnete Wilderer. „Trotz allem kann ich meiner Familie versprechen, dass ich sie glücklich mache. Wenn es mir gelingt, die Wälder und die Tiere darin für die kommenden Generationen beschützen, dann ist das eine große Leistung für die nächste Generation und auch für Kambodscha.“

Wünsche eines Rangers

Für seinen jüngsten Sohn wünscht sich Han, dass er ihm helfen wird. Aber auf eine andere Art, eine weniger gefährliche. Er solle am besten studieren und Anwalt werden. „Es ist wichtig, dass uns hier in Kambodscha gute Anwälte dabei helfen, das Rechtssystem aufzubauen. Nur so können wir auf Dauer unsere Natur effektiv beschützen und mit rechtlichen Mitteln gegen die Wilderei vorgehen. Auf jeden Fall würde ich es mir sehr wünschen, wenn auch er auf seine Art und Weise dabei helfen würde, die Eastern Plains zu beschützen.“

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Kampf gegen die Wilderei: Nepal verbrennt Tigerfelle

Je seltener die Tiere sind, desto höhere Preise erzielen sie auf Schwarzmärkten – ganz egal, ob es sich dabei nur um Teile von ihnen handelt. Nepal gilt seit einigen Jahren als Vorreiter im Kampf gegen die Wilderei. Nun hat der Himalaja-Staat erneut ein starkes Zeichen für den Artenschutz gesetzt und über 4000 konfiszierte Wildtierteile verbrannt – darunter auch zahlreiche Tigerfelle.

Wildtiere sind keine Ware

Teile von insgesamt 48 verschiedenen, streng geschützten Tierarten wurden dabei angezündet. Diese Wildtiere waren entweder durch Wilderei oder durch einen natürlichen Tod gestorben. Der Handel mit ihnen ist in jedem Fall durch die Washingtoner Artenschutzkonvention international verboten – aus diesem Grund wollte Nepal mit diesem Schritt deutlich machen, dass sie es ernst nehmen, die Wilderei zu bekämpfen. Die Idee dahinter: Wildtiere sind keine Ware.


Aus zwei großen Lagern wurden die Tierteile zusammengetragen. Sie stammten aus dem „Armed Forest Guard Training Centre Tikauli“ und dem Hauptquartier des Chitwan-Nationalparks. Zuvor wurde jeder einzelne Knochen, jedes Schmuck oder Kleidungsstück mit einem Barcode erfasst und aufgelistet. Auch beim Aufbahren – zwei große Schiffscontainer waren für den Transport notwendig – wurden diese Teile ein weiteres Mal auf unter Aufsicht der nepalesischen Armee auf Vollständigkeit überprüft.

Am Ende landeten alles auf einem fünf Meter breiten und 15 Meter langen Scheiterhaufen. Darunter: 67 Tigerfelle, 357 Nashornhörner, 418 Leopardenfelle und zwei Säcke mit Pangolinteilen. Auch Felle der extrem seltenen Roten Pandas, Nebelparder und Schneeleoparden wurden aufgebahrt.

Die Botschaft, die Nepal mit dieser Aktion in die Welt sendete, war klar: Wildlife Crime ist ein Verbrechen!

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Pakistan: Kilometerlange Treibnetze

Es ist ein gefährliches Terrain für den größten Fisch der Erde: Bis zu 18 Meter lang und 34 Tonnen schwer können Walhaie werden. Sie ernähren sich hauptsächlich von Plankton. Walhaie sind vom Aussterben bedroht, man findet sie heute nur noch an wenigen Orten – einer davon ist das Arabische Meer vor Pakistan. Doch hier laufen die friedlichen Riesen Gefahr, in gigantischen Treibnetzen zu landen, den sogenannten Mauern des Todes.

Treibnetze sind nicht wählerisch

In Pakistan wurden Haie in der Vergangenheit so stark befischt, dass die Bestände bis heute völlig eingebrochen sind. Den Fang bedrohter Arten wie Walhaien, Hammerhaien oder Fuchshaien hat Pakistans Regierung erst im letzten Jahr verboten. Doch die Treibnetze, die hier durchs Meer gezogen werden, sind fünf bis acht Kilometer lang und alles andere als wählerisch. The great wall of death – die große Mauer des Todes – werden solche Netze genannt. Sie verschonen keine Art und was in ihnen landet, wird in der Regel auch verarbeitet, ob es sich nun um einen geschützten Hai handelt oder nicht. Sogar ein 20 Kilometer langes Treibnetz wurde vor Pakistans Küste schon gefunden.

Wilderei aus Unwissenheit

Manch pakistanischer Fischer weiß gar nicht, was ihm da ins Netz gegangen ist: Es mangelt am Bewusstsein für bedrohte Arten. Und es mangelt an einer Wahl, denn den Fischern geht es um ihre Existenz. Um ein Exempel zu statuieren, ließen pakistanische Behörden einen gefangenen Walhai bereits tot zurück ins Meer werfen. Doch die Fischer müssen geschult werden, welche weiteren Arten vom Aussterben bedroht sind und wie sie die Haie lebend aus ihren Netzen befreien können. Außerdem müssen die Händler und Mittelsmänner zur Verantwortung gezogen werden. Denn letzten Endes ist ein Hai im Netz mehr wert als ein Thunfisch – vor allem wenn es um die Haifischflossen geht, eines der teuersten Fischprodukte überhaupt.

Hammerhaie zu Fischstäbchen

Durchschnittlich 25 Tonnen Haifischflossen werden von Pakistan aus jedes Jahr auf den Weltumschlagplatz nach Hong Kong exportiert. Dabei lässt sich überhaupt nicht nachvollziehen, von welchen Haien sie stammen. Ähnlich im Dunkeln liegen die Wege, die das Fleisch der Haie nimmt. Es wird im Gegensatz zu den Flossen hauptsächlich im Inland konsumiert, allerdings meist ohne Wissen der Verbraucher: Die Händler deklarieren das Hai-Fleisch nicht als solches, sondern vertreiben es als Fischflocken, Schnitzel oder Fischstäbchen. So kann auch der bedrohte Hammerhai als einfaches Weißfischfilet auf dem Teller landen.

Die Vermarktung der Haie im Inland wie international muss dringend genauer untersucht und die Zollbeamten vor Ort müssen viel besser geschult werden, um die Händler zu stoppen, die Verbraucher zu informieren und dadurch Pakistans Haie endlich zu retten.

Zentrum des Hai-Handels

Fast die Hälfte des internationalen Haifischflossen-Handels läuft über Hong Kong. Hier blüht nicht nur der Handel, hier wird auch besonders viel Hai konsumiert.

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