Rettung statt Abschuss: Wenn Tiger Menschen zu nahe kommen

Ein ausgewachsener Tiger streicht am helllichten Tag durch die Straßen Vororte Wladiwostoks. Sofort klingelt bei Pavel Fomenko vom WWF Russland das Telefon. Die Situation ist nicht nur für die Menschen gefährlich, sondern auch für den Tiger. Normalerweise leben Amur-Tiger fernab der Zivilisation. Sind sie aber geschwächt – zum Beispiel weil sie krank sind oder von Wilderern verletzt wurden – treibt der Hunger sie auch in die Nähe von Siedlungen, wo sie leichter Beute machen können. „Wir müssen verhindern, dass der Mensch überreagiert und den Tiger erschießt.“ Pavel Fomenko hat ein Team aus Experten ins Leben gerufen – das Anti-Konflikt-Team. „Wir sind zur Stelle, wenn es darauf ankommt“, sagt er. Denn in der Region Amur-Heilong im Grenzgebiet zwischen Russland und China gibt es immer wieder Zusammenstöße von Tigern und Menschen.

Spurensuche mit Drohnen
Die Suche nach dem Tiger in Wladiwostok gestaltet sich schwierig. Es liegt kein Schnee, das Tier hinterlässt keine Spuren. Mit moderner Technik wie Drohnen, Nachtsichtgeräten und Wärmebildkameras versucht das Anti-Konflikt-Team in solchen Fällen, die Tiere aufzuspüren. Dank der Drohne finden die Experten Vladik – wie sie den Tiger später nennen, können ihn einfangen und bringen ihn in die 70 Kilometer entfernte Auffangstation Alekseevka. Einen ganzen Winter muss Vladik dort bleiben, beobachtet von Tierärzten und Pflegern, um aufgepäppelt und schließlich im abgelegenen Bikin-Nationalpark wieder ausgewildert zu werden.

Einfangen oder vertreiben?
Ein Anti-Konflikt-Team besteht aus drei staatlich ausgebildeten Rangern und einem Tierarzt. Im fernen Osten Russlands gibt es zwei dieser Teams, jedes Jahr kommen sie bei 15 bis 20 Fällen zum Einsatz. Macht der Tiger einen gesunden Eindruck, versucht das Team ihn zurück in sicheres Gebiet zu treiben. Ist ein Tier aber krank oder widersetzt sich der Vertreibung, muss er eingefangen werden. Die Experten bringen es mit einem eigens dafür vorgesehenen Tigerkrankenwagen in eine von zwei Auffangstationen, wie es bei Vladik geschehen ist.

Einsatz für den Tiger
„Ich habe mein Leben lang mit Tigern gearbeitet. Trotz ihrer Kraft und Größe habe ich diese wunderbaren Tiere als sehr verletzlich erlebt, deshalb widme ich mich ihrem Überleben.“ Pavel Fomenko will unbedingt ein weiteres Anti-Konflikt-Team in der Region aufbauen. Vor rund 80 Jahren gab es gerade noch 30 Amur-Tiger in freier Wildbahn. Dass heute wieder 540 Tiger im Südwesten Russlands leben, ist dem unermüdlichen Einsatz von Menschen wie Pavel zu verdanken. Weltweit kämpfen Ranger, Tierärzte, Biologen und andere Experten für den Erhalt der majestätischen Art. Sie retten die Tiger nicht nur im Konfliktfall vor dem Abschuss, sondern beschützen sie unter Einsatz ihres Lebens vor Wilderern, versorgen verletzte und kranke Tiere und leisten wichtige Aufklärungsarbeit, um den Tiger als wunderbaren und wichtigen Teil der Natur im Bewusstsein der Menschen zu verankern.

Hilf mit die Tiger zu schützen und spende jetzt!

Traurige Nachricht aus Kenia

Acht Nashörner sind nach einer Umsiedlungsaktion in Kenia gestorben, wie das Kenianische Ministerium für Tourismus und Wildtiere bestätigt hat.

Wir sind tief bestürzt, dass die Nashörner im Tsavo East National Park gestorben sind, nachdem sie im Rahmen eines Umsiedlungsprogramms des Kenya Wildlife Service aus den Nationalparks in Nairobi und Nakuru entnommen wurden“, sagt Johannes Kirchgatter, Nashorn-Experte des WWF Deutschland. Der WWF hatte diese Aktion finanziell unterstützt.

„Wildtiere dieser Größe umzusiedeln ist eine komplexe Herausforderung und nicht ohne Risiko. Aber Spitzmaulnashörner sind einer enormen Bedrohung ausgesetzt, deshalb sind Schutzbemühungen von entscheidender Bedeutung“, erklärt Kirchgatter. Man gehe das Risiko nur ein, weil solche Umsiedlungen die einzige Möglichkeit seien, die Art dauerhaft zu erhalten. „Trotz aller Schutzmaßnahmen werden im Schnitt noch drei afrikanische Nashörner am Tag wegen ihres Horns gewildert, da ist jeder Verlust besonders schmerzlich“, sagt Kirchgatter weiter.

Der WWF bietet der kenianischen Regierung seine Unterstützung an, um sofort eine unabhängige Untersuchung der genauen Verhältnisse rund um die Umsiedlung einzuleiten, damit sich ein solcher Verlust künftig nicht wiederholen kann.

Erfahre mehr über die Bedrohung und den Schutz der Nashörner.

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„Es ist kein leichter Job, Nashörner zu schützen“

Interview mit Sergeant Ambroise Letumunai, Ranger im kenianischen Nationalpark Tsavo East. Ihm und seinen Kollegen ist es gelungen, die Nashörner hier so gut zu sichern, dass sie nicht umgesiedelt werden müssen und sogar Nachwuchs gezeugt haben.

Zunächst einmal vielen Dank für euren Einsatz und den erfolgreichen Schutz der Nashörner. Wie ist die Situation vor Ort im Moment?

Den Nashörnern geht es gut, aber wir sind in großer Sorge wegen der Wilderei. In anderen Parks im Land wurden immer wieder Nashörner gewildert, zuletzt gleich drei Tiere auf einen Schlag. Für uns ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Wilderer auch in Tsavo East wieder zuschlagen wollen.

Umso wichtiger ist der Schutz durch Wildhüter. Wie sieht der Alltag eines Nashorn-Rangers aus?

Wir sind rund um die Uhr im Einsatz, sieben Tage am Stück. Dann haben wir ein paar Tage frei, bevor es wieder in die Savanne geht. Es ist ein riesiges Gebiet, wir müssen die Nashörner oft mit Flugzeugen suchen. Sobald wir wissen, wo sie sind, gehen wir dort zu Fuß und mit Jeeps auf Patrouille. Wir übernachten in Zelten im Feld, die Strecken sind viel zu weit und schwer zugänglich, um täglich ins Hauptquartier zurückzukehren .

Welchen Schwierigkeiten begegnet ihr im Feld?

Wir stehen jeden Tag vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen. Es ist wirklich keine leichte Aufgabe, Nashörner zu schützen. Unser Alltag besteht aus langen, anstrengenden Fußmärschen durch schwieriges Gelände mit viel Ausrüstung. Ständig besteht das Risiko, auf bewaffnete Wilderer zu treffen. Und auch die Nashörner können uns gefährlich werden, wenn wir ihnen aus Versehen im dichten Gebüsch zu nahe kommen.

Gibt es besonders anstrengende oder kritische Momente?

Ja, definitiv die Regenzeit! Die Regengüsse sind extrem, Zelten wird nahezu unmöglich, unsere Fahrzeuge bleiben stecken. Die Vegetation wird immer dichter und erschwert uns das Fortkommen zusätzlich. Die Nashörner sind noch schwieriger aufzuspüren als sonst und oft ist die Landebahn zu matschig für Einsätze mit dem Flugzeug. Trotzdem müssen die Nashörner auch in dieser Zeit geschützt werden, sonst würden die Wilderer das ausnutzen – auch wenn für sie der Zugang natürlich ebenfalls schwerer wird.

Welches sind die besonders schönen Momente als Nashorn-Ranger?

Wenn der Bestand der Nashörner wächst, anstatt abzunehmen! Die Nashörner sind Gottes Schöpfung. Es sind so schöne, großartige und liebenswerte Tiere, ich kann mir niemanden vorstellen, der nicht von ihnen fasziniert ist.

Gibt es etwas, das ihr dringend braucht, um die Nashörner zu schützen?

Oh ja, wir benötigen mehr Ausrüstung, die im Dauereinsatz schnell verschleißt. Außerdem zwei Spezialfahrzeuge für unsere Arbeit im Feld.
Unsere Aufgaben wachsen in Tsavo East: Wir erwarten in Kürze 23 Spitzmaulnashörner, die hierher umgesiedelt werden. Dann brauchen wir auch unbedingt mehr Ranger!

Was wünschst Du Dir für die Nashörner in Zukunft?

Ich wünsche mir, dass sie sich vermehren, dass ihre Anzahl wieder steigt und dass es keine Wilderei mehr gibt und keinen Handel mit ihren Hörnern!

Unterstütze jetzt Sergeant Ambroise Letumunai und seine Ranger-Kollegen!

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Wie siedelt man Nashörner um? Eine tonnenschwere Aufgabe

Mehrere hundert Kilometer Transport, bei dem es keine Verzögerung geben darf. Auf dem LKW eine schwere, aber hochsensible Fracht: Wenn Nashörner umziehen, ist das eine logistische Meisterleistung. In Kenia sollen insgesamt 23 Spitzmaulnashörner aus verschiedenen Teilen des Landes in das streng gesicherte Gelände im Tsavo-East-Nationalpark umgesiedelt werden – immer drei bis vier Nashörner auf einmal, wobei eines schon um die 1000 Kilogramm wiegt.

Nur nicht stehen bleiben

Die Strecken werden vor der Umsiedelung abgefahren und genau geprüft. Sie führen quer durchs Land und teilweise sogar durch Großstädte. Kein Stau, keine Panne, keine kaputte Straße oder Baustelle darf die Fahrt behindern. Denn die Nashörner müssen innerhalb eines Tages wieder freigelassen werden, um die Belastung so gering wie möglich zu halten. Dabei muss auch das Wetter hundertprozentig mitspielen.

Wetterextreme erschweren den Artenschutz

Das von Elektrozaun und Wachtürmen umgebene Hochsicherheitsgelände im Nationalpark Tsavo East im Süden Kenias steht schon seit fast einem Jahr für die ersten Nashörner bereit. Doch in Folge langer, schwerer Dürre waren die Tiere zunächst zu schwach für eine Umsiedelung. Außerdem bestand die Gefahr, dass sie auf neuem, ihnen unbekanntem Terrain endgültig zu wenig zu fressen finden. Auch weil die Nashörner das ca. 100 Quadratkilometer große Gehege nicht verlassen können, um auf weitere Futterstellen auszuweichen.

Der Dürre folgte eine lang anhaltende Regenkatastrophe mit Überschwemmungen, Dammbrüchen und Straßensperrungen. „Mit den Auswirkungen des Klimawandels wird es zukünftig für den Naturschutz noch wesentlich mehr Probleme geben“, sorgt sich WWF-Afrikaexperte Johannes Kirchgatter. „Das Wetter ist völlig unvorhersehbar geworden, eine große Gefahr auch für die Wildtiere, die immer weniger Platz haben, um bei Überschwemmungen oder Dürren in nicht betroffene Gebiete auszuweichen.“

Wie findet man das richtige Nashorn?

Noch immer sind die Böden durchweicht und machen es unmöglich, mit schweren Trucks in der Savanne Nashörner zu transportieren. Doch alle stehen in den Startlöchern, um loszulegen, sobald es trocken genug ist. Ein Team aus verschiedenen Experten hat den Umzug der Dickhäuter monatelang akribisch vorbereitet und einzelne Tiere sorgfältig ausgewählt. Sie sollen in Tsavo East nicht nur sicher vor Wilderern sein, sondern auch eine neue, stabile Nashorn-Population bilden. Dafür braucht man ungefähr doppelt so viele Weibchen wie Männchen im besten Fortpflanzungsalter und mit möglichst geringer Verwandtschaft, um eine hohe genetische Variabilität sicherzustellen. Schon Tage vor dem eigentlichen Transport müssen die ausgesuchten Tiere von Rangern genau beobachtet werden, um sie am Morgen der Umsiedelung schnell zu finden.

23 Nashörner auf dem Weg in ein neues Zuhause

Für den Nashorn-Umzug werden mehrere Fahrzeuge und ein Lastwagen mit Auslegerkran benötigt. Die Tiere stehen die ganze Zeit unter gut verträglichen Beruhigungsmitteln, damit sie von der Fahrt kaum etwas mitbekommen, Tierärzte überwachen ständig ihren Gesundheitszustand. Im neuen Zuhause dürfen die Nashörner zunächst keinen Sichtkontakt haben und sich auch nicht an Menschen gewöhnen. Sie kommen einzeln in kleine, Zoo-artige Gehege – Boma genannt, das Suaheli-Wort für „Haus“. Hier erhalten sie das Futter der Umgebung und können sich langsam akklimatisieren, bevor sie sich nach und nach sehen, vorsichtig kennenlernen und bei gutem Gesundheitszustand schließlich freigelassen werden.

Die neuen Nachbarn

Lange vor einer Umsiedelung wie dieser werden am Zielort Ranger ausgebildet und ausgerüstet, um die Tiere dann wirklich schützen zu können. So geschehen auch in Tsavo East. Doch hier gibt es außerhalb des gesicherten Geländes eine weitere Nashorn-Teilpopulation. Diese kann inzwischen so gut geschützt werden – und vermehrt sich sogar – dass sie nicht wie ursprünglich geplant ins Hochsicherheitsgehege umziehen muss. Doch nun werden mehr Ranger gebraucht, damit beide Populationen überleben und sich irgendwann vereinen können. Dann – so wünschen es sich die Experten – wird es hier im Süden Kenias wieder genügend Spitzmaulnashörner geben, um das Aussterben der Art zu verhindern.

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Ein Nashorn-Baby und neue Herausforderungen im Kampf gegen Wilderer

Es heißt 14A-21, wog bei seiner Geburt wahrscheinlich um die 30 Kilogramm und ist zum Glück gesund und munter: Im kenianischen Nationalpark Tsavo East wurde ein Nashorn-Baby geboren. Das ist ein kleines Wunder, hier leben nur noch 14 Spitzmaulnashörner auf mehreren tausend Quadratkilometern. Eigentlich sollten sie längst in eine Art Hochsicherheitstrakt umgesiedelt werden. Denn die Wilderei grassiert – in Kenia wie in anderen Ländern – und ein Nashorn-Horn erzielt astronomische Summen auf dem Schwarzmarkt.

Höchste Sicherheitsstufe für Nashörner

Ein 100 Quadratkilometer großes, streng bewachtes und mit Elektrozaun gesichertes Gebiet im Süden von Tsavo East sollte den letzten Spitzmaulnashörnern der Region mehr Schutz bieten als der riesige Nationalpark. Hier sollten sie sich auch besser finden und paaren können, bis ausreichend Mittel und Ranger zur Verfügung stehen, um ihre Sicherheit im gesamten Park zu gewährleisten. Doch zwei aufeinanderfolgende Wetterkatastrophen – erst lebensbedrohliche Dürre, dann Starkregen mit monatelangen Überflutungen – machten eine Umsiedelung bisher unmöglich.

Unerwartetes Babyglück: Wie aus einer Katastrophe ein Erfolg wurde

In den letzten Jahren haben professionelle Wilderer über 130 Nashörner in Kenia getötet. Statt im neuen Hochsicherheitsgelände mussten die Ranger vom Kenya Wildlife Service die Nashörner während des vergangenen Jahres weiter in der freien Savanne sichern. Hier wurde einer von ihnen sogar selbst von Wilderern getötet. Keine leichte Aufgabe also, doch die Erfahrung zeigt nun: Es ist möglich!

Die Nashörner haben überlebt. Dass sie sogar Nachwuchs gezeugt haben, macht den Erfolg noch größer. „Die Überwachung des Parks funktioniert so gut, dass es keinen zwingenden Grund mehr gibt, die Tiere einzusperren.“ WWF-Afrikaexperte Johannes Kirchgatter ist erleichtert, steht aber gleichzeitig vor ganz neuen Herausforderungen.

Der Erfolg birgt neue Herausforderungen

Das Hochsicherheitsgehege wird nicht lange leer stehen. 23 Nashörner aus verschiedenen anderen Regionen Kenias sollen hier einziehen, sobald das Wetter es zulässt. Denn langfristig soll in Tsavo East wieder eine stabile Nashorn-Population entstehen. 14 Tiere reichen dafür nicht aus. Doch mit der Anzahl der Nashörner steigt auch das Wilderei-Risiko und nun müssen zwei Teilpopulationen geschützt werden – im gesicherten Gelände und im Rest des Nationalparks. „Das bedeutet, wir brauchen zwei Nashorn-Spezialeinheiten und zwei Fahrzeuge“, sagt Johannes Kirchgatter. „Wir sind sozusagen Opfer des eigenen Erfolgs.“ Trotzdem bestätigt der Erfolg den Biologen und Rangern, dass es richtig ist, was sie tun – und wichtig, um in Tsavo East als Schlüsselregion das Spitzmaulnashorn vor dem Aussterben zu retten.

Hilf mit und unterstütze die Ranger in Tsavo East!

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Erfolgreich gegen Wilderei in Myanmar: Immer weniger Elefanten sterben

Diese großartige Erfolgsmeldung erreicht uns jetzt aus Myanmar: Nach dem Aufruf zu einer Notfallspende konnte in nur acht Monaten die Zahl der durch Wilderer getöteten Elefanten deutlich gesenkt werden! Der WWF nahm außerdem erheblichen Einfluss auf ein neues Gesetz zum Artenschutz in Myanmar.

Im Mai 2017 erreichte uns ein dramatischer Hilferuf aus Myanmar: Zunehmend tauchten Produkte aus Elefantenhaut auf den Märkten, insbesondere an der Grenze zu China, auf und zugleich wurden in den Wäldern immer mehr tote Elefanten gefunden. Der Handel mit gewilderten Produkten war in wenigen Monaten sprunghaft angestiegen. Nicht das Elfenbein der Stoßzähne, sondern die Elefantenhaut wird in Myanmar von Wilderern als vermeintliches Heilmittel bei Haut- und Magenkrankheiten zu Cremes und Pulver verkauft.

Jede Woche ein toter Elefant

Alles, was die wenigen Ranger in den Rakhine- und Bago-Bergwäldern Myanmars damals machen konnten, war, immer mehr tote Elefanten zu zählen, deren gehäutete und zerstückelte Kadaver die Wilderer im Wald zurückließen. Allein zwischen Januar und Juli 2017 wurden 27 Elefanten getötet, fast jede Woche ein toter Elefant. In nur wenigen Jahren könnten die letzten rund 2000 wilden Elefanten Myanmars so ganz ausgerottet sein.

Doch ein kurzfristiger Spendenaufruf von WWF Deutschland setzte eine Hilfswelle in Gang, durch die in kürzester Zeit ein Anti-Wilderei-Programm gestartet werden konnte. Mit beachtlichem Erfolg: Die Zahl der getöteten Elefanten ist in den letzten acht Monaten stark zurückgegangen. Zwischen August 2017 und März 2018 wurden nur noch elf Elefanten getötet und sieben Wilderer konnten festgenommen werden!

Patrouillen gegen Wilderer

Vor Beginn dieses Programms existierten keinerlei Anti-Wilderei-Patrouillen oder sonstige abschreckende Maßnahmen gegen Elefanten-Wilderei in Myanmar. Unter der Leitung von WWF-Myanmar-Landesdirektor A. Christy Williams wurde im August 2017 damit begonnen, einigen Elefanten GPS-Halsbänder anzulegen und acht Patrouillenteams auszubilden. Die Patrouillen arbeiten hoch professionell nach einem standardisierten System. Durch die empfangenen GPS-Daten wissen die Teams genau, wo die Elefanten und damit auch potenzielle Wilderer sich aufhalten. An bis zu sechzehn Tagen im Monat durchstreifen die Teams diese Gebiete. Dabei hat allein die Präsenz dieser Patrouillen eine abschreckende Wirkung auf Wilderer und rettet so vielen Elefanten das Leben. Mithilfe der Spenden aus Deutschland konnten aber nicht nur GPS-Einheiten angeschafft werden, sondern auch mehrere Ferngläser, drei Motorräder, 25 robuste Outdoor-Smartphones, sechs Solareinheiten und sogar ein Jeep.

Die Öffentlichkeit in Myanmar mobilisieren

Mit der Kampagne „Voices for Momos“ und einer Online-Petition wurde parallel die Öffentlichkeit in Myanmar mobilisiert, um Druck auf die Regierung auszuüben. Auch diese politischen Bemühungen zeigen Erfolg: In Myanmar wird zur Zeit ein neues Gesetz zum Schutz von Wildnis und Artenvielfalt ausgearbeitet. Der WWF hat als einzige Naturschutzorganisation daran mitgearbeitet und dafür gesorgt, dass in dem Gesetz bestehende Schlupflöcher geschlossen werden, die die effektive Verfolgung von Wilderei untergraben könnten. Zum Beispiel gelten nun endlich auch für Medikamente, in denen sich „gewilderte“ Stoffe befinden, keine Ausnahmen mehr. Außerdem wurden die Gefängnisstrafen für Wilderei von sieben auf zehn Jahre erhöht.

„Das war eine der befriedigendsten Naturschutzmaßnahmen, an denen ich bisher beteiligt war.“ konstatiert Amirtharaj Christy Williams. Die Hoffnungen sind nun groß und das Ziel ist klar: In Myanmar soll kein einziger Elefant mehr für dubiose Hautcremes oder Pülverchen sterben müssen.

Unterstütze uns weiterhin dabei und spende für die Rettung der Elefanten!

Der WWF kämpft jeden Tag um das Überleben der Elefanten.

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Sechs Ranger in Virunga getötet

Es war ein schlimmer Tag in der langen Geschichte des Virunga-Nationalpark: Fünf Ranger und ein Fahrer wurden am Montag, 9. April 2018 getötet. Ein siebtes Team-Mitglied wurde schwer verwundet und wird versorgt. Wie die Verwaltung des Nationalparks mitteilte, wurden die Ranger aus dem Hinterhalt angegriffen, während sie durch das Schutzgebiet patrouillierten. Hintergründe über die Täter sind bislang nicht bekannt. Es wird vermutet, dass es sich um Rebellen handelt, die im Park wilderten.

175 tote Ranger

Der Vorfall lässt die tragische Gesamtzahl gefallener Wildhüter in Virunga auf 175 ansteigen. „Wir sind unglaublich traurig über den Verlust unserer Kollegen“, sagt Chief Warden Emmanuel de Merode, der Direktor des Virunga Nationalparks in der Demokratischen Republik Kongo. „Virunga hat damit außerordentlich tapfere Ranger verloren. Es unerträglich, dass die Ranger in Virunga weiter bei der Verteidigung unserer gemeinsamen Erbes den höchsten Preis überhaupt bezahlen müssen.“

Der Virunga Park wurde 1925 gegründet. Es ist der älteste Nationalpark Afrikas etwa dreimal so groß wie Luxemburg. Gorillas, Elefanten, Flusspferde und unzählige andere Arten: Der Park ist berühmt für die größte Population der gefährdeten Berggorillas. Mit seinen hunderten von bedrohten Arten gelten die Virungas als einer der wichtigsten Orte für den Artenschutz überhaupt.

Verschiedene bewaffnete Gruppen

Virunga ist durch verschiedene bewaffnete Rebellen- und Banditengruppen bedroht, die alle auch an der Wilderei beteiligt sind. In den letzten Monaten droht die Demokratische Republik Kongo wieder zurückzufallen in die Zustände des schrecklichen Bürgerkriegs, der zwischen 1997 und 2003 fünf Millionen Menschen das Leben kostete.

Der gesamte WWF trauert mit den Familien und den hinterbliebenen Frauen und Kindern. Wir sind umso entschlossener, für eine bessere Zukunft des Kongos zu kämpfen.

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Myanmar: Das Häuten der Elefanten verhindern

Februar 2018

Anders als sonst haben es die Wilderer in den Rakhine- und Bago-Bergwäldern Myanmars nicht auf die Stoßzähne der Elefanten abgesehen. Vielmehr wird die Haut der Tiere zu Creme verarbeitet. Angeblich soll sie gegen Hautkrankheiten helfen.

Seit 2013 wurden bereits 110 Elefanten in Myanmar wegen ihrer Haut getötet. Die Wilderer gehen dabei äußerst brutal vor. Meistens werden die Tiere mit Giftpfeilen beschossen, durch die sie langsam und qualvoll sterben. Begünstigt wird die illegale Jagd durch schwache Kontrollen des Staates und geringe Bestrafung der Täter.

Um das grausame Häuten zu verhindern, rief der WWF seine Förderer im Mai 2017 zu einer Notfallspende auf. Über 80.000 Euro kamen zusammen, mit der nun neue Anti-Wilderei-Patrouillen in den Krisengebieten eingesetzt werden. Allen Unterstützern ein herzliches Dankeschön!

Schnelle Reaktion des WWF

Mittlerweile hat der WWF ein Patrouillen-Team mit 45 Rangern aufgestellt und ausgebildet. Sie kontrollieren seit Juli 2017 den südlichen Teil der Rakhine- und Bago-Bergwälder, um die dortige Elefanten-Wilderei zu bremsen. Auch hat die Umweltstiftung mit den Bewohnern der dortigen Dörfer gesprochen. Dank deren Hinweisen konnten zwölf Wilderer festgenommen werden, die Giftpfeile und Elefantenhaut bei sich trugen.

Es ist gut, dass der WWF mit der Hilfe seiner Förderer sehr schnell reagieren konnte, um dieser für Myanmar neuen Praxis der Elefantenwilderei gleich den Boden zu entziehen, indem wir Wilderer abschrecken und die Bevölkerung sensibilisieren,“ sagt WWF-Asiendirektorin Stefanie Lang.

Zudem koordiniert der WWF die Arbeit zwischen den verschiedenen Behörden in Myanmar (Polizei, Verteidigungsministerium, Zoll, Handelskammer, Gerichtsbarkeit), damit Wildereiverbrechen künftig ähnlich streng geahndet werden wie der Schmuggel von Drogen oder Waffen.

Stimmen für die Elefanten

Wichtig ist auch die öffentliche Meinung, damit die illegalen Wildtiermärkte geschlossen werden und so auch die Nachfrage nach Elefantenhaut drastisch verringert wird. Deshalb hat der WWF Myanmar mit mehreren anderen Organisationen gemeinsam im Oktober 2017 die Öffentlichkeitskampagne „Voices for Momos“ gestartet. „Momo“ ist in Myanmar ein liebevoller Kosename für einen Elefanten.

Mit der Kampagne wird jeder Einzelne im Land aufgerufen, seine Stimme zum Schutz der Tiere zu erheben und auf jegliche Elefantenprodukte zu verzichten. Mit einer Online-Petition in Myanmar soll außerdem die Regierung aufgefordert werden, den illegalen Handel mit Elfenbein und Elefantenhäuten zu beenden. Noch immer stirbt jede Woche ein Elefant in Myanmar durch Wilderei. Das wollen wir ändern.

Unterstütze unsere Arbeit in Myanmar und schütze die Elefanten!

Der WWF kämpft jeden Tag um das Überleben der Elefanten. Mit GPS-Sendern gehen wir gegen die Wilderer vor.

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Schuppentier: Schmuggel floriert trotz weltweitem Handelsverbot

Schuppentiere sind die meistgeschmuggelten Säugetiere der Welt. Allein zwischen 2010 und 2015 beschlagnahmten Strafverfolger weltweit 120 Tonnen ganzer Pangoline, deren Körperteile und Schuppen. Zuletzt konfiszierten Fahnder in Taiwan 4.000 gehäutete und ausgenommene Tiere. Darauf macht der WWF zum Weltschuppentiertag aufmerksam. „Wir gehen davon aus, dass maximal ein Viertel des Schmuggels überhaupt aufgedeckt wird. Es braucht in vielen Ländern Asiens und Afrikas strengere Gesetze, schärfere Kontrollen und härtere Strafen. Die Schmugglersyndikate haben es zu leicht“, sagt WWF-Artenschutzexperte Arnulf Köhncke.

Geringe Strafen

Zwar ist der kommerzielle Handel mit allen acht Schuppentierarten seit Anfang 2017 weltweit verboten. Zahlreiche südostasiatische Staaten haben ihre Gesetze jedoch noch nicht entsprechend angepasst. So ist in Indonesien, Vietnam oder Laos nur der Handel mit asiatischen Schuppentieren unter Strafe gestellt, nicht aber den vier afrikanischen Arten. Wo das Gesetz Strafen vorsieht, fallen sie häufig zu niedrig aus: „Wer in Indonesien beim Schmuggeln heimischer Pangoline erwischt wird, den erwartet allenfalls eine geringe Geldbuße. Manchmal kommt es aber noch nicht einmal zu Strafverfahren. Das ist auch in vielen anderen Ländern so. Angesichts der möglichen Gewinnspannen schreckt das kaum ab“, kritisiert Köhncke vom WWF.

Vermeintliche Delikatesse und medizinischer Irrglaube

Zudem ist die Nachfrage in Vietnam, China oder Taiwan ungebrochen hoch. Dort sind Schuppentiere eine Delikatesse. Die Tiere werden zum Teil lebend geschmuggelt und angeboten, damit sie möglichst frisch auf dem Teller landen. Ein Kilogramm Fleisch kostet auf dem Schwarzmarkt bis zu 300 US-Dollar. Die Schuppen des Pangolins sind wiederum in der Traditionellen Chinesischen Medizin beliebt und erzielen sogar Kilopreise von bis zu 3000 US-Dollar. Die meisten asiatischen Schuppentierarten sind bereits derart stark dezimiert, dass zunehmend Tiere aus Afrika nach Asien geschmuggelt werden.

Die Spur führt auch nach Europa und die USA

Neuere Analysen von Traffic und IUCN zeigen, dass neben Asien auch die USA häufiges Ziel der gut organisierten Schmugglernetzwerke sind. Dort finden vor allem Körperteile, aber auch Lederprodukte Abnehmer. Europa wiederum ist ein wichtiger Umschlagplatz für die gewilderten Tiere. „Das weltweite Pangolin-Problem bekommen wir nur in den Griff, wenn wir den Druck auf Wilderer und Schmuggler erhöhen und gleichzeitig die Absatzmärkte austrocknen. Sinkt die Nachfrage nach Schuppentieren, lässt sich mit ihnen nicht mehr so viel Gewinn machen“, unterstreicht Arnulf Köhncke.

Insgesamt gibt es acht verschiedene Pangolin-Arten, je vier in Asien und Afrika. Alle acht sind bedroht. Seit Anfang 2017 sind sie auf Anhang I des Washingtoner Artenschutz-Abkommens (CITES) geführt und erhalten damit den höchsten Schutzstatus – ein komplettes Verbot des kommerziellen internationalen Handels. Die scheuen und nachtaktiven Insektenfresser leben in Asien und Afrika in Wäldern, Buschland und Savannen. Sie ernähren sich von Ameisen und Termiten. Die meisten Arten sind etwa so groß wie Hauskatzen, einige afrikanische Arten können aber ein Gewicht von 20 bis 30 Kilogramm erreichen.

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Esmond Bradley Martin ist tot

Er war einer der profiliertesten Ermittler gegen die Wildtierkriminalität: Esmond Bradley Martin kämpfte jahrzehntelang gegen den illegalen Handel mit Elfenbein und Rhinozeros-Hörnern. Jetzt ist er tot in der kenianischen Hauptstadt Nairobi aufgefunden worden.

Die Umstände seines Todes sind noch unklar und wir wollen nicht darüber spekulieren, ob sie mit seiner Arbeit zusammenhängen. Wir sind aber tieftraurig über den vorzeitigen Tod von Esmond Bradley Martin, einem respektierten Kollegen, Freund und Mentor des Umweltschutzes weltweit. Dies ist ein riesiger Verlust für die globale Gemeinschaft der Naturschützer.

Esmond arbeitete über Jahrzehnte unermüdlich gegen den illegalen Wildtierhandel. Er hat immer wieder schlimmste Fälle von Wilderei samt mächtigen Hinterleuten aufgedeckt. Fraglos hat er sich viele einflussreiche Feinde gemacht, die massiv an der Wilderei verdienten. Es ist bekannt, dass er gerade an einem neuen Bericht über Wilderei arbeitete.

Letztes Jahr wurde mit Wayne Lotter ein ebenfalls bekannter und erfolgreicher Kämpfer gegen die Wilderei in Tansania auf offener Straße mitten in der Hauptstadt ermordet. Auch er arbeitete gerade an investigativen Untersuchungen.

Wir werden in seinem Gedenken unser Bestes geben, um unseren Planeten, seine Arten und die Biodiversität vom verheerenden Einfluss der Wildtierkriminalität zu beschützen.

Esmonds Leidenschaft und Entschlossenheit werden für uns beim WWF immer Inspiration und Ansporn sein. Unser Gedanken sind in diesen schwierigen Zeiten bei seiner Familie.

Unterstütze die Arbeit der Ranger und rette mit uns zusammen die Elefanten vor den Wilderern.

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