Nashorn-Schmuggel: Kein Ende in Sicht

Keine Entwarnung für Nashörner: Drei aktuell entdeckte Schmuggelfälle zeigen, in welch großen Mengen Rhinohorn nach wie vor aus Afrika nach Asien verfrachtet wird. Dabei sind die Funde nur die Spitze des Eisbergs.

Am 13. Dezember 2018 konfiszierten die türkischen Behörden auf dem Flughafen Istanbul-Atatürk Rhinohorn im Wert von 1,9 Millionen Euro. Eingeführt wurde die verbotene Ware in einer Maschine der Turkish Airlines aus Mosambik. Die Rhinohörner befanden sich im Gepäck eines vietnamesischen Passagiers, der über Istanbul nach Vietnam weiterfliegen wollte. Insgesamt 34 Kilogramm Nashorn-Horn wurden sichergestellt. Die Schmuggler nutzen den Flughafen von Istanbul als Umschlagplatz für ihre heiße Ware auf ihrem illegalen Weg nach Asien. Gerade in Vietnam ist Rhinohorn als traditionelles asiatisches Heilmittel begehrt.

Rhinohorn in Plastikbeuteln

Ende Dezember 2018 wurden in Simbabwe sieben chinesische Staatsbürger im Alter zwischen 23 und 35 Jahren festgenommen, nachdem in ihrem gemieteten Haus in der Stadt Victoria Falls mehr als 20 Kilogramm Nashorn-Horn im Wert von fast 900.000 Euro gefunden wurden. Die Nashornteile waren in Plastikbeuteln und Boxen versteckt.

Spürhund entdeckt Schmuggelware

Am 10. Januar 2019 schließlich hat die südafrikanische Zollbehörde auf dem Flughafen von Johannesburg Nashorn-Horn im Wert von fast 1,5 Millionen Euro beschlagnahmt. Ein Spürhund des Zoll-Teams stöberte die Schmuggelware in einer Frachthalle des Flughafens auf. Die abgesägten Hörner befanden sich, als Dekorationsobjekte deklariert, in vier Boxen unter Holzplatten, Fußmatten und anderem Kram verborgen. Die insgesamt 36 sichergestellten Rhinohörner waren für Dubai bestimmt.

Airport in Alarmbereitschaft

In Südafrika leben rund 80 Prozent aller afrikanischen Nashörner, weswegen im Land auch die meisten Widlereivorfälle auf die Tiere zu verzeichnen sind und ihre Hörner zum Großteil die illegalen Märkte in Asien versorgen. Das Land trägt daher eine besondere Verantwortung für den Schutz der Nashörner und Sicherheits- und Zollbeamte müssen verstärkt Kontrollen durchführen. Im Jahr 2017 (Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor) wurden in Südafrika 1.028 Nashörner gewildert – und damit nur minimal weniger als im Jahr zuvor (1.054).

Verbrechen bekämpfen

Die Situation für Nashörner bleibt daher brenzlig. Deshalb müssen wir noch stärker die Wilderei vor Ort bekämpfen und zugleich die Nachfrage nach Nashorn-Horn in den Abnehmerländern wie Vietnam verringern. Vor allem gilt es, die internationalen Verbrecherbanden, die mit illegalem Artenhandel ein Vermögen verdienen, zu zerschlagen: durch strafrechtlichen Sanktionen, Nulltoleranz gegenüber Korruption und die Unterbrechung der Schmuggel-Routen.

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Rückzugsgebiete für Rentiere

Der Klimawandel verändert die Erde. Erschreckend schnell geschieht dies in der Arktis – mit gravierenden Auswirkungen für deren Bewohner. Das bestätigt der neue WWF-Report „Keine Rentiere – keine Weihnacht“ über Rentiere und den Klimawandel in der Russischen Arktis.

Auf der sibirischen Taimyr-Halbinsel lebt die größte Rentierherde der Welt. Ausgerechnet dort steigen die Temperaturen im Zuge des Klimawandels besonders stark an. Der WWF will gegensteuern und der Art bei der Anpassung helfen. Die Temperatur ist bereits um über 3,5 Grad Celsius gegenüber dem Mittelwert von 1961 bis 1990 angestiegen. Fast jedes Jahr schmilzt der Schnee etwas früher, das beobachten indigene Volksgruppen dort schon seit längerem.

Rentier auf der Roten Liste

Der Klimawandel hat gravierende Folgen für die Rentiere. In den letzten 10 bis 25 Jahren ist die Zahl wilder Rentiere global gesehen von etwa 4,8 auf 2,89 Millionen Tiere im Jahr 2016 eingebrochen – ein Rückgang um 40 Prozent. Die riesige Rentierherde von Taimyr hat es schwer getroffen: Von rund einer Million Tiere im Jahr 2000 sind heute geschätzt noch 380.000 übrig. Das Rentier wurde von der Weltnaturschutzunion IUCN erstmals als „gefährdete Art“ auf die Rote Liste gesetzt.

In den letzten Jahren beobachteten russische WWF-Kollegen immer häufiger, dass die Flüsse bereits aufgetaut sind, wenn die Rentiere nach der Kalbung losziehen. Die Tiere müssen dann durch Kilometer breites Eiswasser schwimmen. Vielen der neu geborenen Jungtieren fehlt dazu die Kraft und sie überleben die Passage nicht.

Klimawandel führt zu Wilderei

Die frühere Schmelze der Flüsse im Frühjahr erleichtert auch Wilderern den Zugang zu den Herden. Sie profitieren von der wachsenden Nachfrage nach Rentierfleisch und dem Geweih der Tiere. Leber und Zunge der Tiere gelten als Delikatesse. In China werden die jungen Geweihe im Bast als Pulver zermahlen und Anhängern Traditioneller Chinesischer Medizin vermutlich als wertvoller Maralhirsch-Geweihextrakt verkauft. Die längere Eisfreiheit der Meereshäfen – noch eine Folge der Erderhitzung – erleichtert den Abtransport von Fleisch und Geweihen in weit entfernte Städte Russlands und Chinas.

Auch die indirekten Auswirkungen des Klimawandels machen den Rentierherden weltweit zu schaffen. Immer mehr Öl- und Gaspipelines, Straßen und Zäune versperren ihnen den Weg zu ihren Nahrungs- und Geburtsgebieten.

Passende Wildnis bereits gefunden

Rentiere zu schützen, ist deshalb eine Herausforderung. Neben dem Kampf gegen die Erderhitzung auf politischer Ebene setzt der WWF vor allem auf die Schaffung sicherer Rückzugsgebiete, die frei sind von Industrie, Wilderei und anderem, modernem menschlichen Einfluss. Denn nur, wenn es Ausweichmöglichkeiten für die Rentiere und die andere arktischen Arten gibt, können sie sich an die Umweltveränderungen anpassen.

Der WWF plant zusammen mit russischen Behörden und Forschern durch Unterstützung der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt (BMU) neue Schutzgebiete in der russischen Arktis zu entwickeln und so miteinander zu vernetzen, dass sie der Anpassung der arktischen Tier- und Pflanzenwelt dienen können.

Dazwischen sollen auch Wanderkorridore für die wilden Rentierherden geschaffen werden, um bereits bestehende Schutzgebiete miteinander zu verbinden. Denn je größer und vernetzter eine Rentierpopulation ist, umso widerstandsfähiger und anpassungsfähiger ist sie gegenüber Veränderungen des Lebensraumes. Bei wandernden Tierarten wie den Rentieren ist zudem ein umfassendes Management nötig, um die bis zu 3.000 Kilometer langen Wanderrouten dauerhaft zu sichern.

Indigene Bevölkerung als Partner

Viele indigene Volksgruppen leben von und mit Rentieren. Die Nenzen beispielsweise halten domestizierte Rentiere. Andere Ethnien jagen traditionell wilde Rentiere zur Selbstversorgung. Geht es den Rentieren schlecht, ist auch die Kultur dieser Volksgruppen in Gefahr. Deshalb will der WWF indigene Gruppen in der russischen Arktis dabei unterstützen, ihre Lebensweise an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen. Außerdem sollen die Schutzgebiete den indigenen Bewohnern der Arktis künftig auch Einkommensquellen erschließen.

Forderungen des WWF

1. Der WWF fordert, in der gesamten Arktis unverzüglich Gebiete unter Schutz zu stellen, die auch in Zeiten des Klimawandels als Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt der Tundra erhalten bleiben.

2. Um noch präziser vorhersagen zu können, welche Landschaften das sein werden, benötigen wir noch genauere Klimaprognosen und -modelle für die Arktis. Die sind außerdem enorm wichtig, um rechtzeitig Industrieprojekten oder anderen Bauvorhaben in der auftauenden Arktis entgegenwirken zu können, die dort großen Schaden anrichten würden.

3. Der Klimawandel ist eine extreme Bedrohung für Rentiere wie für alle arktischen Arten. Deshalb müssen wir sie gerade jetzt vor zusätzlichen Gefahren wie Wilderei und Lebensraumzerstörung schützen und ihnen Rückzugsgebiete zum Überleben sichern.

Bis es soweit ist und die Rückzugsgebiete offiziell sind, müssen wir alles dafür tun, möglichst viele Rentiere zu schützen. Hilf mit deiner Spende.

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Überlebenskünstler Rentier

Minus 40 Grad Celsius, monatelange Dunkelheit und eine dicke Schneedecke: Seit Urzeiten überwintern Rentiere im hohen Norden unter schwierigsten Bedingungen dank genialer Anpassungen. Gegen Klimawandel und Wilderei allerdings haben sie keine Chance — wenn wir ihnen nicht helfen.

Ohne sie kommt der Weihnachtsmann nicht aus: Die Rentiere mit ihren prächtigen Geweihen, die seinen Schlitten an Heiligabend vom Nordpol in die Welt ziehen.

Langstreckenläufer

Wer aber weiß schon, was für Überlebenskünstler Rentiere sind? Sie bewohnen die Tundra und Taiga der nördlichen Polargebiete. Auf der Suche nach Nahrung ziehen sie in großen Herden umher. Mitunter gehen mehr als 100.000 Tiere auf Wanderschaft, manchmal pro Jahr bis zu 3.000 Kilometer weit. Kein anderes Landsäugetier kann solche Langstrecken zurücklegen.

Der Hunger ist ihr Antrieb. Während sie im Sommer auf den saftigen Tundrawiesen einen reich gedeckten Tisch finden, müssen sie sich im Winter mit Moosen, Pilzen und Flechten begnügen. Wie aber kommen Rentiere durch meterhohen Schnee an ihre Pflanzenkost?

Multifunktionshufe

Sie scharren mit ihren scharfkantigen Hufen solange Schnee weg, bis sie auf den Boden mit den gefrorenen Pflanzen stoßen. Viel Auswahl haben Rentiere nicht: Sie fressen vor allem Rentierflechten. Bis zu zwei Kilogramm Futter benötigt ein erwachsenes Rentier am Tag. Ihre besonderen Hufe helfen den Rentieren auch über Schneeflächen und durch Frühjahrssümpfe, ohne einzusinken. Sie sind sehr breit und lassen sich durch eine elastische Haut dazwischen noch spreizen. Zusammen mit langen Hinterklauen finden die Huftiere auf gefrorenem und schlammigem Untergrund fast immer gut Halt.

Nase und Augen im Wintermodus

Dem eisigen nordischen Winter angepasst ist auch die Rentiernase. Sie kann dank stark vergrößerter Oberfläche die eingeatmete Luft vorwärmen, bevor sie in die Lungen kommt. Und selbst ihre Augen können Rentiere auf Wintermodus umstellen: Werden die Tage immer kürzer, verändern sie sich von goldgelb zu dunkelblau. Dadurch werden die Augen lichtempfindlicher und die Rentiere sehen sogar bei vollständiger Dunkelheit, allerdings zu Lasten der Sehschärfe. Doch sie genügt, sich zu orientieren und Feinde wie den Eisbären erkennen. Vor ihm können sie im Notfall wegrennen – bis zu 80 Stundenkilometer schnell!

Auftrieb durch Luftpolster

Tauen im Frühjahr die Flüsse im hohen Norden, können Rentiere sie durchschwimmen. Ihr dichtes Fell enthält Luftpolster, die ihren Körper gegen das Eiswasser isolieren und ihnen zugleich Auftrieb in den Fluten verschaffen.

So gut von Mutter Natur ausgestattet, sollte der Bestand an Rentieren in der Wildnis eigentlich gesichert sein. Doch leider ist dem nicht mehr so. Klimawandel und Wilderei haben die Situation der Rentiere verändert.

Drama in der Tundra

In der Arktis steigt die Temperatur schneller als irgendwo sonst auf der Welt. Im Februar 2018 erwärmte sich der Norden Grönlands mitten in der Polarnacht sogar auf plus sechs Grad Celsius.

Solche milden Temperaturen und Regen im Winter führen aber in der Arktis nicht zu mehr Pflanzenwachstum. Im Gegenteil: Weil der Boden nach wie vor gefroren ist, gefriert auch der Regen und lässt über den Futterpflanzen eine Eisschicht wachsen. Das erschwert den Zugang zu Moosen und Flechten. Rentiere finden deshalb durch den Klimawandel weniger zu fressen. Mit fatalen Folgen für den Nachwuchs: Immer mehr Jungtiere kommen zu früh und zu leicht auf die Welt.

Weil außerdem die arktischen Flüsse im Frühjahr immer früher auftauen, müssen wandernde Rentiere auf ihrem Weg zu den Sommerweiden öfter notgedrungen Eiswasser durchqueren — für ihre frisch geborenen Kälber eine lebensgefährliche Tortur.

Ganze Herden in Not

Als wäre das nicht schlimm genug, nutzen Wilderer die Situation aus. Sie warten an den Flüssen und töten Rentiere in einem nie gekannten Ausmaß. „Den Rentieren wird häufig bei lebendigem Leibe das Geweih abgeschnitten. Danach verenden sie dann meist an ihren großen Verletzungen“, sagt Eva Klebelsberg, Referentin für arktische Regionen in Russland beim WWF Deutschland.

Bereits 2017 machte der WWF öffentlich, was sich seit einiger Zeit auf der Taimyr-Halbinsel in Sibirien abspielt. Dort lebt die weltgrößte Population an wilden Rentieren. In weniger als 20 Jahren hat sich der geschätzte Bestand von 800.000 auf 400.000 Tiere halbiert. Gewildert werden Rentiere vor allem, weil ihre Zungen als Delikatessen gelten und Pulver aus ihrem Geweih in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung findet.

Inzwischen, so schätzt der WWF, werden jedes Jahr bereits bis zu 100.000 Rentiere illegal getötet. „Wenn wir die illegale Jagd nicht bald bremsen, könnte die Zeit der riesigen Rentierherden in Nord-Sibirien bald vorbei sein“, warnt Eva Klebelsberg.

Rentiere brauchen Unterstützung

Deshalb müssen wir unsere Hilfe in der Region deutlich erhöhen. „Wir wollen noch mehr Tiere mit Sendern ausstatten. So erfahren wir ihre genaue Wanderrouten und können die Tiere an kritischen Passagen vor Wilderern schützen“, sagt Klebelsberg. „Damit die Ranger dann auch rechtzeitig vor Ort sein können, wollen wir sie mit Schneemobilen und Motorbooten ausrüsten.“ Fazit der WWF-Expertin: Gelingt es, die Wilderei jetzt zu stoppen, haben die Rentiere eine Chance, sich auf den Klimawandel einzustellen.

Auch wenn wir nicht an den Weihnachtsmann und Rudolph glauben, liegen uns die Rentiere in der Weihnachtszeit ganz besonders am Herzen. Wenn es dir genau so geht, hilf uns dabei, die Überlebenskünstler zu schützen.

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„Wir müssen vorbereitet sein.“

Interview mit Sergey Verkhovec vom WWF Russland

Seit das Eis auf den Flüssen früher schmilzt, müssen die Rentiere auf der Halbinsel Taimyr in der Russischen Arktis bis zur Erschöpfung schwimmen, um ihre Sommerweiden zu erreichen. Sie sind dabei ein leichtes Ziel für Wilderer. Sergey Verkhovec tut was er kann, um die Art zu retten.

Besonders für die Rentierkälber können die breiten, eisigen Flüsse zur tödlichen Gefahr werden. Wie ist die Lage momentan, wie viele Kälber ertrinken?

Sergey Verkhovec: Im Mai und Juni, wenn die Rentiere auf Wanderschaft gehen, konnten sie früher die Flüsse auf der Eisdecke überqueren. Seit einigen Jahren schmilzt das Eis aber schon vorher. Wie viele Kälber ertrinken, kann ich nicht sagen. Doch unsere Ranger haben in nur drei Wochen bis zu 40 junge Rentiere mit den Fluten kämpfen sehen – und sie teilweise aus dem Wasser gerettet.

Wie viele Ranger gibt es in Taimyr und wie sehen ihre Einsätze aus?

Wir haben heute sechs staatliche Ranger in Taimyr – noch im letzten Jahr war es nur einer! – und vier Kräfte im benachbarten Evenkiya. In kleinen Teams sind sie zwei bis drei Wochen am Stück im Einsatz. Denn allein der Weg dort hin kostet viel Zeit: Mit dem Flugzeug oder Hubschrauber fliegen sie in kleinere Siedlungen vor Ort, dann geht es weiter mit Motorbooten und Schneemobilen. Der Kampf gegen die Wilderei ist eine sehr schwierige und gefährliche Arbeit bei geringem Gehalt. Nun kommt noch das Sichern der Flüsse dazu.

Was muss getan werden, um den Rentieren das Überqueren der Flüsse zu erleichtern?

Auf ihren Wanderungen brauchen die Rentiere mit den Kälbern vor allem eins: Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe. Wir müssen möglichst viele Herden mit Senderhalsbändern ausstatten. Dann kennen wir ihre Routen, können den Bootsverkehr stoppen und die Menschen vor Ort informieren. Wenn die Rentiere beim Schwimmen aus Angst umdrehen und mehrere Anläufe nehmen, kostet das lebensgefährlich viel Kraft. Und auch auf ihren langen Wanderwegen über Land brauchen sie Schutz und Schutzgebiete.

Wie erleben Sie den Klimawandel vor Ort?

Es gibt viele indirekte Hinweise wie stärkere Stürme und eine längere Vegetationszeit – immerhin zwei bis drei Wochen im letzten Jahrzehnt. Aber wir sehen auch ganz gravierende Veränderungen: Der Flusslauf ändert sich rasant, die Flussufer rutschen ab. Südliche Arten finden sich auf einmal im Norden. Die Wanderwege der Tiere ändern sich. Besonders dramatisch ist das besagte Auftauen der Flüsse kurz nach dem Kalben der Rentiere. Es ermöglicht außerdem den Wilderern, sich nun mit Booten auf dem Fluss zu bewegen.

Die Rentiere auf der Taimyr-Halbinsel sind eine der letzten großen, wilden Populationen. Sind sie noch zu retten?

Als globales Erbe müssen wir sie retten! Aber es gibt viel zu tun. Der Klimawandel wird die arktischen Ökosysteme massiv verändern und wir müssen – irgendwie – darauf vorbereitet sein. Wir brauchen mehr wissenschaftliche Untersuchungen und mehr Schutzgebiete. Außerdem müssen wir weiter gegen das große Problem der Wilderei angehen – durch mehr Schutz und Kontrolle, aber auch durch Bekämpfung der Armut. Wir müssen Entwicklungsarbeit leisten, die Bildung verbessern und für alternative Einkommen sorgen.

Was fehlt, um die Rentiere besser zu schützen?

Die Ranger sind unzureichend ausgerüstet und es fehlen Informationen über die Rentiere und ihre veränderten Migrationsrouten. Wir brauchen strengere Gesetze und moderne, innovative Technik zur Überwachung der Rentiere und für die Arbeit der Ranger.

Unterstütze jetzt Sergey und die Ranger in der Russischen Arktis. Hilf mit, das Überleben der wilden Rentiere zu sichern!

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Klimawandel und Wilderei: Rentiere schwimmen um ihr Leben

Eine Rentierherde durchschwimmt die Chatanga, ein Fluss im Norden Sibiriens. Der Strom ist breit und eisig. Die Tiere sind erschöpft, es ist bereits ihr dritter Anlauf. Besonders die frisch geborenen Kälber kämpfen gegen das Ertrinken. Früher überquerten die Rentiere nach der Kalbung die zugefrorenen Flüsse zu Fuß auf ihren langen Wanderungen von den Winter- zu den Sommerweiden in der Russischen Arktis. Doch nun schmilzt das Eis eher. „Es ist ein ganz neues Problem und niemand weiß bislang, ob und wann die Art sich anpassen kann.“ WWF-Arktisexpertin Eva Klebelsberg ist besorgt. Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die Rentiere und öffnet auch Wilderern Tür und Tor.

Leichtes Spiel für Wilderer

Die Region ist eine der kältesten und abgeschiedensten der Erde. Durch den Klimawandel können Wilderer jedoch heute immer früher im Jahr immer weiter und immer einfacher in entlegene Regionen vordringen. Erwischen sie die Rentiere beim Durchqueren der Flüsse und machen vom Boot aus Jagd, haben die Rene keine Chance. Auf der Taimyr-Halbinsel lebt eine der letzten großen Rentier-Populationen der Welt. In den vergangenen Jahren haben Wilderer sie fast um die Hälfte dezimiert. Die jungen Geweihe der Rentiere gelten als Heilmittel in der Traditionellen Chinesischen Medizin, ihre Zungen als Delikatesse auf dem asiatischen Markt.

Ranger retten Rentierbabys

An den arktischen Flüssen Chatanga und Cheta konnte der WWF in diesem Jahr große Wilderer-Angriffe verhindern. „Wir besendern die Rentiere, um herauszufinden, wann und wo die Herden die Flüsse durchschwimmen und wie die Wanderrouten verlaufen“, erklärt Eva Klebelsberg. „Durch unsere GPS-Halsbänder wurde das Problem in diesem Frühsommer überhaupt erst aufgedeckt.“ Ranger bewachten die Flussabschnitte und halfen den Jungtieren dabei, sicher ans andere Ufer zu gelangen.
Die Präsenz der Ranger hat Eindruck hinterlassen und konnte die Wilderei eindämmen.
Doch noch immer mangelt es an ausreichend Wildhütern, an Ausrüstung und an Wissen über die Rentiere, um sie in Zeiten des Klimawandels wirksam zu schützen. Mehr Herden müssen besendert werden und die Ranger in Taimyr brauchen dringend weitere Fahrzeuge, Boote, Senderhalsbänder und andere Ausrüstung, um für die kommende Jagdsaison der Wilderer gewappnet zu sein.

Rechtzeitig am richtigen Ort sein

Nur gesunde und möglichst große Populationen können es schaffen, sich an den Klimawandel anzupassen. „Wir müssen dafür sorgen, dass durch die Wilderei nicht noch mehr Druck auf die Rentiere herrscht, und Störung und Stress beim Durchschwimmen der Flüsse verhindern“, sagt WWF-Expertin Klebelsberg. Gelingt es, die Wilderei jetzt zu stoppen, haben die Tiere eine Chance, sich auf die neuen Gegebenheiten durch den Klimawandel einzustellen.

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Aufatmen für Tiger und Nashorn: China stoppt Staatsratsbeschluss

Positive Überraschung aus Peking: China stoppt im November 2018 die vor kurzem angekündigte Legalisierung des Handels mit Tigerknochen und Nashornhorn.

25 Jahre lang war in China der Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn als Reaktion auf die massive Wilderei verboten. Ende Oktober 2018 verabschiedete der Staatsrat in Peking dann plötzlich eine Reform, um den Handel mit diesen Produkten von in Gefangenschaft gezüchteten Tieren zu legalisieren – zur Anwendung in Krankenhäusern. Ermöglicht werden sollte außerdem der Handel mit antiken Tiger- und Nashornerzeugnissen für den privaten Gebrauch. Der WWF hatte die Entscheidung als schweren Rückschlag für den Artenschutz kritisiert.

Am 12. November hat nun die chinesische Regierung bekanntgegeben, dass die beschlossene Erlaubnis des Handels mit Tigerknochen und Nashornhorn von in Gefangenschaft gezüchteten Tieren vorerst nicht umgesetzt wird.

WWF begrüßt Entscheidung

„Die Entscheidung der chinesischen Regierung kann für den Schutz von Tiger und Nashorn gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, sagt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. „Ein gelockerter Handel mit Produkten von in Gefangenschaft lebenden Tieren hätte fatale Folgen auch für die wildlebenden Populationen gehabt. Es steht hier nicht weniger als das Überleben ganzer Arten auf dem Spiel.“

Heinrich ist erleichtert, „dass die chinesische Regierung den international wie auch in China geäußerten Befürchtungen Gehör schenkt und die Reform nun überdenkt. Das Land hat in den letzten Jahren ein außerordentliches Engagement für den Artenschutz gezeigt, insbesondere durch das nationale Handelsverbot für Elfenbein. Es wäre ein wichtiges Signal an die internationale Gemeinschaft, wenn China diese Führungsrolle beibehält und weiter an der Bekämpfung des illegalen Wildtierhandels und der Verringerung der Nachfrage arbeitet.“

Rückschlag verhindern

Die Wiederaufnahme eines legalen Marktes für Tigerknochen und Nashornhorn wäre laut WWF ein enormer Rückschlag. Die Erfahrungen Chinas mit dem Handel mit Elfenbein haben gezeigt, wie schwierig es ist, parallel legale und illegale Märkte zu kontrollieren. Es stünde zu befürchten, dass illegale Tigerknochen und Nashornhörner klammheimlich als legale Produkte von Tieren aus Gefangenschaft deklariert werden und so in den Handel kommen. Gleich einer Kettenreaktion würde damit die Nachfrage wieder angeheizt und entsprechend die Wilderei befeuert.

„Der WWF“, so Heinrich, „wird sich daher dafür einsetzen, dass die nun vorerst auf Eis gelegte Lockerung des Handelsverbots vollständig abgesagt wird.“ Denn die Bestände von Tigern und Elefanten sind derart niedrig, dass schon eine leichte Zunahme der illegalen Jagd zu ernsthaften Gefahren für das Überleben der Arten führen könnte.

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China will Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn erlauben

Tiger und Nashörner gehören zu den meistbedrohten Arten der Erde. Vor allem, weil ihren Körperteilen in Asien eine heilende Wirkung unterstellt wird. Seit 1993 war deshalb in China der Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn als Reaktion auf die massive Wilderei verboten.

Jetzt will die chinesische Regierung nach einer Ankündigung vom 29. Oktober 2018 den Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn von in Gefangenschaft gezüchteten Tieren legalisieren. Demnach soll zukünftig die Nutzung solcher Produkte durch Krankenhäuser gestattet werden, genau wie der Handel mit antiken Tiger- und Nashornerzeugnissen für den privaten Gebrauch.

Der WWF wertet dieses Vorhaben als massiven Rückschritt für den Artenschutz und fordert China dringend auf, das Handelsverbot beizubehalten.

„Es ist zutiefst beunruhigend, dass China sein 25 Jahre altes Verbot des Handels mit Tigerknochen und Nashornhorn aufgehoben hat“, sagt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. „Die Folgen werden verheerend und weltweit zu spüren sein. Denn jegliche Legalisierung setzt diese seltenen Arten weiter unter Druck.“

Artentod durch Aberglauben

Außerdem gibt es bis heute keinerlei wissenschaftliche Belege für die medizinische Wirksamkeit von Tigerknochen oder Nashornhorn. „Es handelt sich um einen Aberglauben, den die Politik nicht zum Maßstab ihres Handels machen sollte“, betont Brandes. Genau deshalb wurden sowohl Tigerknochen als auch Nashornhorn 1993 aus dem Arzneibuch der traditionellen chinesischen Medizin entfernt. Der Weltverband der chinesischen Medizingesellschaften veröffentlichte zudem 2010 eine Erklärung, in der die Mitglieder aufgefordert werden, Teile gefährdeter Arten nicht zu verwenden.

Die Wiederaufnahme eines legalen Marktes hieße nicht nur, einem Aberglauben nachzugeben. Der WWF befürchtet durch diesen Schritt der chinesischen Regierung einen Anstieg der Nachfrage in ganz Südostasien. Denn es besteht die Gefahr, dass illegale Tigerknochen und Nashornhörner klammheimlich als legale Produkte von Tieren aus Gefangenschaft deklariert werden und so in den Handel kommen.

Nachfrage könnte deutlich ansteigen

„Die Erfahrungen Chinas mit dem Handel mit Elfenbein haben deutlich gezeigt, wie schwierig es ist, parallel legale und illegale Märkte zu kontrollieren. Es steht zu befürchten, dass illegale Produkte gewaschen werden und so in den Handel fließen. Gleichzeitig müssen wir davon ausgehen, dass die Nachfrage angeheizt wird und so der Wildereidruck auf freilebende Tiere weiter steigt. Dabei sind die Bestände derart niedrig, dass schon eine leichte Zunahme der illegalen Jagd zu ernsthaften Problemen führen kann“, so Brandes weiter.

„Die heutige Bekanntmachung steht in einem deutlichen Widerspruch zur bisherigen Haltung der chinesischen Führung, die in den letzten Jahren durch entschiedene Schritte gegen den illegalen Artenhandel geprägt war. Insbesondere durch die Schließung des nationalen Elfenbeinhandels hat China einen kaum zu unterschätzenden Beitrag zum Schutz der Elefanten geleistet. Es ist bedauerlich, dass man nun von diesem guten Weg abweichen will. Anstelle einer Liberalisierung brauchen wir eine Ausweitung des Handelsverbots auf sämtliche Tigerprodukte sowie die Schließung der Tigerfarmen, in denen die Tiere für die Verwertung ihrer Körperteile gezüchtet werden.

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Souvenir-App: Im Urlaub nicht zum Schmuggler werden

Schmuck aus bestimmten Korallen, Orchideen im Topf, Schnitzereien aus Schildpatt, zu viele Riesenmuscheln oder Stör-Kaviar: Oft wissen Touristen gar nicht, dass verboten ist, was sie aus dem Urlaub mitbringen. Sie werden ungewollt zu Schmugglern ihrer Souvenirs und riskieren empfindliche Strafen. Schlimmer noch: Sie machen sich – viel zu häufig unbewusst – mitschuldig an der Ausbeutung von Arten. Davor soll der WWF-Souvenirratgeber schützen, den es jetzt auch als App fürs Smartphone gibt.

Am Flughafen erwischt

Jedes Jahr beschlagnahmt der deutsche Zoll unzählige, verbotene exotische Souvenirs aus den Koffern von Touristen. Auf Märkten und an den Stränden vieler Urlaubsorte locken harmlos wirkende Andenken, für die teils illegal Tiere getötet oder Pflanzen gesammelt wurden und deren Einfuhr gegen internationale Artenschutzgesetze verstößt. Über 35.000 Tier- und Pflanzenarten stehen durch das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES und deutsche Gesetze unter Schutz. „Auch kleine und unscheinbare Arten können bedroht und deshalb geschützt sein“, warnt Katharina Trump, Referentin für illegalen Artenhandel beim WWF Deutschland.

WWF-App: Souvenirratgeber

Rot bedeutet „Finger weg“, gelb verlangt nach Genehmigungen, grün kann man bedenkenlos kaufen: Ein einfaches Ampelsystem hilft dem Nutzer der WWF-App, nicht zum falschen Souvenir zu greifen. Mit dem Kauf des richtigen Souvenirs dagegen kann man die Natur im Ursprungsland schützen und die lokalen Märkte und Händler unterstützen. Eine gedruckte Kurzversion des Souvenirratgebers im Hosentaschenformat kann auch beim WWF bestellt oder als PDF heruntergeladen werden.

Die App im Google Play Store >>>

Der Ratgeber als PDF >>>

Es sind nicht nur die Souvenirs

Viele haben vielleicht noch die Bilder des Hais im Kopf, der an einem Strand der Dominikanischen Republik qualvoll verendete. Touristen hatten ihn aus dem Meer gezogen, um sich mit ihm zu fotografieren. Ganz so dramatisch muss es gar nicht sein. Doch neben den falschen Souvenirs können auch die falschen Freizeit-Aktivitäten im Urlaub Arten gefährden. Abgesehen vom Tierwohl werden hierfür allzu oft Tiere aus der Natur gefangen oder die Einrichtungen verschleiern im schlimmsten Fall illegalen Artenhandel.

Das Selfie-Problem

Ob Selfies mit vermeintlich gezähmten Wildtieren, Spaziergänge mit Löwen und Tigern oder rein kommerzielle Unterhaltungsshows mit Affen oder anderen wilden Tieren: Wer hier mitmacht, hält die Nachfrage hoch. Man sollte also nicht nur darauf achten, was man kauft, sondern auch angebotene Attraktionen mit Wildtieren kritisch hinterfragen.

Die WWF-Souvenir-App ist kostenlos und wurde gefördert vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

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Schwangere Tigerin in Schlingfalle gestorben

Eine Sumatra-Tigerin verfing sich nahe dem Rimbang-Baling-Schutzgebiet auf Sumatra in einer Schlingfalle, die Wilderer für Wildschweine aufgestellt hatten. Im verzweifelten Kampf sich zu befreien, zerriss die Falle ihre Niere und die Tigerin erlag ihren Verletzungen. Besonders tragisch: Es starben gleich drei Tiger in dieser Schlingfalle. Die Tigerin war mit zwei Jungen schwanger, die ungefähr eine Woche darauf zur Welt gekommen wären.

Tödliche Schlingen

Ihr dramatischer Tod ist nur die Spitze des Eisbergs in der grassierenden Wildereikrise. Über 130 Sumatra-Tiger starben in den letzten 15 Jahren durch Schlingfallen. Es gibt nur noch rund 400 Sumatra-Tiger in der Wildnis und die Schlingfallenkrise bringt sie immer weiter an den Rand des Aussterbens. Zwischen 2006 und 2014 hat sich die Anzahl der Fallen in Sumatra verdoppelt. Eine fatale Entwicklung, denn die indonesische Insel ist weltweit der einzige Ort, an dem Tiger, Orang-Utans, Elefanten und Nashörner in der Wildnis leben.

Das Geschäft mit dem Tod

Schlingfallen sind leicht herzustellen und zu verstecken, deswegen ist es unmöglich zu wissen, wie viele jeden Tag neu ausgelegt werden und wie viele Tiger darin verenden. Wenn Tiger mit Schlingfallen gewildert werden, wird der gesamte Körper aus dem Wald getragen und kein Anzeichen auf die Tat hinterlassen.

Und wenn es einem Tiger in seltenen Fällen doch gelingt, sich aus einer Schlingfalle zu befreien, trägt er so schwere Verletzungen davon, dass er unfähig ist, zu jagen. Meist verendet das Tier dann in Folge von Infektionen oder weil es schlichtweg verhungert.

Wilderei und illegaler Wildtierhandel werden immer wieder durch stetige Nachfrage angeheizt. Auf asiatischen Schwarzmärkten werden Produkte gewilderter Tiere wie Tiger verkauft. Der Gesamtumsatz des illegalen Handels beläuft sich auf rund 20 Milliarden US-Dollar und ist somit der viertgrößte illegale Markt, nach Drogen, Menschenhandel und Fälschungen.

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London IWT Konferenz: Elefant und Regierungsvertreter gegen Wilderei

Seit dem 8. Oktober kann man, wenn man durch die Straßen Londons geht, auf das Hologramm eines afrikanischen Elefanten treffen. Damit will der WWF öffentlich auf die Folgen der Wilderei und des illegalen Artenhandels aufmerksam machen. Anlass für die Aktion ist die Londoner Konferenz zum Thema Wildartenhandel, bei der Delegationen aus über 80 Ländern zusammenkamen, um ein starkes Zeichen gegen ein immens lukratives Verbrechen zu setzen. Nach dem Handel mit Drogen, Warenfälschungen und Menschen gelten Verbrechen gegen die Umwelt, zu denen auch der illegale Artenhandel gehört, als das viertgrößte länderübergreifende Delikt. Der Gewinn wird pro Jahr auf bis zu 20 Milliarden Euro geschätzt.

Verabschiedung eines gemeinsamen Maßnahmenpakets

Mit der zweitägigen Konferenz, die zum vierten Mal organisiert wurde und dieses Jahr vom 11. bis 12. Oktober in London stattfand, sollte ein starkes Zeichen gesetzt und die internationale Zusammenarbeit gegen die Wilderei gestärkt werden. Zum Abschluss der Konferenz haben die führenden Regierungsvertreter ein gemeinsames Maßnahmenpaket verabschiedet, in dem auch die deutsche Bundesregierung zugesagt hat, ihr Engagement gegen den illegalen Handel aufrechtzuerhalten.

Die sieben Forderungen des WWF:

1. Korruption beenden

Der illegale Wildtierhandel fördert die Korruption – und umgekehrt. Diese Spirale muss dringend durchbrochen werden. Denn erst die Korruption ermöglicht der Wildtiermafia ihr grausames Geschäft. Korruption macht den Schmuggel über Grenzen möglich, setzt Handelsverbote außer Kraft und verschafft den Tätern Straffreiheit. Die Länder, in denen Wilderei, Handel und Konsum stattfinden, müssen gegen die Korruption vorgehen und sich dazu verpflichten, sie wirksam zu bekämpfen.

2. Ranger unterstützen

Ranger kämpfen an vorderster Front gegen Wilderei und illegalen Wildartenhandel. Immer wieder geraten sie dabei in Lebensgefahr. Die Wildhüter arbeiten unter schweren Bedingungen in abgelegenen Regionen. Neben den Angriffen von Wilderern sind sie dabei täglich vielen weiteren Risiken ausgesetzt. Trotzdem sind die wenigsten von ihnen ausreichend versichert. Zusätzlich fehlt es oftmals an der nötigen Ausrüstung und Ausbildung, um die Wilderei effektiv und möglichst gefahrlos zu bekämpfen. Die betroffenen Länder müssen dafür sorgen, dass ihre Wildhüter ausreichend geschützt und versichert sind.

3. Strafverfolgung verbessern

Viel zu häufig kommen bereits verhaftete Wilderer und Schmuggler mit ihren Verbrechen davon. Die konsequente Strafverfolgung scheitert in vielen Fällen zum Beispiel an zu wenig Sachbearbeitern und Staatsanwälten. Oder an einer Justiz, die der Wildartenkriminalität nicht die nötige Schwere zumisst. Eine große Herausforderung ist auch die Zusammenarbeit der Regierungen verschiedener Länder, um die oft grenzüberschreitenden Verbrechen zu ahnden. Die Bekämpfung des Wildartenhandels muss auch auf rechtlicher Ebene erfolgen. Ermittler und Staatsanwälte müssen besser geschult und die betroffenen Länder darin unterstützt werden.

4. Elfenbeinhandel stoppen

Rund 20.000 Afrikanische Elefanten werden jedes Jahr von Wilderern für ihr Elfenbein getötet und auch der Asiatische Elefant ist nach wie vor von Wilderei bedroht. Obwohl der internationale Handel mit Elfenbein verboten ist, bestehen in einigen Ländern legale Inlandsmärkte. Sie ermöglichen das Waschen von illegalem Elfenbein und heizen die Nachfrage weiter an. Ende 2017 hat China als größter Elfenbeinmarkt der Welt seine nationalen Märkte geschlossen. Das gibt Hoffnung für die Elefanten – wenn sich der Handel nicht in Schwarzmärkte und andere Länder verlagert, insbesondere nach Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam. Alle legalen und illegalen Elfenbeinmärkte müssen bis Mai 2019 geschlossen werden, insbesondere die Märkte in Asien, die international den größten Anteil am Elfenbeinhandel haben.

5. Alternatives Einkommen ermöglichen

Die Verbesserung der Lebensgrundlagen von lokaler Bevölkerung und indigenen Gemeinden vor Ort spielt eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung der Wilderei. Die Menschen brauchen alternative, nachhaltige Einkommensquellen. Mensch-Wildtier-Konflikten muss vorgebeugt werden und der Erhalt der Natur muss für die lokale Bevölkerung einen Wert bekommen, der über ihre Ausbeutung hinaus geht. Die Länder, in denen Wilderei stattfindet, müssen dafür sorgen, dass die lokale Bevölkerung von nachhaltigen Artenschutzprojekten direkt profitiert.

6. Nachfrage senken

Alle Bekämpfung von Wildartenkriminalität ist zwecklos, so lange nicht auch die Nachfrage entscheidend und vor allem dauerhaft gesenkt wird. Mit einer geringeren Nachfrage sinkt der Preis und somit der Anreiz für Wilderer und Händler, das Risiko ihrer Straftaten einzugehen. Dort wo Handel und Konsum vorkommen, müssen die Länder wirksame Aufklärungskampagnen starten. Alle mit dem Ziel, das Konsumverhalten zu ändern und die Nachfrage zu reduzieren.

7. Korridore schaffen

Neben der direkten Bekämpfung des illegalen Artenhandels brauchen wir weitsichtige Lösungen, um bedrohte Arten zu retten und gesunde Ökosysteme zu erhalten. In einem schrumpfenden und zerschnittenen Lebensraum sollen Wildtiere wandern und sich verbreiten können, ohne dabei in Konflikt mit dem Menschen und beispielsweise seinem Ackerbau zu geraten. Es müssen dringend grüne Korridore geschaffen werden, um den Fortbestand der bedrohten Wildtiere dauerhaft zu sichern und Mensch-Tier-Konflikte zu vermeiden.

Prinz William äußert sich besorgt

Auch der britische Thronfolger Prinz William zeigte sich entsetzt, angesichts der Verbrechen, die tagtäglich an den Wildtieren begangen werden: „Es bricht mir das Herz, daran zu denken, dass Elefanten, Nashörner und Tiger in der Wildnis ausgestorben sein können, wenn meine Kinder George, Charlotte und Louis zwischen 20 und 30 Jahre alt sein werden“, sagte der 36-Jährige bei seiner diesjährigen Eröffnungsrede der London Konferenz.

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