Rekord-Beschlagnahmungen: Wilderei grassiert nach wie vor

Fast 3.000 Elefanten-Stoßzähne, mehr als 25 Tonnen Pangolin-Schuppen und erhebliche Mengen Nashorn-Horn: In den vergangenen Monaten folgte eine Rekord-Meldung über aufgedeckten Artenschmuggel auf die andere. „Es sind alarmierend große Funde – alle in dem kurzen Zeitraum von Ende März bis Ende April“, sagt Katharina Trump, Referentin für Wildtier-Kriminalität beim WWF Deutschland. Die Wilderei-Krise ist längst nicht überwunden.

25,6 Tonnen Pangolin-Schuppen

„Eine einzelne Schuppe wiegt nicht viel, es geht hier also um Tausende getötete Schuppentiere“, kommentiert Katharina Trump die Beschlagnahmung von insgesamt 25,6 Tonnen Pangolin-Schuppen in der asiatischen Metropole Singapur. Innerhalb von nur fünf Tagen gab es zwei Beschlagnahmungen. Beide Ladungen sollten illegal von Nigeria nach Vietnam verschifft werden. „Schuppentiere sind die meist gewilderten Säugetiere der Welt“, erklärt Katharina Trump. Den Schuppen wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin eine heilende Wirkung nachgesagt.

2.748 Elefanten-Stoßzähne

Ein wichtiger Schlag gegen den illegalen Handel mit Elfenbein gelang dem chinesischen Zoll Ende März nach dreimonatiger Vorarbeit. Insgesamt 2.748 Stoßzähne wurden dabei sichergestellt, fast 7,5 Tonnen Elfenbein. Die meisten Stoßzähne waren in einer verlassenen Fabrik versteckt. „Das zeigt, dass das Problem des illegalen Handels auch nach Schließung der legalen Elfenbeinmärkte in China noch besteht“, sagt Katharina Trump.

82,5 Kilogramm Nashorn-Horn in Hongkong

Anfang April beschlagnahmten Zollbeamte am Internationalen Flughafen Hongkong 82,5 Kilogramm Nashorn-Hörner – der größte Fund der vergangenen fünf Jahre. Die Hörner waren als Autoteile deklariert. Beim Durchleuchten der Fracht wurden die Beamten misstrauisch und öffneten den Container, der von Südafrika nach Malaysia geschickt werden sollte.

167 Nashorn-Hörner in Südafrika

Nur acht Tage später konfiszierte die Polizei in Südafrika 167 Nashorn-Hörner und verhaftete zwei Männer, die sie in einem Fahrzeug transportierten. Die Hörner stammen wahrscheinlich nicht von gewilderten Tieren – innerhalb Südafrikas ist der Handel mit Hörnern derzeit erlaubt. Die Menge lässt jedoch aufhorchen. „In Südafrika gibt es kaum einen Markt dafür. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Hörner nach Asien geschmuggelt werden sollten“, sagt Katharina Trump vom WWF Deutschland. „Leider zeigt uns das, wie groß die Nachfrage hier immer noch ist.“ Hätten die beiden Männer nicht unerlaubt eine Provinzgrenze übertreten, wäre der Fall vermutlich nicht aufgeflogen.

Die traurigen Rekord-Funde des vergangenen Monats beweisen einmal mehr, wie sehr Wilderei nach wie vor grassiert und wie notwendig sowohl der Artenschutz in den Quellenländern als auch die Aufklärungsarbeit in den Abnehmerländern ist.

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Wildereimafia: Elfenbein-Schmugglerin „Ivory Queen“ verurteilt

Als „Ivory Queen“ war die Elfenbeinschmugglerin inzwischen international bekannt. Nun wurde sie von einem Gericht in Tansania zu 15 Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet rund fünf Millionen Euro verurteilt: Ein großer Erfolg im Kampf gegen Wilderei und illegalen Artenhandel.

Yang Fenglan heißt die „Elfenbeinkönigin“ genannte, inzwischen fast 70-jährige Schmugglerin wirklich. Das Gericht in Daressalam sah es als erwiesen an, dass Fenglan für den Schmuggel von über 860 Elefantenstoßzähnen zwischen 2000 und 2014 verantwortlich ist. Zusätzlich wurde sie der Führung einer kriminellen Vereinigung für schuldig befunden.

Endlich trifft es die Drahtzieher

Der WWF begrüßt die Entscheidung des tansanischen Gerichtes: „Statt der Strippenzieher trifft es sonst meistens die kleinen Fische“, erklärt Katharina Trump, Expertin für illegalen Artenhandel beim WWF Deutschland. „Das ist diesmal anders und wir hoffen auf eine abschreckende Wirkung.“ Der illegale Artenhandel muss strafrechtlich härter verfolgt und die Wilderei als organisiertes Verbrechen ernst genommen werden, wie es hier in Tansania nun geschehen ist.

„Ivory Queen“ – Die Elfenbeinkönigin

Yang Fenglan war im Oktober 2015 in Daressalam festgenommen worden. Sie ist chinesische Staatsbürgerin, lebte aber mit Unterbrechungen schon seit den 1970er Jahren in Tansania. Tansanische Medien verpassten der Schmugglerin den Spitznamen „Ivory Queen“. Heute ist die sogenannte Elfenbeinkönigin eine verurteilte Wildtierkriminelle. Tansania mit seinen vielen Grenzen und einer günstig liegenden Küste ist wichtiges Ausgangs- und Transitland für den illegalen Artenhandel.

Bedrohung für die Elefanten

Allein in den letzten zehn Jahren hat Afrika etwa 110.000 Elefanten verloren. Hauptursache dafür ist die Wilderei. In Tansania sank die Zahl der Dickhäuter zwischen 2007 und 2016 um etwa 55 Prozent auf rund 50.000 Tiere. Für ganz Afrika rechnet man mit noch etwa 415.000 Elefanten. Abnehmer für das Elfenbein sind vor allem asiatische Länder wie China, Vietnam oder Thailand, wo es zu Schmuck und Schnitzereien verarbeitet wird. Ein weiterer großer Erfolg ist allerdings die Schließung der Elfenbeinmärkte in China Ende 2017: In China ist der nationale Handel mit Elfenbein seitdem verboten, was hoffentlich die Nachfrage in Zukunft entscheidend eindämmt.

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Wilderer geschnappt: Geweihe von über 1.000 Rentieren

In Sibirien ist einer vom WWF unterstützten Anti-Wilderei-Einheit ein entscheidender Schlag gegen den illegalen Wildtierhandel gelungen: In der Republik Sacha (Jakutien) im Nordosten Russlands stoppten die Ranger einen Lastwagenkonvoi, der Geweihe und Fleisch von mindestens 1.000, eventuell sogar 1.500 getöteten wilden Rentieren geladen hatte. „Dieser spektakuläre Aufgriff zeigt, dass wir es in Russland derzeit mit wahren Rentier-Massakern zu tun haben“, sagt Eva Klebelsberg, Referentin für die Russische Arktis beim WWF Deutschland. „Der Konvoi stellt wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs dar.“ Die Rentiere wurden vermutlich alle auf der Taimyr-Halbinsel der Nachbarregion Krasnojarsk im hohen Norden Russlands geschossen.

Alle Fäden liefen zusammen

Der Aufgriff der Wilderer ist der Vorarbeit des WWF in der Region zu verdanken: Mit Hilfe von Satellitenhalsbändern werden die Wanderwege der Rentiere und ihre Bestände seit 2017 überwacht. Der WWF unterstützte außerdem im letzten Jahr verschiedene Untersuchungen der lokalen Behörden, um die Hotspots der Wilderei und die Transportwege der Wilderer aufzudecken. Auch durch die Hilfe von Spendengeldern konnte einen neue Anti-Wilderer-Brigade ausgerüstet werden. Und als in diesem Winter das Benzin der Ranger knapp wurde, sprang der WWF wiederum mit Spendengeldern ein.

Der Tipp kam aus der Nachbarregion

Den entscheidenden Tipp zum Aufgriff erhielt die Anti-Wilderei-Einheit in Sacha von Kollegen aus der benachbarten Region Krasnojarsk: Es sei eine Kolonne von KAMAZ–Lastwagen mit gewilderter Schmuggelware in ihre Richtung unterwegs, auf einer der typischen zugefrorenen Winterstraßen Nordrusslands. Sofort brachen die Ranger in ihrer Zentrale in Jakutsk auf, konnten den Konvoi schließlich stoppen und stellten fast sechs Tonnen Geweihe und 27 Rentier-Kadaver sicher. Ein wichtiger Ansatz des WWF ist die Förderung der Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Anti-Wilderei-Einheiten in den verschiedenen Provinzen.

Wilderei auf Rentiere grassiert

Die Jagd auf Rentiere ist Jahrtausende alte Tradition und Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung in der nordrussischen Tundra. Doch in den letzten Jahren nimmt die Wilderei auf Rentiere massiv zu – die illegale Jagd durch eine international agierende Wildereimafia mit dem Ziel, die Tiere auf lukrativen Schwarzmärkten zu verkaufen. „Die Tiere werden beim Durchschwimmen der Flüsse geschossen oder die Geweihe dabei einfach am lebenden Tier abgesägt“, erklärt WWF-Expertin Klebelsberg. „Die Geweihe werden zu Pulver verarbeitet und vor allem in China als Heilmittel verkauft. Zungen und Fleisch sind als Delikatesse gefragt.“

Für die Rentiere eine Qual

Die Geweihe der Rentiere wachsen jedes Jahr neu. Während der Wachstumsphase im Frühjahr und Frühsommer sind sie durchblutet. Das geschieht über den sogenannten Bast, eine kurzbehaarte Haut mit Blutgefäßen. Das Absägen oder Abschlagen dieser Geweihe bei lebendigem Leib ist eine Qual für die Wildtiere. Geschätzt sterben laut lokalen Experten etwa 70 Prozent der Tiere an den Folgen dieser Verletzung durch Verbluten oder eine Blutvergiftung. Auf Druck des WWF und der lokalen Behörden hat die Verwaltung der Region Krasnojarsk mittlerweile ein Dekret erlassen, das die Entnahme des Geweihes im Bast am lebenden Tier unter Strafe stellt. Die neue Verordnung schließt eine wichtige Gesetzeslücke und gilt für ein Gebiet, das etwa vier Mal so groß ist wie Deutschland.

Sicher durch den Fluss

Beim Durchschwimmen von Flüssen sind Rentiere ein leichtes Ziel für Wilderer. Mit Hilfe von Spendengeldern stattete der WWF im Sommer 2018 die Rentiere mit Halsbandsendern und die Ranger mit Kommunikationsmitteln aus. So konnten die Wildhüter nun gezielt die Flussabschnitte sichern, die auf den Routen der Rentiere liegen, um Massenwilderei hier zu verhindern: Ein entscheidender Durchbruch in der Wildereibekämpfung. Danke für die Unterstützung! In Kombination mit den Umweltveränderungen durch den Klimawandel bedroht die massive Wilderei die Population der wilden Rentiere in Nordrussland enorm.

Unterstütze die Arbeit der Ranger in Russland und rette mit uns zusammen die Rentiere vor den Wilderern.

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Elfenbeinhandel in der EU: Was ist erlaubt und was soll geändert werden?

In den letzten Jahren gelangen europäischen Zollbeamten einige spektakuläre Elfenbeinaufgriffe innerhalb der EU. Gleichzeitig besteht die Befürchtung, der Handel mit Antiquitäten könnte zunehmend dazu genutzt werden, frisch Gewildertes über den Transitmarkt Europäische Union reinzuwaschen. Die EU-Kommission hat daraufhin nun ihren Mitgliedstaaten empfohlen, den Handel mit Elfenbein schärfer zu regulieren.

Zwischen 2014 und 2015 entdeckte der EU-Zoll insgesamt 1.258 Stoßzähne, die vornehmlich nach Asien illegal exportiert werden sollten. Aber auch die Anzahl verarbeiteter Elfenbeinstücke, wie zum Beispiel an Figuren, Verzierungen oder Schmuck, stieg in den letzten Jahren auf ein Rekordhoch. Eine aktuelle Studie kam zudem zu dem Schluss, dass verarbeitetes, vorgeblich antikes Elfenbein mit gefälschten Zertifikaten eingeschleust würde, nur um es anschließend wieder exportieren zu können. Die EU, so lautet ein Vorwurf, befeuere mit seiner zu laxen Handelspolitik die weltweite Wilderei.

Wie funktioniert der EU-Elfenbeinhandel?

Der internationale kommerzielle Handel mit Elfenbein ist mit Einschränkungen weltweit verboten. In der EU beziehen sich diese Einschränkungen auf das Alter, sowohl was den innereuropäischen Handel als auch den Wiederexport betrifft. Der Handel mit frischem Elfenbein aus der Zeit nach 1990 ist ausnahmslos verboten, ebenso dürfen unverarbeitete Stoßzähne – sogenanntes Rohelfenbein – nicht exportiert werden. Elfenbein, das aus einer Zeit zwischen 1976 und 1990 stammt, kann innereuropäisch mit einer Lizenz gehandelt, aber nicht wieder exportiert werden. Aus der Zeit zwischen 1947 und 1976 erfordert es ein Zertifikat über das Alter und eine Genehmigung, um es handeln oder wieder exportieren zu können. Stammt das Elfenbein aus der Zeit vor 1947, gilt es als Antiquität und benötigt für den Wiederexport einen Altersnachweis, für den innereuropäischen Handel müssen Händler auf Nachfrage die Legalität angebotener Stücke nachweisen können.

Aktuell laufen Diskussionen in der EU , diese Handelsbestimmungen zu verschärfen. Die verschiedenen Vorschläge beinhalten, dass je nach Alter auch älteres Elfenbein nicht mehr gehandelt werden könnte – oder bessere Zertifikate und Nachweise benötigen würde. Der WWF lehnt eine Verschärfung der Handelsbestimmungen nicht ab, denn sie setzt ein klares politisches Signal für den Elefanten-Schutz. Gleichzeitig erschwert sie vom illegalen Elfenbeinhandel betroffenen Staaten, mit dem Finger auf die EU zu zeigen und zu behaupten, wir sollten erst unsere eigenen Probleme in den Griff bekommen.

Fokus auf die beteiligten Elfenbeinmärkte

Allerdings darf diese striktere Regulierung keine falsche Sicherheit schaffen. Denn der WWF sieht die größte Bedrohung für die Afrikanischen Elefanten nach wie vor in den ost- und südostasiatischen Elfenbeinmärkten, die unmittelbar zu Wilderei und illegalem Handel beitragen.

Eine aktuelle Studie legt nahe, dass diese aktuelle EU-Gesetzgebung im großen Stil zur Elfenbeinwäsche ausgenutzt wird. Illegales Elfenbein werde demnach mit gefälschten Papieren eingeschleust und anschließend als legales Elfenbein nach Asien re-exportiert. Wir haben jedoch kaum Hinweise, dass frisch gewildertes Elfenbein in größerem Maßstab – wie in der Studie behauptet – unter dem Deckmantel des Antiquitäten-Handels gewaschen wird. Die kriminellen Syndikate haben es anscheinend gar nicht nötig, ihre Produkte mit Hilfe falscher Angaben zu legalisieren. Die Mengen an aufgegriffenen Elfenbein zeigen deutlich, dass es lukrativer zu sein scheint, große Mengen Roh-Elfenbein am Zoll vorbeischmuggeln, als mitunter recht kleinteilig verarbeitetes Elfenbein als “antik” in die EU einzuführen, um es anschließend wieder zu re-exportieren. Das frustriert und zeigt die Macht dieser Wilderei-Mafia, die weltweit jährlich Umsätze von geschätzt bis zu 20 Milliarden Euro macht.

Illegaler Elfenbeinhandel vs. legaler Elfenbeinhandel

Grundsätzlich überragt die Menge des über die EU geschmuggelten Elfenbeins das legal gehandelte um ein Vielfaches. Zwischen 2000 bis 2017 wurden in der EU etwa 12 Tonnen illegales Elfenbein aufgegriffen und im gleichen Zeitraum wurden legal vier Tonnen Elfenbein exportiert. Wenn wir davon ausgehen, dass nur 10 bis 25 Prozent des geschmuggelten Elfenbeins überhaupt aufgegriffen werden, ist der Schmuggel über die EU etwa 12 bis 30 Mal so groß wie der legale Export. Diese Skala macht noch einmal deutlich, dass der Haupthebel zum Stopp der Wilderei in der Bekämpfung des illegalen Elfenbeinhandels liegt.

Elefantenschutz: Artenschutzkonferenz CITES

Auf der kommenden Weltartenschutzkonferenz (CITES), die im Mai 2019 in Sri Lanka stattfindet, wird sich der WWF gemeinsam mit anderen NGOs und auch im Dialog mit der EU für den Kampf gegen illegalen Elfenbeinhandel einsetzen. Allerdings sind die Mittel begrenzt und aus diesem Grund sollten wir unsere Arbeit darauf fokussieren, die Nachfrage vor Ort zu reduzieren und die Absätzmärkte für Elfenbein trocken zu legen. So hoffen wir, die Zukunft der Elefanten sichern zu können.

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Trauriger Rekord: Pangoline weiterhin die am meisten geschmuggelten Säugetiere der Welt

Am 16. Februar ist Welt-Schuppentier-Tag – ein Tag, der weltweit auf die starke Gefährdung der Tiere aufmerksam machen soll. Zwischen 2008 und 2016 wurden durchschnittlich jedes Jahr Teile von rund 20.000 Schuppentieren vom Zoll beschlagnahmt. „Eine unvorstellbare Menge und umso dramatischer, wenn man davon ausgehen muss, dass lediglich ein Viertel bis ein Zehntel der tatsächlich illegal gehandelten Mengen aufgedeckt wird“, sagt WWF-Artenschützerin Anne Hanschke. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl gewilderter Pangoline, die auf den lokalen Märkten verbleiben.

Massensterben für Häppchen und Heilmittel

Hauptgrund für den Schuppentier-Hype ist eine starke Nachfrage: Das Fleisch der Tiere gilt als Delikatesse, ihren Schuppen werden Heilkräfte nachgesagt – vor allem in Asien, aber auch in Afrika. Obgleich es keinen Wirkungsnachweis gibt: Die Schuppen bestehen aus nichts anderem als Keratin – dem Stoff, aus dem auch unsere Haare und Nägel sind.

Das Zusammenrollen, das die Pangoline so wunderbar vor Raubtieren schützt, ist leider ein denkbar schlechtes Verteidigungsmittel gegen Wilderer. Die asiatischen Schuppentiere – dort leben vier Arten – sind bereits entsprechend dezimiert, zwei davon gelten laut Internationaler Roter Liste als vom Aussterben bedroht. Allein die Bestände des Chinesischen Schuppentiers sind seit den 1960er Jahren in China um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Deshalb besorgen sich kriminelle Händler die heiße Ware inzwischen vermehrt auch aus Afrika. Dort gibt es ebenfalls vier Arten, die bislang zwar bereits als gefährdet gelten, aber noch nicht als vom Aussterben bedroht.

Schuppenschmuggel im großen Stil

Das droht sich rasch zu ändern, denn dem Zoll in China, Hongkong und Malaysia gehen immer größere Ladungen mit Schuppentier-Schmuggelware aus Afrika ins Netz: in den letzten Jahren zum Beispiel mehr als drei Tonnen aus Uganda, vier Tonnen aus Kamerun und mindestens 12,3 Tonnen Schuppen aus Nigeria. Für diese Mengen mussten Zehntausende Pangoline ihr Leben lassen.

Besonders viel Schmuggelware wird in Hongkong aufgegriffen. 2018 beschlagnahmte der dortige Zoll mehr als 17 Tonnen Pangolinschuppen, doppelt so viel wie 2017. Doch laut einem aktuellen Bericht werden weniger als 20 Prozent der Schuppentieraufgriffe in Hongkong überhaupt strafrechtlich verfolgt. Dieses Jahr setzt sich die Kette der Aufgriffe fort: Im Januar 2019 wurden in Hongkong neben Elfenbein 8,2 Tonnen Pangolinschuppen aus Nigeria im Schwarzmarktwert von umgerechnet 4,6 Millionen Euro (42 Millionen HK-Dollar) konfisziert. Diesen Monat deckten Behörden in Malaysia durch Razzien in zwei großen Einrichtungen, in denen Schuppentiere verarbeitet und verpackt wurden, ein Syndikat auf. Allein dort wurden 30 Tonnen überwiegend gefrorene Schuppentiere gefunden.

Warum ist die Wilderei so schwer zu stoppen?

„Auch wenn der internationale Handel mit Schuppentieren seit 2017 komplett verboten ist und viele Länder die Tiere auch national mit teils hohen Strafen schützen, bleibt das Geschäft mit den wehrlosen Pangolinen lukrativ“, sagt Anne Hanschke. Denn es locken hohe Gewinne.

Bereits mit einem einzigen Schuppentier verdient ein Wilderer am Anfang der kriminellen Lieferkette nach einer neuen Studie aus Indien so viel wie in mehreren Monaten als Tagelöhner. Im weiteren Verlauf der Handelskette steigen die Preise massiv. Immer mehr vermögende Kunden in Asien sind bereit, horrende Summen für Schuppen und Fleisch der Pangoline zu bezahlen. Diese immense Gewinnspanne, die bis zum Endkonsumenten erzielt wird, ist der Treiber des organisierten Verbrechens.

Auch die schwierige Strafverfolgung in abgelegenen Regionen und lange internationale Grenzen, die kaum zu kontrollieren sind, erleichtern der internationalen Schmuggelmafia ihr kriminelles Geschäft.

Das tun wir für Pangoline

Um den Wildereidruck auf die Schuppentiere zu vermindern, müssen wir an vielen Fronten zugleich aktiv sein. In Afrika und Asien klären wir beispielsweise Gemeinden über die Folgen von Wilderei auf und entwickeln gemeinsam mit ihnen alternative Einkommensquellen.

Wir setzen uns für die Einrichtung und Erhaltung von Schutzgebieten und die Bewahrung der natürlichen Pangolin-Lebensräume in Asien und Afrika ein. Zudem unterstützen wir Wildhüter in ihrem Kampf gegen Wilderei.

Damit wir den Tieren das Überleben sichern, ist es außerdem wichtig zu erfahren, auf welchen Wegen der Schmuggel von Schuppentieren von Afrika nach Asien erfolgt. „Schuppentiere werden auch durch die EU geschleust. Hierzu hat der WWF Deutschland eine Studie in Auftrag gegeben. Mit ersten Ergebnissen rechnen wir im Lauf des Jahres 2019“, erklärt Anne Hanschke.

Um langfristig Erfolg im Kampf gegen Wilderei zu haben, muss jedoch auch die Nachfrage gebremst werden. So wurden in Vietnam Studenten und Lehrkräfte im Bereich der Traditionellen Medizin über die Verwendung von Wildtieren und deren Bedrohung sensibilisiert. In einigen vietnamesischen Städten unterstützen wir die Behörden dabei, illegale Buschfleischmärkte zu schließen und Restaurants zu überwachen, damit dort kein Fleisch von bedrohten Tieren auf dem Teller landet.

Darüber hinaus machen wir auf politischer Ebene weiter Druck, damit die betroffenen Staaten die geltenden Gesetze durch strengere Kontrollen und Strafen besser umsetzen, um die kriminellen Handelswege von Afrika bis Asien dauerhaft zu unterbrechen.

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Weniger Wilderei: Aufatmen für die Nashörner

Es ist ein großer Erfolg und eine wichtige Verschnaufpause für die Nashörner: In Südafrika hat die Nashorn-Wilderei im letzten Jahr spürbar abgenommen. 769 Nashörner wurden 2018 illegal getötet, berichtet das südafrikanische Umweltministerium. Das sind 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Erstmals seit 2012 liegt die Zahl damit unter der Tausendermarke.

Keine Entwarnung

„Der deutliche Rückgang der Wilderei zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Katharina Trump, Expertin für illegalen Artenhandel beim WWF Deutschland, gibt dennoch keine Entwarnung: „Wichtig ist zu verstehen, ob dieser Trend an der effizienten Wildereiabwehr oder einer sinkenden Nachfrage aus Asien liegt. Nur mit der Einstellung des Konsums von Nashorn-Horn können wir sicher gehen, dass die Wilderei nicht wieder zunimmt und das Überleben der Arten langfristig sichern.“

Falsche Medizin

Als wichtigste Ursache der Wilderei gilt die Nachfrage aus Asien, insbesondere in Vietnam und China, wo das Horn der Tiere in der traditionellen Medizin unter anderem als fiebersenkende und krampflösende Arznei gilt. Sogar als Heilmittel gegen Krebs werden Nashorn-Hörner angepriesen und sie gelten als bedeutendes Statussymbol. Dabei bestehen sie lediglich aus Keratin, dem selben Material wie unsere Fingernägel.

Kritische Gesetzeslage

International ist der Handel mit Nashornhorn verboten, der nationale Handel jedoch bleibt den Staaten überlassen. In Südafrika ist der Handel seit 2017 legal, nachdem ein entsprechendes Moratorium aus formalen Gründen vom Verfassungsgericht gekippt wurde. Ein Verbot gilt weiterhin für den Export der Hörner. Insbesondere Nashorn-Farmer setzen sich für eine Lockerung der Ausfuhrregeln ein, da es in Südafrika selbst kaum Nachfrage gibt. Der WWF lehnt das kategorisch ab. Illegale Hörner können so auf legalen Märkten gewaschen werden, was die Nachfrage in Asien anheizen und die Wildereizahlen wieder in die Höhe treiben könnte.

Nashorn-Land Südafrika

Derzeit leben noch rund 25.000 Nashörner auf dem afrikanischen Kontinent, über 20.000 davon in Südafrika. Als besonders kritisch gilt die Situation der vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashörner, von denen es afrikaweit nur noch gut 5.000 Individuen gibt.

In den vergangenen Wochen hatten bereits Namibia und Simbabwe Wildereistatistiken veröffentlicht. In Namibia wurden demnach seit 2015 im Schnitt 50 Nashörner pro Jahr gewildert, Simbabwe meldete 750 getötete Tiere seit 2000. Damit ist Südafrika sowohl im Hinblick auf die Bestände als auch auf die Wilderei das mit Abstand wichtigste Nashorn-Land.

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Schüsse auf Ranger: Alarmierender Vorfall in Kambodscha

Am Dienstag, 29. Januar 2019, wurde Cheng Chanthy, ein Ranger in der kambodschanischen Provinz Mondulkiri von Wilderern angeschossen. Die Brutalität, mit der die Täter gegen die Wildhüter vorgingen, ist alarmierend. Der WWF fordert eine rasche Aufklärung und konsequente Strafverfolgung und möchte sein tiefes Mitgefühl für den verletzten Wildhüter zum Ausdruck bringen. Jeden Tag setzen weltweit Ranger ihr Leben aufs Spiel, um Wälder und Wildtiere zu schützen.

Schusswechsel im Schutzgebiet

Es geschah um etwa drei Uhr morgens. Cheng Chanthy war im Srepok Wildlife Sanctuary mit fünf weiteren Kollegen auf nächtlicher Patrouille im Wald, als sie plötzlich auf eine gleich große Gruppe von Wilderern stießen. Beim folgenden Schusswechsel wurde Cheng Chanthy in den Oberschenkel getroffen. Seine Kollegen brachten ihn ins Krankenhaus.

Glücklicherweise verursachte der Schuss nur eine Fleischwunde, dem Ranger geht es den Umständen entsprechend gut und seine Wunde sollte in etwa einem Monat verheilt sein.

Unter Einsatz ihres Lebens

Die illegalen Machenschaften in unseren Wäldern müssen sofort gestoppt werden. Sie sind eine Gefahr für die Artenvielfalt UND die Menschen“, betont Seng Teak vom WWF Kambodscha. „Wir fordern die Ermittlung, Verhaftung und Verurteilung der Täter.“

Der WWF arbeitet eng mit der kambodschanischen Regierung zusammen und unterstützt die staatlichen Ranger. Überall, wo sie die wertvolle Natur des Landes vor Wilderei und illegalem Holzeinschlag bewahren, müssen sie sich der Gefahr durch skrupellose Wilderer bewusst sein und ihnen bestmöglich ausgebildet und ausgerüstet gegenüber treten können.

Kein Einzelfall

Mondulkiri ist eine der artenreichsten Regionen Kambodschas und liegt etwa sechs Autostunden nordöstlich der Hauptstadt Phnom Penh. Es ist nicht das erste Mal, dass hier Ranger in die Schusslinie von Wilderern geraten sind. Anfang 2018 wurden ein Ranger, ein Militäroffizier und ein Mitarbeiter der Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society bei einer Feldpatrouille erschossen. Der Dreifachmord ereignete sich im Keo Siema Wildlife Sanctuary, einem weiteren Schutzgebiet der Provinz Mondulkiri. Bereits Ende 2015 waren außerdem zwei Ranger im Norden Kambodschas während einer Patrouille im Waldschutzgebiet Preah Vihear getötet worden.

Anerkennung und Sicherheit für die Wildhüter

Die Bedingungen, unter denen Ranger nicht nur in Kambodscha, sondern weltweit leben und arbeiten, müssen sich dringend verbessern. Der tägliche Einsatz für den Schutz der Natur muss durch angemessene Gehälter, Versicherungen und eine professionelle Ausrüstung entsprechend gewürdigt und das Berufsbild des Wildhüters aufgewertet und ernst genommen werden.

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Tiger in Südostasien: Grund zur Sorge – und ein wenig Hoffnung in Myanmar

Während Länder wie Nepal, Indien und Russland zuletzt ermutigende Erfolge beim Tigerschutz vermelden konnten, ist die Lage in vielen Ländern Südostasiens weiterhin besorgniserregend: Die Bestandszahlen gehen zurück oder es fehlen belastbare Zahlen. Grund sind vor allem Defizite im Management der Schutzgebiete. Das konstatierten die dreizehn Tigerstaaten, die sich am 28. und 29. Januar 2019 zur dritten Tiger-Konferenz in Neu Delhi trafen. Sie forderten außerdem, diese Defizite unverzüglich zu beseitigen.

Jeden Tag sterben zwei Tiger durch Wilderei

Weniger als 4.000 freilebende Tiger gibt es noch auf der Welt. Wilderei und Lebensraumverlust zählen zu den größten Bedrohungen, besonders in Südostasien. So ist der Bestand zum Beispiel in Malaysia offenbar rückläufig. Auch wenn die Zählungen noch nicht ganz abgeschlossen sind, deutet sich bereits jetzt an, dass es nur noch weniger als 200 Tiger in Malaysia geben könnte – gegenüber früheren Schätzungen von 250 bis 340 Tieren.

In Kambodscha tappte der letzte Tiger 2007 in eine Kamerafalle und auch in Vietnam gilt der Tiger als ausgestorben. In Thailand scheinen die Zahlen immerhin stabil.

Wieder da: Tiger in Myanmar

Ermutigende Nachrichten gibt es aus Myanmar. Hier wurde seit 2014 kein Tigernachwuchs mehr gemeldet und Tiger galten bereits als ausgestorben. Doch aktuell tappten wieder 22 Tiger in die Kamerafallen der Tigerschützer, und es könnten sogar noch mehr sein. Das Gebiet, in dem die Tiger in die Kamerafallen liefen, umfasst nämlich nur 10 Prozent des potenziellen Tiger-Lebensraums. Sogar Nachwuchs konnte an drei Stellen des erfassten Gebietes dokumentiert werden.

Auf den Bildern der Wildkameras waren allerdings auch immer wieder Wilderer zu sehen. Der Erfolg des Tigerschutzes hängt in Myanmar am seidenen Faden, doch wenn in Zukunft in die Ausbildung von Rangern und den Schutz des Lebensraumes der Tiger investiert wird, gibt es guten Grund zur Hoffnung.

Die Tiger-Konferenz hat sich 2010 mit dem Ziel gegründet, die Zahl der Tiger bis zum Jahr 2022 zu verdoppeln. 2022 ist laut chinesischem Kalender das Jahr des Tigers.

„Länder wie Indien, Nepal und Russland haben gezeigt, dass der Bestand des Tigers sich erholen kann und die Herausforderungen durch Wilderei, Finanzierung und Erhaltung der Lebensgrundlagen mit starkem politischem Engagement überwunden werden können“, so Kathrin Hebel, Tigerexpertin des WWF Deutschland. Nepal gilt als das Vorzeigeland des Tigerschutzes, weil es seinen Bestand seit 2009 bis 2018 bereits verdoppeln konnte. Bleibt zu hoffen, dass Myanmar auch in Zukunft Nepals gutem Beispiel folgt.

Erfahre mehr über die Bedrohung der Tiger durch Wilderei und die WWF-Schutzarbeit in Russland, Nepal, Indonesien,…

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Nashorn-Schmuggel: Kein Ende in Sicht

Keine Entwarnung für Nashörner: Drei aktuell entdeckte Schmuggelfälle zeigen, in welch großen Mengen Rhinohorn nach wie vor aus Afrika nach Asien verfrachtet wird. Dabei sind die Funde nur die Spitze des Eisbergs.

Am 13. Dezember 2018 konfiszierten die türkischen Behörden auf dem Flughafen Istanbul-Atatürk Rhinohorn im Wert von 1,9 Millionen Euro. Eingeführt wurde die verbotene Ware in einer Maschine der Turkish Airlines aus Mosambik. Die Rhinohörner befanden sich im Gepäck eines vietnamesischen Passagiers, der über Istanbul nach Vietnam weiterfliegen wollte. Insgesamt 34 Kilogramm Nashorn-Horn wurden sichergestellt. Die Schmuggler nutzen den Flughafen von Istanbul als Umschlagplatz für ihre heiße Ware auf ihrem illegalen Weg nach Asien. Gerade in Vietnam ist Rhinohorn als traditionelles asiatisches Heilmittel begehrt.

Rhinohorn in Plastikbeuteln

Ende Dezember 2018 wurden in Simbabwe sieben chinesische Staatsbürger im Alter zwischen 23 und 35 Jahren festgenommen, nachdem in ihrem gemieteten Haus in der Stadt Victoria Falls mehr als 20 Kilogramm Nashorn-Horn im Wert von fast 900.000 Euro gefunden wurden. Die Nashornteile waren in Plastikbeuteln und Boxen versteckt.

Spürhund entdeckt Schmuggelware

Am 10. Januar 2019 schließlich hat die südafrikanische Zollbehörde auf dem Flughafen von Johannesburg Nashorn-Horn im Wert von fast 1,5 Millionen Euro beschlagnahmt. Ein Spürhund des Zoll-Teams stöberte die Schmuggelware in einer Frachthalle des Flughafens auf. Die abgesägten Hörner befanden sich, als Dekorationsobjekte deklariert, in vier Boxen unter Holzplatten, Fußmatten und anderem Kram verborgen. Die insgesamt 36 sichergestellten Rhinohörner waren für Dubai bestimmt.

Airport in Alarmbereitschaft

In Südafrika leben rund 80 Prozent aller afrikanischen Nashörner, weswegen im Land auch die meisten Widlereivorfälle auf die Tiere zu verzeichnen sind und ihre Hörner zum Großteil die illegalen Märkte in Asien versorgen. Das Land trägt daher eine besondere Verantwortung für den Schutz der Nashörner und Sicherheits- und Zollbeamte müssen verstärkt Kontrollen durchführen. Im Jahr 2017 (Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor) wurden in Südafrika 1.028 Nashörner gewildert – und damit nur minimal weniger als im Jahr zuvor (1.054).

Verbrechen bekämpfen

Die Situation für Nashörner bleibt daher brenzlig. Deshalb müssen wir noch stärker die Wilderei vor Ort bekämpfen und zugleich die Nachfrage nach Nashorn-Horn in den Abnehmerländern wie Vietnam verringern. Vor allem gilt es, die internationalen Verbrecherbanden, die mit illegalem Artenhandel ein Vermögen verdienen, zu zerschlagen: durch strafrechtlichen Sanktionen, Nulltoleranz gegenüber Korruption und die Unterbrechung der Schmuggel-Routen.

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Rückzugsgebiete für Rentiere

Der Klimawandel verändert die Erde. Erschreckend schnell geschieht dies in der Arktis – mit gravierenden Auswirkungen für deren Bewohner. Das bestätigt der neue WWF-Report „Keine Rentiere – keine Weihnacht“ über Rentiere und den Klimawandel in der Russischen Arktis.

Auf der sibirischen Taimyr-Halbinsel lebt die größte Rentierherde der Welt. Ausgerechnet dort steigen die Temperaturen im Zuge des Klimawandels besonders stark an. Der WWF will gegensteuern und der Art bei der Anpassung helfen. Die Temperatur ist bereits um über 3,5 Grad Celsius gegenüber dem Mittelwert von 1961 bis 1990 angestiegen. Fast jedes Jahr schmilzt der Schnee etwas früher, das beobachten indigene Volksgruppen dort schon seit längerem.

Rentier auf der Roten Liste

Der Klimawandel hat gravierende Folgen für die Rentiere. In den letzten 10 bis 25 Jahren ist die Zahl wilder Rentiere global gesehen von etwa 4,8 auf 2,89 Millionen Tiere im Jahr 2016 eingebrochen – ein Rückgang um 40 Prozent. Die riesige Rentierherde von Taimyr hat es schwer getroffen: Von rund einer Million Tiere im Jahr 2000 sind heute geschätzt noch 380.000 übrig. Das Rentier wurde von der Weltnaturschutzunion IUCN erstmals als „gefährdete Art“ auf die Rote Liste gesetzt.

In den letzten Jahren beobachteten russische WWF-Kollegen immer häufiger, dass die Flüsse bereits aufgetaut sind, wenn die Rentiere nach der Kalbung losziehen. Die Tiere müssen dann durch Kilometer breites Eiswasser schwimmen. Vielen der neu geborenen Jungtieren fehlt dazu die Kraft und sie überleben die Passage nicht.

Klimawandel führt zu Wilderei

Die frühere Schmelze der Flüsse im Frühjahr erleichtert auch Wilderern den Zugang zu den Herden. Sie profitieren von der wachsenden Nachfrage nach Rentierfleisch und dem Geweih der Tiere. Leber und Zunge der Tiere gelten als Delikatesse. In China werden die jungen Geweihe im Bast als Pulver zermahlen und Anhängern Traditioneller Chinesischer Medizin vermutlich als wertvoller Maralhirsch-Geweihextrakt verkauft. Die längere Eisfreiheit der Meereshäfen – noch eine Folge der Erderhitzung – erleichtert den Abtransport von Fleisch und Geweihen in weit entfernte Städte Russlands und Chinas.

Auch die indirekten Auswirkungen des Klimawandels machen den Rentierherden weltweit zu schaffen. Immer mehr Öl- und Gaspipelines, Straßen und Zäune versperren ihnen den Weg zu ihren Nahrungs- und Geburtsgebieten.

Passende Wildnis bereits gefunden

Rentiere zu schützen, ist deshalb eine Herausforderung. Neben dem Kampf gegen die Erderhitzung auf politischer Ebene setzt der WWF vor allem auf die Schaffung sicherer Rückzugsgebiete, die frei sind von Industrie, Wilderei und anderem, modernem menschlichen Einfluss. Denn nur, wenn es Ausweichmöglichkeiten für die Rentiere und die andere arktischen Arten gibt, können sie sich an die Umweltveränderungen anpassen.

Der WWF plant zusammen mit russischen Behörden und Forschern durch Unterstützung der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt (BMU) neue Schutzgebiete in der russischen Arktis zu entwickeln und so miteinander zu vernetzen, dass sie der Anpassung der arktischen Tier- und Pflanzenwelt dienen können.

Dazwischen sollen auch Wanderkorridore für die wilden Rentierherden geschaffen werden, um bereits bestehende Schutzgebiete miteinander zu verbinden. Denn je größer und vernetzter eine Rentierpopulation ist, umso widerstandsfähiger und anpassungsfähiger ist sie gegenüber Veränderungen des Lebensraumes. Bei wandernden Tierarten wie den Rentieren ist zudem ein umfassendes Management nötig, um die bis zu 3.000 Kilometer langen Wanderrouten dauerhaft zu sichern.

Indigene Bevölkerung als Partner

Viele indigene Volksgruppen leben von und mit Rentieren. Die Nenzen beispielsweise halten domestizierte Rentiere. Andere Ethnien jagen traditionell wilde Rentiere zur Selbstversorgung. Geht es den Rentieren schlecht, ist auch die Kultur dieser Volksgruppen in Gefahr. Deshalb will der WWF indigene Gruppen in der russischen Arktis dabei unterstützen, ihre Lebensweise an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen. Außerdem sollen die Schutzgebiete den indigenen Bewohnern der Arktis künftig auch Einkommensquellen erschließen.

Forderungen des WWF

1. Der WWF fordert, in der gesamten Arktis unverzüglich Gebiete unter Schutz zu stellen, die auch in Zeiten des Klimawandels als Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt der Tundra erhalten bleiben.

2. Um noch präziser vorhersagen zu können, welche Landschaften das sein werden, benötigen wir noch genauere Klimaprognosen und -modelle für die Arktis. Die sind außerdem enorm wichtig, um rechtzeitig Industrieprojekten oder anderen Bauvorhaben in der auftauenden Arktis entgegenwirken zu können, die dort großen Schaden anrichten würden.

3. Der Klimawandel ist eine extreme Bedrohung für Rentiere wie für alle arktischen Arten. Deshalb müssen wir sie gerade jetzt vor zusätzlichen Gefahren wie Wilderei und Lebensraumzerstörung schützen und ihnen Rückzugsgebiete zum Überleben sichern.

Bis es soweit ist und die Rückzugsgebiete offiziell sind, müssen wir alles dafür tun, möglichst viele Rentiere zu schützen. Hilf mit deiner Spende.

Unterstütze die Arbeit der Ranger in Russland und rette mit uns zusammen die Rentiere vor den Wilderern.

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