Kongobecken: Das Recht wird besser durchgesetzt

„‚It takes a village to raise a child’ sagt ein afrikanisches Sprichwort. Entsprechend muss Wildereibekämpfung ein gemeinsames Unterfangen aller Akteure sein, damit uns diese schwierige Aufgabe gelingt“, sagte Ilka Herbinger, die für den WWF Deutschland die Naturschutzarbeit im Kongobecken koordiniert.

Entsprechend setzt der WWF auf den Konsens mit der lokalen Bevölkerung. Im Dzanga-Sangha-Schutzgebiet in Zentralafrika hat die Umweltstiftung eine Wildlife Crime-Einheit aus Rangern und Dorfbewohnern gegründet, um geltendes Recht besser durchzusetzen. Durch ein gut funktionierendes Informanten-Netzwerk konnten im Jahr 2016 insgesamt 29 Wilderer gefasst und ihre Beute – unter anderem über 800 Kilogramm Buschfleisch – beschlagnahmt werden. Darüber hinaus wurden rund 325 Waffen, 1.365 Stück Munition und 45.000 Drahtschlingfallen konfisziert. Fast die Hälfte aller erfolgreichen Aufgriffe sind auf Informationen seitens der Bevölkerung zurückzuführen.

Allein im zweiten Halbjahr 2016 kam es in 16 vor Gericht verhandelten Fällen zu Freiheitsentzug bis zu fünf Jahren sowie zu empfindlichen Geldstrafen. Wir beobachten außerdem, dass durch vermehrte Sensibilisierung und öffentliche Gerichtsverfahren der Parkverwaltung zunehmend freiwillig Waffen übergeben werden.

Ranger besser ausgestattet

Zusätzlich hat der WWF 2017 die Ausrüstung der Ranger in Dzanga-Sangha erheblich aufgestockt und 100 Zelte, Rucksäcke, Stiefel, Schlafsäcke, Regenponchos, 30 Walkie-Talkies, 12 Thurayas (Satellitentelefone), acht Computer, 15 GPS-Geräte sowie 300 Gelände-Outfits beschafft.

Ausschließlich für die Patrouillen wurden drei neue Autos gekauft, sodass endlich mehrere Teams gleichzeitig an verschiedene Einsatzorte fahren können. Dazu kommt eine mobile, ständig einsatzbereite Einheit mit eigenem Fahrzeug, die bei unvorhergesehenen Ereignissen sofort reagieren kann.

Darüber hinaus wurde das Schulungszentrum im Park renoviert. Hier lernen die Wildhüter neue Einsatzstrategien, trainieren Fitness und Disziplin und gewinnen so auch mehr Selbstvertrauen gegenüber bewaffneten Wilderern.

Gorillas und Waldelefanten stabil

Dank aller Anstrengungen sind trotz des enormen Wildereidrucks sowohl die Waldelefanten- als auch die Menschenaffenpopulation in Dzanga-Sangha weitestgehend stabil.

Im Jahr 2017 kam es erfreulicherweise zu keinem Wilderei-Zwischenfall in den habituierten Gorillagruppen. Unsere Wildhüter haben dem Druck der Buschwildjäger standgehalten. Auch die im Januar 2016 geborenen Zwillinge Inganda und Inguka der Makumba-Gruppe haben bereits ihr zweites Lebensjahr wohlbehalten überstanden.

In den grenzübergreifenden Schutzgebietskomplexen Trinationale de la Sangha und Tridom, die für das Überleben der Waldelefanten und Menschenaffen im gesamten Kongobecken von immenser Bedeutung sind, wurden 2016 deutlich mehr Wilderer und Schmuggler (118) verhaftet und vor Gericht gestellt als im Jahr zuvor (78). Außerdem wurden mehr von ihnen (47) mit Gefängnis bis zu drei Jahren Haft bestraft als im Jahr zuvor (19).

Für das gesamte Kongobecken hat der WWF mit seinen Partnern damit begonnen, eine Datenbank aufzubauen, die alle Wildereifälle, Beschlagnahmungen und Gerichtsurteile erfasst. Damit sollen die Behörden in die Lage versetzt werden, die Region strategischer zu überwachen und vorausschauender zu handeln.

Dass wir all diese Maßnahmen für die Gorillas und ihren Lebensraum durchführen können, ist auch dein Verdienst als Unterstützer.

Die Gorillas brauchen weiterhin unsere Hilfe.

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