Schützen statt töten: Wenn Wilderer zu Rangern werden

Zwanzig Tiger habe er in seinem Leben schon getötet, erzählt Mansur. „Aber das, was ich heute mache, ist auf jeden Fall besser.“ Mansur ist nicht sein richtiger Name. Der ehemalige Wilderer steht regelrecht unter Zeugenschutz. Heute arbeitet er für die andere Seite. Mansur ist Teil der so genannten Tiger Protection Unit (TPU) des WWF und hilft, die stark gefährdeten Sumatra-Tiger vor dem Aussterben zu bewahren.

Niemand kennt die Wilderer besser als er

Niemand kennt die Vorgehensweise der Wilderer besser als Mansur. Teilweise hat er auch Einblick in das komplizierte Netz des organisierten Verbrechens, das hinter der Wilderei steht. Seinen gut ausgebildeten Kollegen im Feld dient er als wichtiger Insider und Vermittler. Manchmal begleitet Mansur die Wildhüter des WWF auch auf ihren Patrouillen in den dichten Wäldern des Schutzgebiets Rimbang Baling im Herzen der indonesischen Insel Sumatra.

Sechs Jahre Überzeugungsarbeit

Sechs Jahre lang hatte der WWF Mansur regelmäßig kontaktiert, um aus dem Wilderer einen Wildhüter zu machen. Sechs Jahre lang hatte dieser den WWF abblitzen lassen. Doch mit der Zeit, so sagt er, habe sich etwas in ihm verändert. Er sei sich der Strafbarkeit seines Handelns bewusst geworden. Vor allem aber habe er zunehmend verstanden, dass er wirklich zur Ausrottung einer bedrohten Art beitrage. Das sei ein langer Prozess gewesen. Denn niemals habe er in seinem Leben etwas anderes getan, als Tiere gefangen oder getötet, um sie an Händler zu verkaufen und damit sein Geld zu verdienen. Schon als Kind war er einer der besten Vogelfänger in seinem Dorf und hat damit zum Einkommen seiner Familie beigetragen.

Auf Patrouille im Regenwald

In Gruppen zu viert suchen Ranger den dichten, bergigen Wald Rimbang Balings nach Schlingfallen ab, entschärfen diese, gehen Anzeichen von Wilderei nach und installieren Kamerafallen. Für den Fall, dass sie Wilderer auf frischer Tat ertappen, sollte zu jeder Patrouille ein Polizeibeamter gehören, der Festnahmen ausführen darf. Mansurs Aufgabe besteht vor allem darin, die Spuren der Wilderer zu lesen und zu übersetzen und bei der Aufklärung von Wildereifällen zu helfen. Und dann macht er etwas, das der WWF oder die anderen Ranger nicht so gut können – er tritt mit den Wilderern in Kontakt und versucht, sie dazu zu bewegen, ebenfalls Tiger zu schützen statt zu töten.

Erfolgskonzept Wilderer-Rehabilitierung

Sie sind nur ein kleines Rädchen in einem hochprofessionellen, kriminellen Netzwerk: Die Wilderer stammen ausschließlich aus den lokalen Gemeinden vor Ort und wildern, um mühsam ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. An ihre Hintermänner muss man herankommen. Und man muss den Wilderern, die meist aus Not handeln und selbst ausgebeutet werden, Alternativen bieten. So wie Mansur: „Heute habe ich ein regelmäßiges Einkommen. Meine Familie und ich sind versichert. Und ich kann mich auf die Unterstützung des WWF und seines Teams verlassen.

Niemand kennt den Wald besser als er

Wenn er Vogelstimmen imitiert, hört man die jeweiligen Vögel antworten. Schon sein ganzes Leben lang kenne er diesen Wald, erzählt Mansur. Und wenn ein Tiger in der Nähe sei, dann spüre er seine Anwesenheit, sehe Spuren, wo ein anderer blind vorbeilaufen würde. „Als Ranger kann ich mein Wissen und meine Fähigkeiten für etwas Gutes einbringen und damit mein Einkommen erzielen. Davon möchte ich andere überzeugen.“ Mansur hat Erfolg. Sechs Wilderer konnte er in der Zwischenzeit bereits umstimmen.

Drehkreuz Rimbang Baling

Rimbang Baling ist wichtiges Tigergebiet, weil es verschiedene Lebensräume miteinander vernetzt. Wir müssen hier dringend weitere Ranger schulen und ausrüsten. In den lokalen Gemeinden müssen wir außerdem Aufklärungsarbeit leisten und Einkommensalternativen schaffen, um die Menschen beim Schutz der letzten Sumatra-Tiger hinter uns zu wissen.

Hilf uns bei dieser großen Aufgabe!

Sumatra-Tiger gehören zu den besonders gefährdeten Arten. Wir müssen die einzigartigen Raubkatzen vor der grausamen Schlingfallen-Wilderei retten.

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