Leben im Land der Sumatra-Tiger

Fatma Sari fegt die Veranda des kleinen, farbig angestrichenen Hauses, in dem sie zwei Zimmer vermietet. Ihr Dorf liegt mitten in den dichten Regenwäldern Sumatras. Trotzdem führt eine schmale, von Strommasten gesäumte Straße hierher. Das ist in dieser Region nicht selbstverständlich, ermöglicht Fatma Sari aber das kleine bisschen Ökotourismus, das für sie und ihre Familie seit neuestem ein wichtiges, alternatives Einkommen bedeutet. Früher haben sie vom Kautschukzapfen gelebt – und von dem, was der Wald hergab. Doch dieser Wald vor Fatma Saris Haustüre ist einer von Indonesiens letzten intakten Regenwäldern und Heimat der vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tiger.

Nahezu unberührter Regenwald

Dichter Nebel hängt über dem Dschungel im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra. Rimbang Baling heißt die wertvolle Region, die gleich mehrere Schutzgebiete in sich vereint. Hier streifen neben dem Sumatra-Tiger selten gewordene Wildtiere wie Tapire, Malaienbären, Lemuren und Nebelparder durch den Regenwald. Doch ihr Leben und Lebensraum wird von allen Seiten stark bedroht. Palmöl- und Kautschukplantagen rücken immer näher und im Wald reagieren Einheimische auf scheinbar lukrative Angebote für Wilderei und illegale Abholzung.

In und von den Wäldern leben

In den Kern- und Pufferzonen der Schutzgebiete Rimbang Balings liegen verstreut und teilweise sehr abgeschieden kleine Gemeinden wie der Heimatort Fatma Saris, Tanjung Belit. 90 Prozent der Menschen hier leben vom Kautschukzapfen. Doch die Marktpreise für Kautschuk sind in den letzten Jahren extrem gesunken und der Existenzkampf vieler Familien geht häufig auf Kosten der Wälder und Wildtiere. Dabei nimmt niemand stärker wahr als die lokale Bevölkerung, wie sehr die Natur sich verändert, dass Vögel und weitere Arten verschwinden. Doch die Menschen müssen von irgendetwas leben.

Ökotourismus als Chance

„Die meisten meiner Gäste kommen am Wochenende – vor allem aus verschiedenen Städten auf der Hauptinsel Java“, erzählt Fatma Sari. „Ich hatte aber auch schon Gäste aus Deutschland und Schweden!“ Immer mehr Besucher der Region übernachten in so genannten Homestays – einfachen, aber liebevoll ausgestatteten Gastzimmern bei örtlichen Familien. Der Aufbau von Ökotourismus schafft Einkommen, das den Druck auf die Wälder nimmt und ihre Bewohner resistenter macht gegen die Angebote der Wildtiermafia. Eine weitere, wichtige alternative Einkommensquelle ist der nachhaltige Anbau von Kartoffeln, Bohnen, Spinat und anderen Feldfrüchten.

Nachhaltige und effektive Landwirtschaft

Je effektiver dieser Anbau, desto besser die eigene Versorgung und desto mehr Erträge können darüber hinaus verkauft werden. Außerdem wird der illegalen Rodung von Urwald für neue Felder vorgebeugt. In sehr persönlichen, genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Schulungen erlernen die Gemeindemitglieder optimale Anbaumethoden möglichst widerstandsfähiger Arten und zum Beispiel die Herstellung von Dünger aus Kompost. „Die Arbeit in und mit den Gemeinden ist hochsensibel, aber auch sehr fruchtbar und ungeheuer wichtig“, erzählt Kathrin Samson, Tiger-Referentin beim WWF Deutschland. „Wir arbeiten dafür ganz eng mit den zwei lokalen Organisationen Yapeka und Indecon zusammen, deren Mitarbeiter sogar für Monate in den Dörfern wohnen und die Bewohner eng auf ihrem langjährigen Weg zu verbesserten Lebensbedingungen begleiten.

Biogas und Kunsthandwerk

Einen großen Vorteil für die Region bringen Biogasanlagen. Immer mehr Familien sollen damit ausgestattet werden. Durch Vergärung von Kuhdung wird in den Anlagen Energie erzeugt. Die Familien müssen so kein Feuerholz im Wald mehr sammeln. Gleichzeitig entsteht aus den Gärresten wertvoller Dünger. Schon jetzt verbessern die vorhandenen Biogasanlagen die Ernteerträge enorm. Bessere Erträge sind aber nicht alles. Es muss auch für den Absatz gesorgt und der Zugang zu Märkten ermöglicht und organisiert werden. Das gilt nicht nur für Kartoffeln und Gemüse, sondern auch für geflochtene Körbe, Schnitzereien aus Kokosnussschalen oder Taschen aus recyceltem Plastik. Die kunsthandwerklichen Erzeugnisse, die oft aus Abfall- und Restprodukten entstehen, sind eine weitere alternative Einkommensquelle in Rimbang Baling.

Wissen ist Macht

Zur Naturschutzarbeit in der Region gehören auch die Bewusstseinsbildung und die Stärkung des Selbstbewusstseins der Dörfer gegenüber großen Palmöl- und Kautschukunternehmen, die sich oft einfach über die Rechte der Bevölkerung hinwegsetzen. Aufklärungskampagnen, verschiedene Veranstaltungen, der Aufbau von Bibliotheken in den Gemeinden und umfassende Schulprogramme vermitteln die Wichtigkeit der biologischen Vielfalt und die Gefahren der Wilderei. Sie zeigen außerdem Perspektiven auf für ein nachhaltiges Leben im Einklang mit der Natur.

Es muss weiter gehen

Der Schutz des äußerst wertvollen Ökosytems im Herzen Sumatras und der letzten etwa 370 Sumatra-Tiger kann nur im Einklang mit der Bevölkerung und durch ihre Unterstützung geschehen. Auch neue Ranger, die für die Region geschult und mit geeigneter Ausrüstung für die strapaziösen Tätigkeiten im Feld ausgestattet werden, kommen aus den lokalen Gemeinden. Nicht nur, weil sie es sind, die den Wald am besten kennen und die engste Bindung zu ihm haben, sondern auch um ihre Akzeptanz weiter zu fördern und wiederum Einkommen zu schaffen.

Doch Rimbang Baling ist groß. Wir brauchen mehr Ranger, mehr Ausrüstung, mehr Biogasanlagen, Fortbildungen, Schulprogramme und Einkommensquellen.

Hilf uns, die Bevölkerung Rimbang Balings zu stärken und den Sumatra-Tiger vor dem Aussterben zu bewahren.

Schlingfallen sind die Waffe der Wahl für die Wilderer in den dichten Regenwäldern Sumatras. Sie bedeuten einen grausamen Tod für die Tiger.

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