China will Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn erlauben

Tiger und Nashörner gehören zu den meistbedrohten Arten der Erde. Vor allem, weil ihren Körperteilen in Asien eine heilende Wirkung unterstellt wird. Seit 1993 war deshalb in China der Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn als Reaktion auf die massive Wilderei verboten.

Jetzt will die chinesische Regierung nach einer Ankündigung vom 29. Oktober 2018 den Handel mit Tigerknochen und Nashornhorn von in Gefangenschaft gezüchteten Tieren legalisieren. Demnach soll zukünftig die Nutzung solcher Produkte durch Krankenhäuser gestattet werden, genau wie der Handel mit antiken Tiger- und Nashornerzeugnissen für den privaten Gebrauch.

Der WWF wertet dieses Vorhaben als massiven Rückschritt für den Artenschutz und fordert China dringend auf, das Handelsverbot beizubehalten.

„Es ist zutiefst beunruhigend, dass China sein 25 Jahre altes Verbot des Handels mit Tigerknochen und Nashornhorn aufgehoben hat“, sagt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. „Die Folgen werden verheerend und weltweit zu spüren sein. Denn jegliche Legalisierung setzt diese seltenen Arten weiter unter Druck.“

Artentod durch Aberglauben

Außerdem gibt es bis heute keinerlei wissenschaftliche Belege für die medizinische Wirksamkeit von Tigerknochen oder Nashornhorn. „Es handelt sich um einen Aberglauben, den die Politik nicht zum Maßstab ihres Handels machen sollte“, betont Brandes. Genau deshalb wurden sowohl Tigerknochen als auch Nashornhorn 1993 aus dem Arzneibuch der traditionellen chinesischen Medizin entfernt. Der Weltverband der chinesischen Medizingesellschaften veröffentlichte zudem 2010 eine Erklärung, in der die Mitglieder aufgefordert werden, Teile gefährdeter Arten nicht zu verwenden.

Die Wiederaufnahme eines legalen Marktes hieße nicht nur, einem Aberglauben nachzugeben. Der WWF befürchtet durch diesen Schritt der chinesischen Regierung einen Anstieg der Nachfrage in ganz Südostasien. Denn es besteht die Gefahr, dass illegale Tigerknochen und Nashornhörner klammheimlich als legale Produkte von Tieren aus Gefangenschaft deklariert werden und so in den Handel kommen.

Nachfrage könnte deutlich ansteigen

„Die Erfahrungen Chinas mit dem Handel mit Elfenbein haben deutlich gezeigt, wie schwierig es ist, parallel legale und illegale Märkte zu kontrollieren. Es steht zu befürchten, dass illegale Produkte gewaschen werden und so in den Handel fließen. Gleichzeitig müssen wir davon ausgehen, dass die Nachfrage angeheizt wird und so der Wildereidruck auf freilebende Tiere weiter steigt. Dabei sind die Bestände derart niedrig, dass schon eine leichte Zunahme der illegalen Jagd zu ernsthaften Problemen führen kann“, so Brandes weiter.

„Die heutige Bekanntmachung steht in einem deutlichen Widerspruch zur bisherigen Haltung der chinesischen Führung, die in den letzten Jahren durch entschiedene Schritte gegen den illegalen Artenhandel geprägt war. Insbesondere durch die Schließung des nationalen Elfenbeinhandels hat China einen kaum zu unterschätzenden Beitrag zum Schutz der Elefanten geleistet. Es ist bedauerlich, dass man nun von diesem guten Weg abweichen will. Anstelle einer Liberalisierung brauchen wir eine Ausweitung des Handelsverbots auf sämtliche Tigerprodukte sowie die Schließung der Tigerfarmen, in denen die Tiere für die Verwertung ihrer Körperteile gezüchtet werden.

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