Pakistan: Kilometerlange Treibnetze

Es ist ein gefährliches Terrain für den größten Fisch der Erde: Bis zu 18 Meter lang und 34 Tonnen schwer können Walhaie werden. Sie ernähren sich hauptsächlich von Plankton. Walhaie sind vom Aussterben bedroht, man findet sie heute nur noch an wenigen Orten – einer davon ist das Arabische Meer vor Pakistan. Doch hier laufen die friedlichen Riesen Gefahr, in gigantischen Treibnetzen zu landen, den sogenannten Mauern des Todes.

Treibnetze sind nicht wählerisch

In Pakistan wurden Haie in der Vergangenheit so stark befischt, dass die Bestände bis heute völlig eingebrochen sind. Den Fang bedrohter Arten wie Walhaien, Hammerhaien oder Fuchshaien hat Pakistans Regierung erst im letzten Jahr verboten. Doch die Treibnetze, die hier durchs Meer gezogen werden, sind fünf bis acht Kilometer lang und alles andere als wählerisch. The great wall of death – die große Mauer des Todes – werden solche Netze genannt. Sie verschonen keine Art und was in ihnen landet, wird in der Regel auch verarbeitet, ob es sich nun um einen geschützten Hai handelt oder nicht. Sogar ein 20 Kilometer langes Treibnetz wurde vor Pakistans Küste schon gefunden.

Wilderei aus Unwissenheit

Manch pakistanischer Fischer weiß gar nicht, was ihm da ins Netz gegangen ist: Es mangelt am Bewusstsein für bedrohte Arten. Und es mangelt an einer Wahl, denn den Fischern geht es um ihre Existenz. Um ein Exempel zu statuieren, ließen pakistanische Behörden einen gefangenen Walhai bereits tot zurück ins Meer werfen. Doch die Fischer müssen geschult werden, welche weiteren Arten vom Aussterben bedroht sind und wie sie die Haie lebend aus ihren Netzen befreien können. Außerdem müssen die Händler und Mittelsmänner zur Verantwortung gezogen werden. Denn letzten Endes ist ein Hai im Netz mehr wert als ein Thunfisch – vor allem wenn es um die Haifischflossen geht, eines der teuersten Fischprodukte überhaupt.

Hammerhaie zu Fischstäbchen

Durchschnittlich 25 Tonnen Haifischflossen werden von Pakistan aus jedes Jahr auf den Weltumschlagplatz nach Hong Kong exportiert. Dabei lässt sich überhaupt nicht nachvollziehen, von welchen Haien sie stammen. Ähnlich im Dunkeln liegen die Wege, die das Fleisch der Haie nimmt. Es wird im Gegensatz zu den Flossen hauptsächlich im Inland konsumiert, allerdings meist ohne Wissen der Verbraucher: Die Händler deklarieren das Hai-Fleisch nicht als solches, sondern vertreiben es als Fischflocken, Schnitzel oder Fischstäbchen. So kann auch der bedrohte Hammerhai als einfaches Weißfischfilet auf dem Teller landen.

Die Vermarktung der Haie im Inland wie international muss dringend genauer untersucht und die Zollbeamten vor Ort müssen viel besser geschult werden, um die Händler zu stoppen, die Verbraucher zu informieren und dadurch Pakistans Haie endlich zu retten.

Zentrum des Hai-Handels

Fast die Hälfte des internationalen Haifischflossen-Handels läuft über Hong Kong. Hier blüht nicht nur der Handel, hier wird auch besonders viel Hai konsumiert.

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