Wenn Nashörner reisen müssen

Nashörner sind nach den Elefanten die größten Landsäugetiere. Die tonnenschweren Kolosse einzufangen und umzusiedeln, ist eine Mammutaufgabe. Aber es ist oft ihre beste Chance, zu überleben. Wie jetzt in Kenia.

Nashörner umzusiedeln, ist kostspielig, aufwendig und nicht ungefährlich. Es bedarf jahrelanger Vorbereitung, Planung, Kooperation und nicht zuletzt Finanzierung. Es ist aber ein erprobter und sinnvoller Weg, um Nashörner wieder dort anzusiedeln, wo sie schon ausgerottet waren. Oder um isolierte kleine Populationen zu stärken. Oder um sie vor Wilderern zu retten. In Südafrika und Nepal werden seit einigen Jahren schon Tiere erfolgreich umgesiedelt. Jetzt sollen in Kenia Spitzmaulnashörner gefangen, betäubt und in die 100 Quadratkilometer große Nashorn-Schutzzone im Süden des Nationalparks Tsavo East gebracht werden, um die Population zu stabilisieren und die Spitzmaulnashörner vor der grassierenden Wilderei zu schützen. Ende Juni 2017 soll die Aktion beendet sein. Bis dahin gibt es aber noch sehr, sehr viel zu tun.

Oberstes Ziel bleibt es, die Nashörner mit minimalem Stress zu fangen und zu transportieren. Dazu braucht man ein eingespieltes Team aus Experten. Das eigentliche Einfangen funktioniert von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich: Wie groß ist das Areal, auf dem sich die Nashörner befinden? Wie ist die Vegetation, wie das Terrain? Das Team rund um die Tierärzte kann sich eventuell den Tieren im Geländewagen nähern und sich dann zu Fuß anschleichen. Oder man braucht Hubschrauber, um die Tierärzte so nah an das Nashorn zu bekommen, dass sie die Betäubungspfeile abschießen können. „Ob man mit dem Blasrohr durch den Busch kriecht oder aus der geöffneten Hubschraubertür hängt – ein Abenteuer bleibt es auf jeden Fall“, sagt WWF-Experte Johannes Kirchgatter, der selbst schon bei einigen Nashorn-Betäubungen dabei war.

Wenn Nashörner schweben

Betäubungsmittel und -pfeile wurden extra entwickelt, um die riesigen Tiere sicher und schonend zu narkotisieren. Wenn die Narkose wirkt, muss es schnell gehen: Die Nashörner werden vom Tierarzt ruhig gestellt, untersucht und Genproben werden entnommen. Jedes Horn bekommt einen Sender, um das Tier später orten zu können. Im nächsten Schritt muss das Team anrücken, um das Tier transportfähig zu machen: entweder per Hubschrauber oder mit einer speziell entwickelten Transportkiste. Häufig bedarf es eines Krans, um das Nashorn ein- oder auszuladen. Dann geht es in der Kiste auf sehr robuste Lastwagen, die es schaffen, tonnenschwere Last auch abseits der Straßen sicher ans Ziel zu bringen. Die holprige Fahrt kann allerdings Stunden dauern. Die Überführung mit dem Helikopter geht deutlich schneller. Das Tier wird dabei an den Beinen fixiert und kopfüber durch die Luft geflogen. „Das sieht unglaublich spektakulär aus, wenn so ein riesiges Nashorn davonschwebt, letztendlich ist es für die Tiere aber schonender“, sagt Kirchgatter.

Eingewöhnung in die Boma

Wenn die Tiere sicher in Tsavo East angekommen sind, müssen sie zunächst in die Boma. Das sind mehrere kleine Gehege aus massiven Baumstämmen. Darin können sie die Menschen nicht sehen, denn sie sollen sich nicht an Menschen gewöhnen. Die Zeit in der Boma ist aus mehreren Gründen wichtig: Hier erholen sie sich vom Stress. Die Nashörner gewöhnen sich an das Futter mit anderen, lokalen Pflanzen. Sie werden intensiv tiermedizinisch überwacht, damit keine Krankheiten oder Parasiten eingeschleppt werden.

Nach der Eingewöhnung wird ganz einfach die Tür des Geheges geöffnet und die Tiere können sich frei und geschützt im Rhino Sanctuary bewegen. Hier beginnt ein neues Leben für die Nashörner, das ihr unterstützen könnt. Nur mit eurer Hilfe können wir die Umsiedlung finanzieren.

Mit nur 5 € im Monat hilfst du uns als WWF-Fördermitglied, die Wilderei zu bekämpfen, den Handel zu stoppen und die Nachfrage einzudämmen.

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